Startschuss für das Cyber Valley

15. Dezember 2016

Wissenschaft und Wirtschaft schließen eine der größten Forschungskooperationen Europas im Bereich der künstlichen Intelligenz

Intelligente Systeme werden unsere Zukunft prägen: Sie könnten uns als autonome Fahrzeuge chauffieren, als Haushaltshilfe im Alltag zur Seite stehen oder als winzige Roboter medizinische Dienste verrichten. Um die Entwicklung dorthin voranzutreiben, schaffen Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft auf Initiative der Max-Planck-Gesellschaft und des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme im Raum Stuttgart-Tübingen das Cyber Valley. Den Startschuss dazu gaben Winfried Kretschmann, Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg, Theresia Bauer, Wissenschaftsministerin des Landes, und Martin Stratmann, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, sowie die weiteren Projektbeteiligten am Donnerstag, den 15. Dezember 2016, im Stuttgarter Neuen Schloss.

'Das Cyber Valley soll ein Ort sein, an dem die technologischen Grundlagen für unsere digitale Zukunft gelegt werden', sagt Martin Stratmann. 'Wir wollen dabei nicht nur Magnet und Talentschmiede für den besten Nachwuchs sein, sondern auch Räume schaffen für den Dialog mit den Menschen. Denn die digitale Zukunft betrifft uns alle.'

Im Cyber Valley verstärken das Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, das Land Baden-Württemberg, die Universitäten Stuttgart und Tübingen sowie die Unternehmen Bosch, Daimler, Porsche, BMW, ZF Friedrichshafen und Facebook die Forschung Entwicklung auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz. Damit entsteht eine der größten Forschungskooperationen Europas im Bereich der künstlichen Intelligenz, in die das Land in den kommenden Jahren mehr als 50 Millionen Euro investieren wird.

Ein Kreislauf aus Wahrnehmung, Verständnis, Handeln und Lernen

Die Intelligenten Systeme, die im Cyber Valley erforscht und entwickelt werden, sind in der Lage, den Kreislauf von Wahrnehmung, Verständnis, Handeln und Lernen zu vollziehen. Diese Fähigkeit, die Menschen und Tiere selbstverständlich beherrschen, ist unabdingbar, um in komplexen und dynamischen Umwelten selbständig agieren zu können. Das Ziel des Forschungsclusters ist es, vom Vorbild der Natur zu lernen und die zugrundeliegenden Steuer- und Regelungsmechanismen von Wahrnehmung, Handeln und Lernen zu verstehen und sie in künstlichen Systemen nachzubilden.

'Was lange wie eine ferne Vision im Raum stand, wird nun konkret: Die künstliche Intelligenz kommt', sagt Ministerpräsident Winfried Kretschmann. 'Wir sind überzeugt, dass mit Cyber Valley hier in Baden-Württemberg ein Hotspot für wissenschaftliche Exzellenz für die weltweit besten Köpfe von morgen auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz entstehen kann. Unser Ziel ist, nicht nur die besten Maschinen zu bauen, sondern auch die schlausten.'

Das Cyber Valley soll dabei nicht nur ein internationales Zentrum für Forschung zu Intelligenten Systemen sein, sondern auch Unternehmensgründungen in diesem Bereich fördern, um von der Grundlagenforschung möglichst rasch zu marktfähigen Anwendungen zu kommen. Wesentliches Element des Projekts ist zudem die Ausbildung von bis zu 100 Doktoranden.

Neue Forschungsgruppen und Professuren

In einem ersten Schritt werden neun und später weitere fünf Cyber Valley Forschungsgruppen eingerichtet, die durch das Land, die Kernpartner sowie durch ein Konsortium baden-württembergischer Stiftungen finanziert werden. Zehn Professuren an den Universitäten Stuttgart und Tübingen verleihen Cyber Valley im internationalen Vergleich zusätzliches Gewicht: Die Universitäten richten jeweils zwei Professuren als Brückenprofessuren zum Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme aus und leisten damit eine großen und langfristigen Beitrag. Das Land wird diese Anstrengungen durch die Finanzierung jeweils zweier zusätzlicher Professuren ergänzen. Des Weiteren engagieren sich die Unternehmen mit insgesamt zwei Stiftungslehrstühlen in Stuttgart und Tübingen. Darüber hinaus wird im Sommer 2017 eine gemeinsame Graduiertenschule (International Max Planck Research School Intelligent Systems) des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme sowie der Universitäten Stuttgart und Tübingen eingerichtet werden. In einer zweiten Ausbaustufe wird das Land mit einer Sonderfinanzierung ein gemeinsames Neubauvorhaben als physisches Zentrum von Cyber Valley unterstützen.

'Die Universitäten Stuttgart und Tübingen bilden durch ihre verschiedenen Forschungsschwerpunkte die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine ideal ab', sagt Theresia Bauer, Ministerin des Landes Baden-Württemberg für Wissenschaft, Forschung und Kunst. 'In der Kooperation mit dem Max-Planck-Institut stehen die Chancen, ein wissenschaftliches Leuchtfeuer in Baden-Württemberg im Bereich KI zu entfachen, ausgezeichnet.'

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Staatsministerium Baden-Württemberg

Statements der Partner

Als Stuttgarter Weg eröffnet die Zusammenarbeit der komplementären Fachdisziplinen an der Universität Stuttgart einzigartige Möglichkeiten, neue Fragen zu stellen und gemeinsam Antworten zu entwickeln. Mit ihrem international anerkannten Profil der Transdisziplinarität wird die Universität Stuttgart im Forschungsverbund Cyber Valley eine erfolgsentscheidende Expertise einbringen. Die deutschlandweit einzigartigen Studiengänge Technische Kybernetik und Simulation Technology stehen beispielhaft für die Leistungen der Universität bei der Entwicklung intelligenter Systeme.
Prof. Dr. Wolfram Ressel, Rektor der Universität Stuttgart
Cyber Valley ist ein Projekt mit einem kaum zu überschätzenden Potenzial für Wissenschaft und Wirtschaft. Wenn wir erfolgreich sind, legen wir hiermit eine wesentliche Grundlage für die erfolgreiche ökonomische Entwicklung Deutschlands in den kommenden Jahrzehnten. Die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den beiden Universitäten und den Max-Planck-Instituten in Stuttgart und Tübingen genießen einen ausgezeichneten Ruf. Tübingen kann hier vor allem mit einer hervorragend aufgestellten Neurowissenschaft punkten, die von den Grundlagen bis zur Anwendung in den vergangenen Jahren Bahnbrechendes geleistet hat. Dies ist uns Verpflichtung und Ansporn, um das Cyber Valley zu einem Projekt mit weltweiter Ausstrahlung zu machen.
Prof. Dr. Bernd Engler, Rektor der Universität Tübingen
Autonomes Fahren wird langfristig die individuelle Mobilität maßgeblich verändern und vor allem sicherer machen. Die Durchbrüche, die in den letzten Jahren in der Künstlichen Intelligenz erzielt wurden, bringen das Autonome Fahren in greifbare Nähe, vom Forschungslabor zur Serienentwicklung. Computer können schon heute bestimmte Aspekte des Bildverstehens besser und zuverlässiger lösen als der Mensch. Davon waren wir vor fünf Jahren noch weit entfernt.
Konventionelle Fahrerassistenzsysteme helfen dem Fahrer bei ganz speziellen Teilaufgaben des Fahrens. Wir sind davon überzeugt, dass wir Dank KI zukünftig Systeme entwickeln können, welche die breite Gesamtkompetenz des Fahrens beherrschen. Dabei ist uns sehr wichtig, dass die Systeme verlässlich funktionieren und die individuelle Mobilität sicherer machen.
Durch neue Möglichkeiten, mit großen Datenmengen umzugehen, bietet speziell das Ingenieurswesen besondere Reize. Im Automobil wird Künstliche Intelligenz physisch erlebbar.“
Dr. Reinhard Stolle, Vice President Artificial Intelligence and Machine Learning, BMW Group
Mit dem Cyber Valley stärken wir die Wissenslandschaft in Baden-Württemberg für ein zentrales Zukunftsthema. Künstliche Intelligenz hat das Potential, die Digitalisierung in der Automobilindustrie auf ein neues Level zu bringen und ist längst keine Science Fiction mehr. Die Fortschritte beim autonomen Fahren und die zahlreichen möglichen Anwendungsfelder in Entwicklung, Produktion, Vertrieb oder auch in gänzlich neuen Mobilitätsservices beweisen das in eindrucksvoller Weise.
Anke Kleinschmit, Leitung Konzernforschung und Nachhaltigkeit, Daimler AG
Porsche nimmt die Herausforderungen der Digitalisierung und Elektromobilität an“, sagt Michael Steiner, Mitglied des Vorstandes Forschung und Entwicklung der Porsche AG. „So werden wir Ende des Jahrzehnts den ersten rein elektrisch betriebenen Sportwagen auf den Markt bringen. Das Projekt Mission E unterstreicht dabei nicht nur die Bedeutung unseres Stammsitzes in Stuttgart-Zuffenhausen. Vielmehr ist es ein Meilenstein für den Technologiestandort Baden-Württemberg. Das Cyber Valley ist eine ideale Ergänzung, um industrie- und standortübergreifend an den Schlüsseltechnologien für morgen zu arbeiten und wissenschaftlichen Nachwuchs hier in Deutschland für diese Themen auszubilden.
Michael Steiner, Mitglied des Vorstandes Forschung und Entwicklung der Porsche AG
„Wir unterstützen eine enge Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft in Baden-Württemberg, um gemeinsam den Weg in eine digitale Zukunft der Mobilität zu gehen“, sagt Dr. Stefan Sommer, Vorstandsvorsitzender der ZF Friedrichshafen AG, anlässlich der Eröffnung des Cyber Valleys Baden- Württemberg. „Autonomes Fahren ist einer der großen Megatrends der Automobilbranche und erfordert eine permanente Weiterentwicklung von Sensoren, Prozessoren und Aktuatorik wie Antrieb, Lenkung oder Bremsen. ZF bildet mit seinem Produktportfolio die gesamte funktionale Wirkungskette des Sehen – Denken und Handels ab und treibt die Digitalisierung konsequent voran
Dr. Stefan Sommer, CEO der ZF Friedrichshafen AG