User Group: Wissenschaftler:innen

  • Metin Sitti erhält auf dem Weltwissenschaftsgipfel ‚Falling Walls‘ in Berlin die ‚Breakthrough of the Year‘ Auszeichnung

    Metin Sitti erhält auf dem Weltwissenschaftsgipfel ‚Falling Walls‘ in Berlin die ‚Breakthrough of the Year‘ Auszeichnung

    Als Direktor am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme in Stuttgart ist Sitti einer der weltweit führenden Wissenschaftler auf dem Gebiet der physischen Intelligenz. Er ist ein Pionier auf mehreren Forschungsgebieten, darunter drahtlose winzige Medizinroboter, von Geckos inspirierte haftende Materialien und durch Körper fahrende Miniaturroboter.

    Berlin – Falling Walls verlieh Prof. Dr. Metin Sitti auf dem Grand Finale am 9. November, genau 31 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer, den Preis ‚Breakthrough of the Year‘ für den wissenschaftlichen Durchbruch des Jahres in der Kategorie Ingenieurwesen und Technologie. Der Weltwissenschaftsgipfel ‚Falling Walls‘ ist eine jährliche internationale wissenschaftliche Veranstaltung in Berlin, die als Forum für Diskussionen und Debatten über die wissenschaftlichen Durchbrüche der Zukunft dient.

    Sitti ist ein Pionier auf vielen Forschungsgebieten, wie z.B. drahtlose medizinische Miniaturroboter, von Geckos inspirierte haftende Materialien, bio-inspirierte Miniaturroboter und physische Intelligenz. „Ich fühle mich geehrt, diese Auszeichnung zu erhalten. Sie ist eine große Anerkennung der bahnbrechenden Forschungsanstrengungen meines Teams“, sagt Sitti, der Direktor der Abteilung für Physische Intelligenz am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme in Stuttgart, Professor im Department für Informationstechnologie und Elektrotechnik der ETH Zürich und Professor an der School of Medicine and College of Engineering der Universität Koç in der Türkei ist.

    „Meine Forschung reißt Barrieren für den Einsatz drahtloser medizinischer Geräte im menschlichen Körper ein. Dabei bin ich in hohem Maße von dem Science-Fiction-Film ‚Fantastic Voyage‘ aus dem Jahr 1966 inspiriert worden. Der Film handelt von einem mikroskopisch kleinen U-Boot, das sich in den Körper eines Schlaganfallpatienten wagt, um das Blutgerinnsel in seinem Gehirn zu öffnen. Seit ich diesen Film gesehen habe, träume ich davon, winzige medizinische Geräte zu entwickeln, mit denen komplexe Regionen in unserem Körper angesteuert werden könnten. Bei minimal-invasiven Verfahren könnten diese Geräte Krankheiten bereits in frühen Stadien und mit geringen Nebenwirkungen diagnostizieren und behandeln“, sagt Sitti.

    In den vergangenen Monaten haben sich fast 1000 Nominierte aus 111 Ländern in zehn verschiedenen Kategorien um einen Preis für den wissenschaftlichen Durchbruch des Jahres beworben. Mit diesen Auszeichnungen werden einige der weltweit herausragendsten wissenschaftlichen Projekte und klügsten Köpfe geehrt. Beim heutigen Grand Finale kamen Sitti und die anderen Preisträger zusammen, um zu diskutieren, wie Wissenschaft und Innovation die Menschheit voranbringen können.

    Sitti ist ein vielfach ausgezeichneter Wissenschaftler. Im März 2019 erhielt er vom Europäischen Forschungsrat (ERC) einen prestigeträchtigen ‚Advanced Grant‘, eine Förderung, die nur an etablierte Forscher*innen mit langjährigen Spitzenleistungen in der Wissenschaft vergeben wird. Im Hinblick auf die Originalität und die Bedeutung ihrer Forschungsbeiträge sind die Förderempfänger*innen auf ihrem jeweiligen Gebiet herausragend. Darüber hinaus erhielten Sitti und sein Team kürzlich auf der angesehenen ‚Robotics Science and Systems Conference‘ den ‚Best Paper Award‘ für ihre Erfindung eines von Quallen inspirierten weichen Milliroboters, der eines Tages in der Medizin eingesetzt werden könnte.

    „Ich setze mich mit Herz und Seele dafür ein, die wissenschaftlichen Grenzen dessen, was derzeit mit drahtlosen winzigen Soft-Robotern möglich ist, und deren Einsatz in klinischen Anwendungen zu erweitern, wobei mein eigentliches Ziel darin besteht, mehr Leben zu retten“, sagt Sitti.

    Weiche Milli- und Mikroroboter, wie sie Sitti und sein Team entwickeln, bergen ein enormes Potenzial und könnten eines Tages radikale Auswirkungen auf die Medizin haben. Die Wissenschaftler*innen arbeiten intensiv an der Entwicklung drahtloser Kleinstgeräte, die in naher Zukunft auch kleinere, nur schwer und unter hohem Risiko zugängliche Regionen im menschlichen Körper erreichen können. Diese Technologien werden als semi-implantierbare medizinische Geräte über lange Zeiträume im Körper der Patienten verbleiben und minimal- oder nicht-invasive diagnostische und therapeutische Eingriffe ermöglichen.

    Bis diese winzigen Roboter eingesetzt werden können, sind jedoch noch viele Herausforderungen zu bewältigen. So müssen die Wissenschaftler*innen beispielsweise Methoden dafür entwickeln, diese winzigen Roboter im Körperinneren mit hoher Präzision zu bewegen und zu steuern, wobei Körperflüssigkeitsströme und Organbewegungen berücksichtigt werden müssen. Sie müssen auch dafür sorgen, dass die Sicherheit der Patienten gewährleistet ist und dass diese Roboter auch bei potenziellen Immunreaktionen oder anderen Reaktionen über lange Zeiträume im Körper der Patienten bleiben können.

    Sitti und sein Team arbeiten seit vielen Jahren an programmierbaren winzigen Softbots, die aus biokompatiblen magnetischen Weichmaterialien gebaut werden. Ihre Ergebnisse wurden in den angesehensten wissenschaftlichen Publikationen der Welt veröffentlicht. So zeigte Sittis Team beispielsweise in einer Ausgabe der Zeitschrift Nature, wie man die Verformungen eines weichen Milliroboters über externe Magnetfelder programmieren kann. Dadurch kann der Roboter sicher durch die komplexen Regionen des menschlichen Körpers krabbeln, schwimmen, springen und rollen. Der Roboter kann Medikamente an einem vorher definierten Zielort im Körper verabreichen, während er von medizinischen Bildgebungssystemen aus der Ferne überwacht wird.

    Sitti hat in den Jahren 1992 und 1994 an der Bogazici Universität in Istanbul seine Abschlüsse als Bachelor of Science bzw. Master of Science in Elektrotechnik und Elektronik sowie in Physik gemacht und wurde im Jahr 1999 an der Universität Tokio promoviert. Von 1999 bis 2002 war er Postdoc an der University of California Berkeley und von 2002 bis 2014 Professor am Department of Mechanical Engineering and Robotics Institute der Carnegie Mellon University. Seit 2014 ist er Direktor am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme in Stuttgart.

    Über ‚Falling Walls‘:

    Der Fall der Berliner Mauer markierte den Beginn einer neuen Ära der Freiheit, weil damals sowohl physische Barrieren als auch Denkbarrieren in Deutschland und in der ganzen Welt durchbrochen wurden. Drei Jahrzehnte später ist die Nacht des 9. November 1989 zu einem Symbol der Veränderung des Status quo und der Überwindung von Spaltungen jeglicher Art geworden. Die ‚Falling Walls Conference‘ ist von diesem historischen Moment inspiriert und wird von dem Wunsch angetrieben, die Antwort auf die folgende Frage herauszufinden: Was sind die nächsten Mauern, die in Wissenschaft und Gesellschaft fallen müssen?

    Seit ihrer Gründung hat sich die Konferenz zu einer einzigartigen globalen Plattform entwickelt, die Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft durch das gemeinsame Engagement zur Schaffung bahnbrechender Lösungen für Herausforderungen über Grenzen und Disziplinen hinweg verbindet.

    https://falling-walls.com/

  • Mobility & AI

    Mobility & AI

    Schedule

    • Welcome and Introduction – Michael Black  |  Cyber Valley Spokesperson
    • Keynote – Michael Halbherr  |  Co-Founder HERE and Technology Investor
    • Textual Explanations for Self-Driving Vehicles – Zeynep Akata  |  Uni Tübingen
    • Scientific Perspective on Mobility & AI – Andreas Geiger  |  Uni Tübingen / MPI IS
    • Investment – Tobias Jahn  |  BMW i Ventures
    • Companies & Start-ups
      • Kai Przybysz-Herz  |  NAiSE GmbH
      • Martynas Gudonavicius und Jurgis Pašukonis  |  Trafi
      • Philipp Gneiting  |  STARTUP AUTOBAHN / Mercedes Benz AG
    • Discussion

    Registration

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  • Cyber Valley Forschende steigern Analyse-Qualität von großen Netzwerken

    Cyber Valley Forschende steigern Analyse-Qualität von großen Netzwerken

    Im nächsten Schritt möchten sie ihre neue Methode in Zusammenarbeit mit Soziolog/innen in der Praxis anwenden, um den Zusammenhang von Social Media und realen Ereignissen zu untersuchen.

    Tübingen, 3. November 2020 – Um genauere Analysen in der angewandten Netzwerkwissenschaft zu ermöglichen, haben Forschende des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme (MPI-IS) in Tübingen kürzlich das Theoretical Criterion for Eigenvector Centrality (TCEC), eine quantitative Sampling-Methode, entwickelt. Die Methode zielt darauf ab, repräsentative Netzwerkeigenschaften innerhalb kleiner Datenproben zu erhalten, indem der Einfluss eines einzelnen Knotens in einem Netzwerk gemessen wird. Jetzt erweitern Nicolò Ruggeri und Caterina De Bacco das Modell um einen neuen Sampling-Algorithmus, der die Schätzungen der PageRank-Zentralität (PR) verbessert. Google Search verwendet diesen Algorithmus, um Webseiten in den Suchmaschinenergebnissen zu platzieren.

    In dem Paper mit dem Titel „Sampling on networks: estimating spectral centrality measures and their impact in evaluating other relevant network measures“ stellen sie ihre Forschung vor. Das Paper wurde kürzlich im Fachjournal Applied Network Science veröffentlicht. Ruggeri, der Hauptautor des Papers, ist Doktorand in der Cyber Valley Forschungsgruppe Physics for Inference and Optimization am MPI-IS in Tübingen und an der ETH Zürich. De Bacco, die Zweitautorin des Papers, ist Gruppenleiterin.

    Die Forschung von Ruggeri und De Bacco kann einen entscheidenden Beitrag in einem breiten Spektrum von Forschungsfeldern leisten, zum Beispiel bei sozialwissenschaftlichen Analysen, die auf die Beziehung zwischen Knoten in einem Netzwerk, wie etwa Social-Media-Kanälen, schließen wollen.

    „Unsere Arbeit wurde durch ein Gespräch mit einer Soziologin inspiriert, deren Forschung sich auf die Analyse der Dynamik von Hassrede auf Twitter konzentriert“, so Ruggeri. Bei solchen Analysen liegt eine große Herausforderung in der Bewertung von Datenproben, die aus komplexen Netzwerken gezogen werden. In den meisten Fällen sind nicht alle relevanten Informationen in der Stichprobe verfügbar, was zu Verzerrungen bei der Analyse der untersuchten Netzwerkeigenschaften führen kann. Sozialwissenschaftler/innen, die beispielsweise versuchen, eine genaue Analyse der einflussreichsten Nutzer/innen in einem ganzen Netzwerk durchzuführen, bräuchten eine Datenprobe, die den Einfluss exakt widerspiegelt.

    An dieser Stelle kommt das TCEC-Stichprobenmodell ins Spiel. Mit ihm haben es Ruggeri und De Bacco ermöglicht, repräsentative Momentaufnahmen der Benutzerdynamik in großen Netzwerken wie Facebook und Twitter zu gewinnen. Dies geschieht durch die Auswahl von Teilstichproben, die ein gutes Maß für den Einfluss einzelner Knoten im Netzwerk darstellen, was auch als Eigenvektorzentralität bekannt ist. „Wenn Forschende Netzwerknutzer/innen nach dem Zufallsprinzip auswählen, wird das untersuchte Netz wahrscheinlich sehr unterschiedlich vom tatsächlichen Gesamtnetz sein. Jede Analyse wird dann eine Verzerrung der Realität sein. Mit TCEC können Forschende, die ein Netzwerk mit Millionen von Nutzern wie Twitter untersuchen, eine Stichprobe von 10.000 Knoten auswählen. Diese Stichprobe ist repräsentativer für das Ganze, was den Einfluss der Nutzer/innen gemessen an der Eigenvektor-Zentralität betrifft“, sagt De Bacco.

    Durch die Erweiterung des Modells um PageRank Centrality hoffen Ruggeri und De Bacco, die Datenstichproben weiter zu verbessern und damit die Netzwerkanalysen noch genauer zu machen. Bisher haben die theoretischen Ergebnisse ihrer Forschung jedoch gezeigt, dass eine Stichprobenziehung für PR die Leistung des ursprünglichen TCEC-Algorithmus verringern würde. In einem nächsten Schritt planen die Forschenden, ihre Methode weiter zu verfeinern und in Zusammenarbeit mit Soziolog/innen anzuwenden, um zu untersuchen, wie der Einfluss auf soziale Online-Netzwerke mit realen Ereignissen zusammenhängt.

    Die ursprüngliche TCEC-Stichprobenmethode steht zur Anwendung zur Verfügung. Ruggeri und De Bacco haben den Code hier veröffentlicht: https://github.com/cdebacco/tcec_sampling

  • Seeding & Early Funding Opportunities

    Seeding & Early Funding Opportunities

    Schedule

    • Welcome and Introduction
    • Overview Early Funding Possibilities
    • Parallel Sessions
      • Univeristy of Tübingen
      • University of Stuttgart
      • Max Planck Innovation
    • Experiences and Programs from the region and Q&A
    • Closing Remarks

    Details below | Please register here.

     

    Welcome and Introduction

    Alex Diehl and Julia Schmaus

    Senior Advisor Cyber Valley 

    Innovation Manager

    Overview Early Funding Possibilities

    Tobias Dürr

    Innovation Manager

    Parallel Sessions

    University of Tübingen

    Sandra Gässler and Daniel Heblik

     

    University of Stuttgart

    Jordi Mauri

     

    Max Planck Innovation

    Florian Kirschenhofer

    Early Funding Opportunities, experiences and programs from the region

    Fraunhofer IPA

    Philipp Topic

     

    bwcon

    Timothy Earnshaw

     

    High-Tech Gründerfonds

    Gernot Berger

     

    Computomics GmbH

    Sebastian Schultheiss

    Closing and final Q&A

    Alex Diehl and Tobias Dürr

    Senior Advisor Cyber Valley 

    Innovation Manager

  • „Science meets Fiction“ – Künstliche Intelligenz im Film „Exit“

    Unmittelbar vor der Erstausstrahlung des Films am Mittwoch, 28. Oktober 2020, 20:35 Uhr in der ARD diskutieren wir gemeinsam mit den Machern von „Exit“ und mit KI-Forschenden, welche Folgen sogenannte Künstliche Intelligenzen für unsere Gesellschaft in Zukunft haben, und wie technologischer Fortschritt in einer gesellschaftlich wünschenswerten Weise gestaltet werden kann.

    Teilnehmerinnen und Teilnehmer: 

    • Katharina Dufner (SWR-Redakteurin)

    • Prof. Dr. Marco Huber (Leiter des Cyber Valley KI-Fortschrittszentrums „Lernende Systeme“, Fraunhofer IPA, Universität Stuttgart)

    • Prof. Dr. Ulrike von Luxburg (Professorin für Theorie des Maschinellen Lernens an der Universität Tübingen; Sprecherin des Exzellenzclusters “Maschinelles Lernen: Neue Perspektiven für die Wissenschaft”)

    • Sebastian Marka (Regisseur)

    • Erol Yesilkaya (Drehbuchautor)

    Moderation: Mirko Drotschmann (MrWissen2go)

    Anmeldung

    Sie können teilnehmen und mit-chatten im Zoom-Webinar (bitte hier anmelden) oder ohne Anmeldung den Live-Stream auf dem YouTube-Kanal des SWR anschauen. 

    Film

    Der Film "Exit" ist bereits jetzt in der ARD-Mediathek erhältlich.

  • Neue Initiative zu KI in der Medizin gestartet

    Neue Initiative zu KI in der Medizin gestartet

    Die Universität Tübingen sowie die Max-Planck-Institute für biologische Kybernetik und für Intelligente Systeme haben eine neue Initiative zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Medizin und Lebenswissenschaften gestartet. „Die aktuelle Pandemie zeigt, dass wir bei der Bekämpfung globaler Gesundheitsgefahren schneller und effizienter werden müssen. Zu diesem Zweck müssen wir die Potenziale der KI künftig deutlich stärker nutzen. Die neue Initiative bietet die Chance, alle Kräfte zu bündeln und Baden-Württemberg zu einem weltweit sichtbaren Standort für KI-Anwendungen in der Medizin zu machen“, so Wissenschaftsministerin Theresia Bauer, die die Initiative zur engeren Kooperation im Bereich KI und Medizin mit Nachdruck begrüßt, am Dienstag.

    Die neue Initiative sei offen für weitere profilierte Akteure aus dem Kreis der Universitäten, der außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Unternehmen, sagte der Rektor der Universität, Professor Bernd Engler. „Insbesondere streben wir eine enge Kooperation an mit der Universität Stuttgart, die eine erste Adresse für Themen wie Datenintegration und Simulationstechnik ist“. Beide Universitäten könnten sich zudem auf die Zusammenarbeit im Cyber Valley stützen, Europas größtem Forschungsverbund auf dem Gebiet der modernen KI.
     
    Wichtige Partner seien zudem das Deutsche Krebsforschungszentrum, das European Molecular Biology Laboratory (EMBL), die Universität Heidelberg und alle medizinführenden Universitäten in Baden-Württemberg sowie Unternehmen aus dem Kreis der weltweit hoch angesehenen baden-württembergischen Medizintechnikindustrie. Das Forschungsfeld biete darüber hinaus ein gewaltiges Potenzial für die Entstehung von neuen Start-Ups in den Bereichen Diagnostik, Medizintechnik, Pharmazie sowie medizinnaher Dienstleistungen.
     
    Engler kündigte an, dass die Universität und ihre Medizinische Fakultät in einem ersten Schritt noch in diesem Jahr vier zusätzliche Professuren auf diesem zukunftsträchtigen Forschungsfeld einrichten werden. Die künftigen Lehrstühle sollen sich unter anderem mit der Auswertung von medizinischen Bilddaten, Sequenzier- und Metadaten sowie Zeitreihen oder Statistiken mit den Methoden des Maschinellen Lernens befassen und damit neue KI-gestützte Instrumente für Diagnose, Therapieentscheidung und die Entwicklung neuer Arzneimittel schaffen. „Mit der bereits in konkreter Planung befindlichen Errichtung des Cyber Valley-Gebäudes im Tübinger Technologiepark haben Max-Planck-Gesellschaft und Universität im zweiten Bauabschnitt Vorsorge für die mögliche Unterbringung der neuen Professuren und ihrer Forschungsgruppen getroffen“, sagte der Rektor.
     
    Das Vorhaben von Universität, Fakultät und Max-Planck-Instituten wird unter anderem auch von der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung unterstützt. Die Stiftung hat sich vorgenommen, am Standort Tübingen den Aufbau eines weiteren wissenschaftlichen Leuchtturmprojekts zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz in den Neurowissenschaften zu fördern. Bereits seit 20 Jahren fördert die Stiftung in Tübingen das Hertie-Institut für klinische Hirnforschung, das mittlerweile als Modell für den Transfer von Erkenntnissen aus modernster Grundlagenforschung in die klinische Anwendung gilt.
     
    Bereits heute forschen in Tübingen rund 15 Professorinnen und Professoren am Einsatz von Methoden der Informatik in Medizin und Lebenswissenschaften. Dazu kommen zahlreiche Forschungsgruppen. Einrichtungen der Universität wie das Exzellenzcluster „Maschinelles Lernen in der Wissenschaft“ und das von der Bundesregierung finanzierte KI-Kompetenzzentrum machen Tübingen schon heute zum führenden deutschen Standort für Grundlagenforschung im Maschinellen Lernen. Darüber hinaus sind immer mehr Tübinger Medizin-Start-Ups Teil des Cyber Valley Start-Up Networks.
     
    „Mit unserer KI- und Medizin-Initiative bauen wir auf einem starken Fundament auf“, sagte Professor Michael Black, Direktor des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme in Tübingen. „Von der Patientenversorgung über die Diagnose bis hin zur personalisierten Medizin gibt es endlose Möglichkeiten, die moderne Medizin mit KI und Robotik zu stärken. Indem wir unsere Stärken vereinen, wollen wir einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, die Felder von Künstlicher Intelligenz und Medizin voranzubringen.“
     
    „Unsere Arbeiten in der Grundlagenforschung bilden ein solides Fundament dieser sehr vielversprechenden Initiative mit wegweisenden Vorhaben an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Anwendung“, kommentierte Professor Peter Dayan, Geschäftsführender Direktor am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik. „Wegweisende Erkenntnisse aus Analysen hochauflösender bildgebender Verfahren ermöglichen es uns beispielweise, die neuronale Organisation im Gehirn auch im Zusammenhang mit Krankheitsbildern besser zu verstehen; das Potenzial Künstlicher Intelligenz erlaubt es uns etwa, die Komplexität menschlichen Entscheidungsverhaltens besser zu durchdringen, um uns so auch über Wesen und Verlauf typischer psychischer Erkrankungen ein klareres Bild machen zu können.“
     
    Der Dekan der Medizinischen Fakultät, Professor Bernd Pichler, verwies darauf, dass beim Einsatz moderner medizinischer Diagnoseverfahren gewaltige Datenmengen entstehen, deren Auswertung mit herkömmlichen Methoden kaum noch zu bewältigen ist: „Ähnliche Herausforderungen treten bei einer Vielzahl von Fragestellungen in den Lebenswissenschaften auf, von der Grundlagenforschung bis hin zur Translation von Forschungsergebnissen in die klinische Anwendung, etwa in der personalisierten Medizin. Daher bin ich davon überzeugt, dass in den kommenden Jahren und Jahrzehnten bahnbrechende Erfolge in der medizinischen Forschung und der Versorgung von Patienten mit dem Einsatz Künstlicher Intelligenz einhergehen werden.“ Die Auswertung und intelligente Interpretation von Gesundheitsdaten werde nicht nur die Prognose von Krankheitsverläufen vereinfachen oder die Prävention und die Früherkennung von Krankheiten verbessern, sondern unterstütze auch die Suche nach neuen Medikamenten und Therapieoptionen.


    Kontakt:

    Dr. Karl G. Rijkhoek
    Hochschulkommunikation Universität Tübingen
    Telefon: +49 7071 29-76788
    karl.rijkhoek@uni-tuebingen.de
     
    Valérie Callaghan
    Communications Manager Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme
    Telefon: +49 7071 601-1832
    valerie.callaghan@tuebingen.mpg.de
     
    Dr. Daniel Fleiter
    Leiter Kommunikation Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik
    Telefon: +49 7071 601-777
    daniel.fleiter@tuebingen.mpg.de

  • Chip produziert erstmals Ultraschall-Videos

    Chip produziert erstmals Ultraschall-Videos

    Wissenschaftler der Forschungsgruppe Mikro, Nano und Molekulare Systeme am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme und des Instituts für Physikalische Chemie der Universität Stuttgart haben einen digitalen Chip entwickelt, der Filmsequenzen mit Ultraschall herstellen kann. Darüber berichten die Forschenden in einem Beitrag im renommierten Magazin „Nature Communications“. Der Ultraschallprojektor basiert auf einem speziellen Mikrochip, der am Institut für Mikroelektronik Stuttgart (IMS CHIPS) entwickelt und gefertigt wurde. Der Chip erzeugt gezielt Mikrobläschen, die sich (über den Chip) digital in schneller Abfolge ein- und ausschalten lassen. Dies ermöglicht es erstmals, hochauflösende holografische Abbildungen zeitaufgelöst darzustellen.

    Ultraschall wird in vielen Bereichen angewendet, von medizinischer Bildgebung über industrielle Messtechnik bis hin zu Gewebeentfernung bei Operationen oder Therapien. Während es jedoch zur Detektion und Analyse von Ultraschall ausgereifte Technologien gibt, steht die Erzeugung und Projektion dieser hochfrequenten Schallwellen noch am Anfang. Typischerweise bestehen Ultraschall-Systeme aus wenigen Schallgeneratoren, die zwar einen Strahl beugen oder fokussieren können, aber nicht in der Lage sind, beliebige Motive wie zum Beispiel Bilder zu projizieren. 

    Genau dies ist den Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme sowie der Universität Stuttgart und des Stuttgarter Instituts für Mikroelektronik (IMS CHIPS) nun erstmals gelungen. Sie haben ein System entwickelt, mit dem komplexe akustische Bilder in Wasser projiziert und dynamisch ohne großen Zeitversatz verändert werden können. Dieser neuartige Ultraschall-Projektor basiert auf einem speziell angepassten CMOS-Computerchip, welcher durchlaufende Schallwellen dynamisch modulieren kann. Mit ihm wurde nun der erste Film mit von Ultraschall erzeugten Bildern produziert.

    Räumliche Ultraschall-Wandler erweitern die Möglichkeiten von Ultraschallanwendungen. Ermöglicht wird die dynamische Kontrolle eines akustischen Felds.

    Räumliche Ultraschall-Wandler erweitern die Möglichkeiten von Ultraschallanwendungen. Ermöglicht wird die dynamische Kontrolle eines akustischen Felds.
    Foto: MPI

    Deutlich ausgereiftere Ultraschall-Muster

    Der Ultraschall-Projektor hat die Fähigkeit, räumliche akustische Felder und damit ausgereiftere Muster aus fokussiertem Ultraschall zu projizieren und dynamisch zu erneuern. “Diese Technik kann beispielsweise hilfreich sein, wenn man Ultraschall nur auf eine eng begrenzte Zielregion anwenden und vorsichtig darauf einstellen will – so wie es in medizinischen Anwendungen wünschenswert ist”, sagt Zhichao Ma, Erstautor der in Nature Communications erschienenen Forschungsarbeit. 

    Der CMOS-Chip verfügt über 10.000 winzige, vergoldete Elektroden, die als Matrix auf der Chip-Oberfläche angeordnet sind und über die in den Chip integrierte Elektronik einzeln digital angesteuert werden können. Die Chip-Oberfläche ist mit einer wässrigen Lösung in Kontakt. Wird nun an eine Elektrode eine Spannung angelegt, fließt ein Strom und durch Elektrolyse wächst eine winzige Blase an der Elektrodenoberfläche. Da schon eine sehr dünne Luftschicht den Ultraschall in Wasser blockiert, verhält sich jede Mini-Blase wie ein örtlicher Schallschutz. Indem der CMOS-Chip diese Mini-Blasen nur an bestimmten Stellen erzeugt, bildet er quasi eine Maske, welche die Stellen einschränkt, durch die der Schall hindurchfließen kann. Diese Maske kann wie ein digitales Hologramm geformt werden, so dass die ausgehende akustische Welle jedes gewünschte akustische Bild erzeugen kann. Darüber hinaus können die Blasen auf dem Chip weggewischt und neu arrangiert werden, um das nächste holographische Bild zu erzeugen. Letztendlich führt dann ein Bild nach dem anderen zu einem Ultraschall-Film.

    Die Forschenden sind sich sicher, dass ihr neuartiges Instrument neue Anwendungen ermöglicht. So könnten sich zum Beispiel mit Hilfe gut kontrollierbarer akustischer Kräfte kleine Objekte verändern lassen. In einem Experiment haben sie bereits Polymerteilchen in verschiedene Formen arrangiert, die sich über die Zeit verändern, und sogar lebende Zellen lassen sich mit Hilfe von akustischen Hologrammen arrangieren.

    Detail des Multielektroden-Chips

    Detail des Multielektroden-Chips
    Foto: IMS CHIPS

  • AI & Health

    AI & Health

    Schedule

    • Opening remarks
    • Start-Ups
    • Investors
    • Discussion
    • Closing Remarks
    Opening

    Alex Diehl

    Senior Advisor Cyber Valley

    Start-Ups

    Computomics GmbH (Start-Up, Tübingen)

    Sebastian Schultheiss

    "Computomics’ data analysis experts offer custom services for next-gen sequencing projects – from crop science to metagenomics."

     

    AIRAmed GmbH (Start-Up, Tübingen)

    Christiane Lindig & Tobias Lindig

    "Artificial intelligence makes neuroradiology measurable, Individual and objective."

     

    Curedatis (Early Stage Start-Up, Stuttgart)

    Robert Radloff

    "Current methods for evidence generation and synthesis do not scale to meet the demands, imposed by the exponentional growth of the evidence base."

     

    eye2you GmbH (Start-Up, Tübingen)

    Jörn-Philipp Lies

    "We want to make retinal eye care more accessible to everybody by leveraging the power of cutting-edge AI with the ubiquity of smartphones."

     

    Grazia Equity GmbH (Investor, Stuttgart)

    Benedikt Battke

    "Capital for entrepreneurs."

     

    Apollo Health Ventures (Investor, Hamburg)

    Victor Bustos

    "Apollo Health Ventures develops interventions with the potential to prevent or reverse age-related diseases and extend healthy human lifespan."

    Discussion

    Wieland Brendel

    Machine learning researcher at the University of Tübingen & Co-Founder of Layer7 AI

     

    Alexander Brem

    Chaired Professor of Entrepreneurship in Technology and Digitization, 
    endowed by the Daimler Fund in the Stifterverband, at the University of Stuttgart

    -Moderator-

    Closing

    Alex Diehl

    Senior Advisor Cyber Valley

  • Intelligente und kooperative Flugroboter

    Intelligente und kooperative Flugroboter

    Prof. Wolfram Ressel, Rector of the University of Stuttgart, is pleased to welcome Dr. Ahmad as a new faculty member: “With his focus on aerial robots, Ahmad adds a very important aspect to our existing research spectrum in the area of robotics and artificial intelligence. His research makes a significant contribution to the University of Stuttgart’s vison Intelligent Systems for a sustainable society. We are pleased that Dr. Ahmad is now both continuing his activities in the Cyber Valley research consortium and complementing our excellent team at the Faculty of Aerospace Engineering and Geodesy.”

    Anyone who has ever flown a drone knows how challenging it can be, as it calls for avoiding obstacles and being careful not to fly into them. It’s also not so easy to film your own dog in a field, for example, because it’s often impossible to predict which direction it will take next. Intelligent systems make it increasingly easy to identify obstacles and avoid them or detect moving objects and follow them. However, things get complicated when more than one aerial robot is in use simultaneously. How can individual robots exchange information and coordinate their actions so that they can collectively recognize an object and act accordingly? These are some of the questions that Ahmad’s research addresses.

    “I am very pleased to be taking on this new challenge,” says Ahmad, who will be teaching Advanced Estimation for Flight Robotics. “I am fortunate that the University of Stuttgart has offered me the opportunity to add the field of flight robotics to the existing research of the aerospace faculty. I am also grateful that my previous position at the Max Planck Institute for Intelligent Systems (MPI-IS) in Tübingen gave me the opportunity to drive forward my research on vision-based multiple aerial systems over the past three years.”

    Research Focus: Aerial Robotics

    Ahmad and his research group focus on vision-based perception in multi-robot systems, particularly aerial robots. They are interested in investigating how the formation of a group of aerial robots can be controlled in the air. In practice, this is necessary whenever several aerial robots have to avoid a fixed obstacle or when they want to follow a moving object. Often, pre-specified formation geometry is used, but Ahmad and his team try to solve this problem differently. Equipped only with cameras, the individual robots exchange limited information with each other and develop a coherent understanding of the overall scenario to adjust their formation accordingly. The long-term goal of the team’s research is to gain a better understanding of how teams of robots can efficiently navigate, cooperate, and communicate with one another.

    Over the course of the AirCap project at the MPI-IS, Ahmad has led his group of researchers in conceptualizing and developing a team of micro-aerial vehicles (MAVs) for markerless and outdoor human motion capture (MoCap). The system, which comprises multiple cooperating aerial robots, is the first that is capable of autonomously detecting, tracking, and following a person in a natural outdoor environment without the use of sensors or markers. Thanks to the MAVs’ onboard cameras and the system’s state-of-the-art back end, a human subject’s 4D skeletal pose and body shape can be reconstructed with a high level of accuracy. Such systems show great promise for application in a broad range of areas, like search and rescue operations, wildlife conservation, agriculture, and construction safety monitoring.

    About Dr. Aamir Ahmad

    Ahmad received his Bachelor of Technology in Civil Engineering from the Indian Institute of Technology (IIT) in Kharagpur, India. He then was a postdoctoral fellow at the University of Lisbon’s Institute for Systems and Robotics, where he completed his PhD in Electrical and Computer Engineering. He then went on to work as a research scientist at the Max Planck Institute for Biological Cybernetics and the MPI-IS in Tübingen. An award-winning scientist and leading young researcher in the field of flight robotics, Ahmad received the Marie Curie Intra-European Fellowship in 2013, one of the world’s most competitive academic fellowships.

    In addition to his teaching and research activities at the University of Stuttgart, Ahmad will continue to lead the Robot Perception Group’s research projects at MPI-IS in Tübingen. He also plans on co-supervising PhD students for the International Max Planck Research School for Intelligent Systems (IMPRS-IS).

  • Christoph Keplinger als neuer Direktor an das Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme berufen

    Christoph Keplinger als neuer Direktor an das Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme berufen

    Keplingers Forschungsschwerpunkt sind neuartige Materialien und Komponenten, die den Bau von Robotern grundlegend verändern. Er gilt als Pionier auf dem Gebiet der bio-inspirierten Soft-Robotik, als Rising Star im Forschungsgebiet der Robotik und Materialwissenschaft. Als Direktor leitet er fortan die neu gegründete Abteilung Robotik-Materialien. Keplinger wird die zukünftige Entwicklung des Instituts sowie die Exzellenz innerhalb des Cyber Valleys – Europas größtem Forschungskonsortium auf dem Gebiet der KI – maßgeblich prägen.

    Stuttgart – Christoph Keplinger wurde von der Max-Planck-Gesellschaft zum Direktor am Stuttgarter Standort des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme (MPI-IS) ernannt. Er leitet fortan die Abteilung „Robotik-Materialien“. Seine Forschung konzentriert sich auf Soft-Robotik, Funktionspolymere und auf Energiegewinnung – drei miteinander verbundene Schwerpunkte, die für die Erforschung neuartiger Robotik-Materialien maßgeblich sind, da sie die Bauelemente liefern für die intelligenten Systeme der Zukunft.

    Keplinger wechselt an das MPI-IS von der University of Colorado Boulder in den USA, wo er Assistenzprofessor für Maschinenbau war, ein Fellow des Programms für Materialwissenschaften und Ingenieurwesen, und eine Stiftungsprofessur innehatte als Mollenkopf-Faculty Fellow. Seinen Doktortitel (Dr. techn.) in Physik erwarb er an der Johannes Kepler Universität Linz in Österreich, als Postdoktorand forschte er an der Harvard University in den USA. Außerhalb des akademischen Bereichs war er 2018 Mitgründer des Start-ups Artimus Robotics, dessen Chief Scientist er ist.

    Parallel zu seinem Angebot, Direktor am MPI-IS zu werden, wurde Keplinger auch für eine Alexander von Humboldt-Professur an der TU Dresden im Jahr 2021 ausgewählt. Während des Verhandlungsprozesses lehnte er diese prestigeträchtige Ernennung ab, um sich vollständig auf seine Aktivitäten am MPI-IS konzentrieren zu können.

    „Ich fühle mich geehrt, dass die Max-Planck-Gesellschaft ihr Vertrauen in mich setzt“, sagt Christoph Keplinger. „Ich bin begeistert von der Aussicht auf echte akademische Freiheit, auf Neugier-getriebene Forschung und bin dankbar für die großzügige, langfristige Finanzierung, die mit der Ernennung zum Direktor einhergeht. Für mich ist es der größte Schritt in meiner Karriere, eine einmalige Möglichkeit, viele spannende wissenschaftliche Themen anzugehen mit einem Maß an kreativem Output, wie er anderswo so nicht möglich wäre. Hier kann ich eine große, weltweit führende Forschungsgruppe auf dem Gebiet der Robotik-Materialien aufbauen, die materialwissenschaftliche Fragen der Robotik mit Hilfe von Konzepten der Physik und Chemie beantwortet, wofür es viele Möglichkeiten zur Zusammenarbeit mit anderen Gruppen auf dem Stuttgarter Campus gibt . Zugleich kann ich an neuartigen Designs von Robotern arbeiten, die auf intelligenten Werkstoffsystemen basieren und auf den rasch wachsenden Werkzeugkasten im Bereichen Lernen und Wahrnehmung zurückgreifen, der auf dem Tübinger Campus entwickelt wird. Auf diese Weise können mein Team und ich nicht nur neue Materialien erfinden, sondern diese auch auf komplexen Robotersystemen erproben, die die neuesten Entdeckungen des Maschinellen Lernens nutzen und so ein hochmodernes Forschungsökosystem schaffen, das den Stand des Wissens rasch voranbringen wird.“

    „Ich bin mehr als glücklich darüber, Christoph Keplinger als neuen Direktor an unserem Institut begrüßen zu dürfen“, sagt Katherine J. Kuchenbecker, die die Abteilung für Haptische Intelligenz leitet und derzeit geschäftsführende Direktorin des MPI-IS ist. „Christoph hat seine erste Fakultätsstelle erst vor fünf Jahren angetreten, zeigt aber eine bemerkenswerte Reife als Wissenschaftler, als Mentor und als Führungskraft. Ich kann es kaum abwarten, die grundlegenden Erkenntnisse und klugen Innovationen zu sehen, die er und sein Team in den kommenden Jahrzehnten hier in Stuttgart erschaffen werden.“

    „Christoph Keplinger ist ein bemerkenswert kreativer und vielseitiger Wissenschaftler und eine ausgewiesene Führungspersönlichkeit auf dem Gebiet neuartiger Robotik-Materialien“, sagt Metin Sitti, der die Abteilung für Physische Intelligenz am MPI-IS leitet. „Er hat schon zu Beginn seiner jungen Karriere internationale Anerkennung und einen Ruf für wissenschaftliche Exzellenz erlangt, mit mehreren äußerst einflussreichen Publikationen zu Schlüsselthemen der Robotik und Materialwissenschaft, die für die Zukunft intelligenter Systeme entscheidend sind.“

    Die Grenzen verschieben, wie Roboter gebaut werden

    Roboter werden meist aus festen Bauteilen konstruiert, angetrieben durch Elektromotoren aus Metall, was sie schwer macht, beim Einsatz mit Menschen riskant, teuer und oft ungeeignet für unwägbares Terrain. Im Gegensatz dazu macht die Natur ausgiebig Gebrauch von weichen Materialien wie Muskeln und Haut. In der Natur gibt es zahlreiche Organismen, die Roboter in Bezug auf Beweglichkeit, Geschicklichkeit und Anpassungsfähigkeit drastisch übertreffen. Christoph Keplingers Forschung zielt darauf ab, die derzeitigen Grenzen der Hardware, die beim Bau von Robotern zum Einsatz kommt, grundlegend zu verschieben. Er verfolgt einen interdisziplinären Ansatz, der Erkenntnisse aus der Chemie und Physik der weichen Materie mit fortschrittlichen Ingenieurtechniken verbindet, um so Robotik-Materialien zu entwickeln, die nicht nur die Schaffung intelligenter Maschinen ermöglichen, sondern auch die erstaunlichen Fähigkeiten natürlicher Organismen nachahmen.

    Die neue Abteilung „Robotik-Materialien“ am MPI-IS in Stuttgart

    Bezüglich Keplingers erstem Forschungsschwerpunkt, der Soft-Robotik, ist ein zentrales Forschungsthema die Entwicklung neuer Antriebssysteme, oder Aktuatoren – eine Schlüsselkomponente aller Robotersysteme –, die Muskeln ähneln. Muskeln sind ein Meisterwerk der Evolution: sie glänzen mit einer ausgesprochen breiten und ausgewogenen Palette an Leistungsmerkmalen, können nach einer Verletzung heilen und arbeiten auf intelligente Weise mit Sinnesorganen zusammen. Die Anwendungsbereiche der Soft-Robotik reichen von der Automation industrieller Prozesse über medizinische Robotik (Stichwort Exoskelette) bis hin zu neuartigen Mensch-Maschine-Schnittstellen.

    Ein zweites Forschungsthema sind Funktionspolymere mit außergewöhnlichen Eigenschaften: sie können Strom leiten und sind gleichzeitig dehnbar, transparent, biologisch abbaubar und können sich nach einer Beschädigung selbst heilen – alles Schlüsselmerkmale zukünftiger biologisch-inspirierter Robotersysteme.

    Ein dritter Schwerpunkt ist die Erforschung neuer Prinzipien der Energiegewinnung, die es ermöglichen, intelligente autonome Systeme mit Strom zu versorgen und – in größerem

    Maßstab betrachtet – nachhaltige Lösungen für die Nutzung von Abwärme aus industriellen Prozessen zu entwickeln oder ungenutzte erneuerbare Energiequellen wie Meereswellen erschließbar zu machen.

    „Mit Blick auf meine zukünftige Karriere hier in Stuttgart ist es mein langfristiges Ziel, die Grenzen dahingehend zu verschieben, wie komplexe intelligente Maschinen gebaut werden, die mit den Fähigkeiten der in der Natur vorkommenden Organismen konkurrieren oder sie sogar übertreffen. Ich persönlich schöpfe eine Menge Energie und Kraft aus der Vorstellung der zahlreichen praktischen Anwendungen, die von dem in meinem Labor generierten Wissen inspirieren sein werden. Meine Forschung wird sich auf mehrere Bereiche, die direkt mit der Lebensqualität der Menschen zusammenhängen, auswirken, darunter z.B. das Altern. Tragbare oder mit dem Körper verbundene Soft-Robotik Bauteile werden es älteren Menschen ermöglichen, länger mobil und selbständig zu bleiben. Und auch einige Anwendungen in der medizinischen Robotik sind meine Vision. Unsere Forschung wird es auch ermöglichen, Aufgaben im Haushalt zu automatisieren sowie Haushaltsroboter auf der Grundlage kostengünstiger und anpassungsfähiger Robotik-Materialien zu entwickeln. Ein weiterer wichtiger Aspekt, an dem wir arbeiten werden, ist die Entwicklung intelligenter Materialsysteme, um Energie zu gewinnen. Neue Prinzipien der Energiegewinnung werden bisher ungenutzte Quellen erneuerbarer Energie wirtschaftlich tragfähig machen.“

    „Ich erwähne die aufregenden praktischen Anwendungen, die durch meine Forschung ermöglicht werden, denn ich bin mir der Verantwortung voll bewusst, die mit der Verfügung über eine große Menge öffentlicher Mittel verbunden ist. Als Direktor werde ich kontinuierlich danach streben, der Gesellschaft etwas zurückzugeben, indem ich Wissen schaffe, Wohlstand durch Innovationen und die Gründung von Start-up-Unternehmen voranbringe, die nächste Generation aufstrebender Wissenschaftler inspiriere und betreue und die Öffentlichkeit an unserem wissenschaftlichen Fortschritt teilhaben lasse. Ich hoffe, dass viele junge Menschen mit diversen Hintergründen mein Team und mich auf dieser spannenden Reise begleiten und durch die Entwicklung neuer, von der Natur inspirierter Konzepte die Zukunft der Robotik mitgestalten werden.“

    Mit dem Schwerpunkt auf Robotik-Materialien ergänzt und erweitert Christoph Keplinger das Forschungsspektrum des MPI-IS perfekt. Mit Standorten in Tübingen und Stuttgart verbindet das MPI-IS interdisziplinäre Spitzenforschung im wachsenden Forschungsgebiet der intelligenten Systeme unter einem Dach. Der Stuttgarter Standort konzentriert sich insbesondere auf die Erforschung physikalisch intelligenter Systeme wie Mensch, Roboter und Tier. Die Abteilung für Haptische Intelligenz unter Leitung von Katherine J. Kuchenbecker beschäftigt sich mit der Interaktion von Roboter und Menschen über den Tastsinn. Die Abteilung für Physische Intelligenz unter der Leitung von Metin Sitti hat zum Ziel, die Prinzipien von Design, Fortbewegung, Wahrnehmung, Lernen und Steuerung von kleinen mobilen Robotern aus intelligenten und weichen Materialien zu verstehen. Die beiden Abteilungen werden durch Forschungsgruppen ergänzt, die sich auf die Biomechanik und Neurokontrolle von Laufrobotern, die Wechselwirkung optischer, elektrischer und magnetischer Felder mit Materie auf kleinen Längenskalen sowie auf die Forschung an der Schnittstelle von Biologie und Robotik konzentrieren und die morphologischen Anpassungen natürlicher Systeme zur Erzielung einer robusten Fortbewegung erforschen.

    Die Region Stuttgart ist für Christoph Keplinger ein idealer Ort, um seine Karriere voranzutreiben. Mehrere Forschungszentren der Universität Stuttgart und die beiden Fraunhofer-Institute IPA und IAO befinden sich in unmittelbarer Nähe zum Stuttgarter Standort des MPI-IS. Die akademischen Einrichtungen sind von mehreren der weltweit führenden Industrieunternehmen umgeben und bilden Europas größtes Ökosystem im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI): Cyber Valley, gegründet 2016, mit Partnern aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft. Die Partnerschaft stärkt die Forschung und Lehre in den Bereichen Maschinelles Lernen, Computer Vision und Robotik sowie die Verbindungen zwischen diesen Bereichen. „Ja, das ist eine Sache, zu deren Stärkung ich beitragen möchte: die Bemühungen von Cyber Valley im Bereich der Robotik. Es gibt bereits einen starken Fokus auf Informatik und KI, den Bereich Materialien und Robotik möchte ich maßgeblich erweitern und stärken. Ich werde mich kontinuierlich bemühen, die enge Verzahnung der Grundlagenforschung und die Entwicklung neuer Anwendungen voranzubringen“, sagt Keplinger.

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    Christoph Keplinger ist Österreicher und 36 Jahre alt. Bevor er der Max-Planck-Gesellschaft als Direktor am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme (MPI-IS) beitrat, war er Assistenzprofessor für Maschinenbau und Fellow of the Materials Science and Engineering Program an der University of Colorado Boulder in den USA, wo er auch eine Stiftungsprofessur als Mollenkopf Faculty Fellow innehatte. Vor seiner Tätigkeit an der CU Boulder forschte er als Postdoktorand in Mechanik und Chemie an der Harvard University in den USA, und er promovierte in Physik an der Johannes Kepler Universität Linz in Österreich.

    Seine Forschungsarbeiten wurden in führenden Fachzeitschriften wie Science, Science Robotics, PNAS, Advanced Materials und Nature Chemistry veröffentlicht und in populären Medien wie National Geographic und auf TED.com gefeatured.

    Im November 2018 war er Mitbegründer von Artimus Robotics, einem Spin-Out, das seine in der Keplinger-Forschungsgruppe erfundene HASEL-Technologie für künstliche Muskeln kommerzialisiert. Seitdem ist er der Chief Scientist von Artimus.

    Dr. Keplinger hat in seiner jungen Karriere viele Preise gewonnen. Im Jahr 2019 erhielt er den Young Scientist Award auf der Internationalen Konferenz über aktive Materialien und weiche Mechatronik, AMSM, für seine „sehr bedeutenden Beiträge auf dem Gebiet der weichen Sensoren, Aktoren und Robotik“. Im Jahr 2017 erhielt er die Packard Fellowship for Science and Engineering, eine der angesehensten Auszeichnungen, die an Nachwuchswissenschaftler vergeben wird; diese Auszeichnung bietet eine Finanzierung über 5 Jahre, „um in großen Dimensionen zu denken und komplexe Themen mit einer neuen Perspektive zu betrachten“. Im Jahr 2013 erhielt er den EAPromising European Researcher Award vom European Scientific Network for Artificial Muscles, und im Jahr 2012 erhielt er sowohl den Loschmidt-Preis der Chemisch-Physikalischen Gesellschaft Österreichs als auch den Erwin-Wenzl-Preis für seine herausragende Dissertation; 2011 erhielt er den Award of Excellence des österreichischen Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung.