News Category: Press Release

  • Lücke in der KI-Ausbildung schließen

    Lücke in der KI-Ausbildung schließen

    Die Universität Stuttgart hat die Artificial Intelligence Software Academy (AISA) im Cyber Valley Verbund gegründet. Sie vereinigt die Bereiche künstliche Intelligenz (KI) mit der Softwareentwicklung, möglichen Anwendungen und ihrer Didaktik. So werden durch AISA Fachkräfte ausgebildet und Forschungsfragen bearbeitet. Das Land Baden-Württemberg verfolgt durch Cyber Valley das Ziel, sowohl akademische als auch wirtschaftliche Spitzenleistungen zu erbringen und hat deshalb die Förderung von AISA in Höhe von zunächst 2,75 Mio. Euro bis Ende 2023 beschlossen.

    „Mit ‚AISA‘ erhalten Studierende aus verschiedensten Disziplinen die hervorragende Möglichkeit, sich zur Spitzenkraft im Bereich KI-Software ausbilden zu lassen. Die so gewonnenen Talente können bei der Entwicklung von KI-Software zukunftsorientierte und praxisnahe Lösungen erarbeiten und so die internationale Strahlkraft des Cyber Valley weiter vorantreiben“, sagt Wissenschaftsministerin Theresia Bauer. „Durch die AI Software Academy beschleunigen wir unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit in Bezug auf Digitalisierung und künstliche Intelligenz über alle Fachbereiche hinweg, indem wir mit ihr eine bisher unadressierte Lücke in der Ausbildung schließen“, führt Prof. Dr. Wolfram Ressel, Rektor der Universität Stuttgart, fort. „So leistet AISA einen doppelten Beitrag zu unserer Vision der intelligenten Systeme für eine zukunftsfähige Gesellschaft.“ Prof. Dr. Stefan Wagner, Leiter des AISA Direktoriums und Direktor am Institut für Software Engineering der Universität Stuttgart, bestätigt: „Durch unser innovatives Ausbildungs- und Forschungskonzept in Verbindung mit der leistungsfähigen AISA Infrastruktur werden wir künstliche Intelligenz und ihre Nutzung mittels leistungsfähiger Software maßgeblich vorantreiben.“

    AISA widmet sich den Herausforderungen in der Wirtschaft und Wissenschaft

    Die rapide voranschreitende Digitalisierung und der weitreichende Einsatz von KI beeinflussen unseren Alltag, genauso wie Wirtschaft und Wissenschaft. Daraus resultieren viele neuartige Herausforderungen:

    • Wie wird Software für KI-Anwendungen effizient entwickelt?
    • Wie macht man KI-Software robust und flexibel?
    • Wie wendet man KI-Software in der Wirtschaft und der Wissenschaft an?
    • Und wie baut man eine Didaktik auf, die in der Lage ist, Wissen über die Entwicklung, Nutzung und Wartung von KI-Software in viele verschiedene Disziplinen hineinzutragen und so die KI-Expertinnen und -Experten von morgen zu prägen?

    In AISA Research werden Projekte aus unterschiedlichsten Bereichen gefördert

    In AISA Research werden interdisziplinäre Forschungsvorhaben rund um das Thema KI gefördert. Dabei werden Anwendungen (X), Softwareentwicklung (SE) und deren Didaktik mit KI verknüpft – AI+SE+X. Das AISA Direktorium hat im August 2021 die ersten elf Promotionsprojekte für AISA Research ausgewählt. In den geförderten Projekten zeigt sich die Integration der verschiedenen Bereiche: Es kooperieren Forschende aus der Architektur, Biologie, Chemie, Didaktik, Informatik, dem Maschinenbau und den Umweltingenieurwissenschaften. Projekte mit engem Bezug zu den Exzellenzclustern SimTech und IntCDC sind ebenso vertreten.

    Die Promovierenden aus AISA Research bieten mittels AISA Training gezielt Lehrinhalte für Studierende im Master-Bereich und für Cyber Valley Promovierende an. Zusätzlich werden hier Projektarbeiten, Seminare und Hackathons organisiert und betreut. Die Zusatzqualifikation wird durch ein innovatives, mehrstufiges Zertifikatsprogramm strukturiert, das von thematisch fokussierten Microcredentials bis hin zum Diploma of Advanced Studies die passgenaue Abstimmung auf individuelle Qualifizierungsbedarfe ermöglicht.

    AISA besteht aus drei Komponenten: Research, Training und Infrastructure

    Die Struktur von AISA basiert auf den drei Elementen Forschung (AISA Research), Ausbildung (AISA Training) und einer leistungsfähigen Infrastruktur (AISA Infrastructure), die das AISA Triangle bilden. Sowohl AISA Research als auch AISA Training greifen auf die AISA Infrastructure zurück, die KI-spezifische Hochleistungsrechner bereitstellt. Durch die gute Verfügbarkeit und den einfachen Zugang können Methoden und KI-Pipelines effizient entwickelt werden. Die Leitung von AISA obliegt einem Direktorium bestehend aus Prof. Dr. Stefan Wagner (Vorsitz), Tenure-Track Prof. Dr. Maria Wirzberger, Prof. Dr. Steffen Becker, Prof. Dr. Steffen Staab und Prof. Dr. Felix Fritzen, die wiederum die verschiedenen Disziplinen in AISA repräsentieren.

    Über die Förderung durch das Land Baden-Württemberg

    AISA ist ein weiteres Projekt aus dem Maßnahmenpaket „Zukunftsland BW – Stärker aus der Krise“. In seinem Rahmen investiert die Landesregierung gezielt in wichtige Zukunftsfelder und stärkt damit nachhaltig den Wirtschafts- und Innovationsstandort. Das Programm legt den Grundstein dafür, dass Baden-Württemberg stärker aus der Coronakrise hervorgehen kann.

    Weiterführende Links:

  • Fünf Jahre Cyber Valley

    Fünf Jahre Cyber Valley

    Der Dezember ist für Cyber Valley ein besonderer Monat: Vor fünf Jahren wurde das Forschungskonsortium in der Region Stuttgart-Tübingen gegründet. Cyber Valley als international renommierter Hotspot für künstliche Intelligenz (KI) ist in den vergangenen Jahren in den Bereichen Forschung und Innovation erfolgreich gewachsen. Es wurden neue Professuren innerhalb des Ökosystems geschaffen, Forschungsgruppen gegründet sowie ein Start-up- und ein Investor-Netzwerk aufgebaut.

    Anlässlich des fünften Jahrestags des offiziellen Startschusses durch Baden-Württembergs Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann, die Wissenschaftsministerin des Landes Theresia Bauer, den Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft Martin Stratmann sowie die weiteren Projektbeteiligten am 15. Dezember 2016, lud Cyber Valley am Mittwoch zu einer Spezialausgabe seiner Online-Veranstaltungsreihe „Entrepreneurship Series“ ein. Nach Grußworten von Kretschmann und Bauer hielten unter anderem Michael Pfeiffer, Global Head of AI Research am Bosch Center for Artificial Intelligence, sowie Michael J. Black, Cyber Valley Sprecher und Direktor am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme in Tübingen (MPI-IS), Impulsvorträge zum Thema „Igniting the potential of AI“.

    „Wenn ich mich erinnere, wie alles angefangen hat, dann kann man sagen, in gewisser Weise ist das Cyber Valley selbst ein Start-up. Zumindest war es das vor fünf Jahren“, sagte Ministerpräsident Kretschmann. „Heute genießt das Cyber Valley Respekt in Baden-Württemberg, Deutschland und im Ausland. Die Publikationen der Forscherinnen und Forscher haben das Cyber Valley an die Spitze der einschlägigen Rankings katapultiert. Bund und Land betrachten das Cyber Valley als Juwel und fördern es nach Kräften. Das Cyber Valley hat sich einen sehr wichtigen Status erarbeitet: den eines der Orte in unserem Land, in dem Zukunft stattfindet. Ich finde für einen Fünfjährigen keine schlechte Zwischenbilanz. In diesem Sinne: Machen Sie so weiter. Alles Gute zum Geburtstag!“

    „In der ersten Phase von Cyber Valley ist es vor allem darum gegangen, die Grundlagen für ein florierendes KI-Ökosystem zu schaffen. Wissenschaftliche Exzellenz und die starke Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses bilden hierfür das Fundament. Wenn man sich Deutschland heute ansieht und Software-Ingenieurinnen und -Ingenieure sucht, gibt es keinen besseren Markt als die Region Stuttgart-Tübingen. Die Anzahl der Talente hier ist immens. Die Lebensqualität ist gut, die Infrastruktur ist gut, und so ist es ein Leichtes, die Menschen in die Region zu ziehen“, sagte Black. „Wir haben zudem eine Kultur der Innovation und des Unternehmertums aufgebaut und das ist es, was wir jetzt vorantreiben: die nächste Phase von Cyber Valley. Es geht darum, Unternehmen auszugründen, sie zu fördern, ihnen beim Wachstum zu helfen und diese Region in Deutschland – und hoffentlich in ganz Europa – zu jener zu machen, in der man das nächste Unternehmen im Bereich KI gründet.“

    Das Land Baden-Württemberg hat bislang rund 180 Millionen Euro in Cyber Valley investiert. Hinzu kommen die Investitionen der Forschungspartner – das sind die Max-Planck-Gesellschaft sowie die Universitäten Stuttgart und Tübingen – in neue Forschungsgebäude, Lehrstühle, die Graduiertenschule International Max Planck Research School for Intelligent Systems (IMPRS-IS) sowie bislang neun neue Cyber Valley Forschungsgruppen. Die Industriepartner unterstützen mit insgesamt 7,5 Millionen Euro von 2018 bis 2022 die Forschungsgruppen am MPI-IS und an den Universitäten Stuttgart und Tübingen. Zudem werden zwei Stiftungsprofessuren durch die Industriepartner finanziert: ein Lehrstuhl für maschinelles Lernen in Tübingen, gefördert durch die Robert Bosch GmbH, sowie ein Lehrstuhl für Entrepreneurship in Technologie und Digitalisierung, gefördert vom Daimler-Fonds im Stifterverband.

    Im vergangenen Jahr beschlossen außerdem Bund und Länder die Verstetigung der KI-Kompetenzzentren, wodurch die dauerhafte Finanzierung des Tübingen AI Centers als eines dieser Kompetenzzentren gesichert ist. Das Land baut bereits jetzt das Zentrum weiter aus, verstärkt es mit einer Coding School, die praktische Kompetenzen im Programmieren vermittelt. Hinzu kommt die Zusage der Hector-Stiftungen, mit 100 Millionen Euro über mindestens zehn Jahre den Aufbau eines Institutes des European Laboratory for Learning & Intelligent Systems (ELLIS) zu fördern.

    „Als wir vor fünf Jahren das Cyber Valley gegründet haben, waren unsere Ziele klar: Künstliche Intelligenz ist die Zukunftstechnologie für alle Bereiche, die Wissenschaft, die Wirtschaft und unser ganzes Leben. Hier müssen wir investieren, wenn wir die Digitalisierung gestalten wollen. Wir sind deshalb schnell, entschlossen und strategisch vorgegangen“, sagt Theresia Bauer, Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin. „Das Cyber Valley profitiert von einem hervorragenden Umfeld – der Medizin in Tübingen, den Ingenieurwissenschaften sowie dem Höchstleistungenrechnen in Stuttgart bis zu führenden Unternehmen, wie etwa Amazon oder Bosch, die sich direkt auf dem Campus niedergelassen haben. Das Land Baden-Württemberg ist sehr stolz darauf, mit dem Cyber Valley gemeinsam ein strahlendes Signal für KI ‚made in the Länd‘ geschaffen zu haben. Herzlichen Glückwunsch zum fünfjährigen Jubiläum!“

    Neben dem Ausbau wissenschaftlicher Exzellenz in Stuttgart und Tübingen, hat Cyber Valley im November 2019 ein Start-up-Netzwerk gegründet, um den Austausch zwischen KI-Start-ups innerhalb des Ökosystems zu fördern. Rund zwei Jahre nach seinem Start zählt das Netzwerk 30 Mitglieder – erst vor wenigen Wochen beschloss das Executive Board des Forschungskonsortiums die Aufnahme des Unternehmens Black Forest AI. Im September 2020 folgte die Gründung des Cyber Valley Investor Networks, in dem sich renommierte Venture-Capital-Firmen aus Deutschland, USA und Japan als Mentoren für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler innerhalb des Cyber Valley Ökosystems engagieren und ihnen helfen, Forschungs- und Geschäftsideen in erfolgreiche Unternehmen zu verwandeln.

    „Ich gratuliere Cyber Valley herzlich zu seinem fünfjährigen Bestehen und freue mich sehr darüber, dass die Universität Stuttgart an Cyber Valley schon seit der Gründungsstunde als Partner aus der Wissenschaft beteiligt ist. Künstliche Intelligenz und Robotik gehören zu den wichtigsten Forschungsbereichen der Zukunft“, sagt Prof. Dr.-Ing. Wolfram Ressel, Rektor der Universität Stuttgart. „Die Universität Stuttgart fokussiert sich daher auf diese Gebiete und widmet sich sowohl in der Lehre als auch in der Forschung Themen wie Nanorobotern für die Medizin, sichereren Softwaresystemen, autonom lernenden Maschinen und fair entscheidender künstlicher Intelligenz. Mit intelligenten Systemen setzt sich die Universität Stuttgart für eine zukunftsfähige Gesellschaft ein und mit dem jüngst gesetzten Schwerpunkt ‚intelligent robotics‘ hilft sie dem KI-Standort Stuttgart im Forschungsverbund Cyber Valley dabei, sein Potenzial vollständig zu entfalten.“

    „Cyber Valley ist dank einer erheblichen Förderung von Bund, Land und Stiftungen, aber auch dank der Investitionen einer wachsenden Zahl von Unternehmen in nur fünf Jahren zu einem weltweit sichtbaren Standort für künstliche Intelligenz geworden“, sagt Professor Bernd Engler, Rektor der Universität Tübingen. „Die Voraussetzungen sind also gegeben, die nächste Entwicklungsphase dieses in seiner Vielfalt und Exzellenz herausragenden KI-Forschungsverbunds einzuläuten. Damit dies gelingt, wird es ganz entscheidend darauf ankommen, nun sehr zügig den Ausbau der notwendigen Infrastruktur mit Nachdruck voranzutreiben.“

    Die Meilensteine aus den ersten fünf Jahren Cyber Valley finden Sie hier. Anlässlich des Jubiläums hat Cyber Valley zudem auf einer Landingpage ein besonderes Themenpaket geschnürt, in dem Feature-Beiträge zu verschiedenen Forschungsschwerpunkten gesammelt vorliegen.

  • Ein Raum für künstliche Intelligenz mitten in der Stadt

    Ein Raum für künstliche Intelligenz mitten in der Stadt

    „Lernen, experimentieren, diskutieren und Spaß“ – so lautet des Motto des neuen KI-Makerspace in den Räumen des Casinos am Neckar in Tübingens Innenstadt. Der KI-Makerspace ist ein außerschulischer Lernort, in dem Kinder und Jugendliche in Kursen und betreutem Experimentieren erste Erfahrung mit Programmierung und künstlicher Intelligenz (KI) sammeln, sowie ihre eigenen Projekte mit Soft- und Hardware verwirklichen können.

    Der KI-Makerspace lädt darüber hinaus zur Auseinandersetzung mit Funktionsweisen, Techniken, Anwendungen und gesellschaftlichen Auswirkungen von KI ein. Ab dem 28. Januar 2022 werden auf knapp 250 Quadratmetern im ersten Stock des direkt am Neckar gelegenen Casinos an vier Tagen in der Woche strukturierte Programmierkurse, Soft- und Hardware, kompetente Betreuung und Freiraum für eigene Projektideen sowie Anlässe für Diskussionen zum Thema KI angeboten. Das Kursspektrum reicht dabei von Scratch- und Python-Kursen, über Design-Software, bis hin zu Podcasting und Internetsicherheit. Auch Robotik- und Sensorik-Bausätze sind eingeplant. Ziel ist es, ein vielfältiges, niederschwelliges und zielgruppengerechtes Angebot für Jugendliche zu etablieren.
     
    „Mit dem KI-Makerspace bekommt Tübingen in zentraler Lage einen Ort, an dem sich Kinder und Jugendliche unter professioneller Anleitung mit den Chancen, aber auch mit den Grenzen künstlicher Intelligenz auseinandersetzen können. Das ist ein großer Gewinn für unsere Stadt als Bildungs- und Wirtschaftsstandort. Ich freue mich auf die Diskussionen und Projekte, die vom KI-Makerspace ausgehen werden, und danke allen Beteiligten für Ihr Engagement“, sagt Oberbürgermeister Boris Palmer.
     
    Der KI-Makerspace ist ein Gemeinschaftsprojekt der Universität Tübingen, Cyber Valley, des Jugendgemeinderats Tübingen sowie des Bundeswettbewerbs Künstliche Intelligenz (BWKI) des Tübingen AI Centers. Es wird von der Vector Stiftung Stuttgart für drei Jahre gefördert.

    Förderung durch Vector Stiftung

    „Künstliche Intelligenz ist alles andere als ein trockenes technisches Fach, sondern ein Thema mit vielen gesellschaftlichen Facetten, das jungen Menschen nicht zuletzt auch enorme Karrierechancen bietet“, sagt Prof. Dr. Philipp Hennig, Cyber Valley Co-Sprecher und Professor für Methoden des Maschinellen Lernens an der Universität Tübingen. Da der Weg in die Universitätsgebäude für viele junge Menschen nicht in Frage komme, hält er es für entscheidend, „dass es gelungen ist, hier im Herzen der Stadtgesellschaft einen Raum des Lernens zu schaffen, in dem man sich auch zwanglos begegnen und diskutieren kann.“
     

    Von links nach rechts: Jonathan Vogel (Jugendgemeinderat Tübingen), Uwe Wulfrath (Gesellschaft für Wohnungs- und Gewerbebau Tübingen GWG), Patrick Klügel (Cyber Valley Public Engagement Manager), Prof. Dr. Philipp Hennig (Co-Sprecher Cyber Valley), Dr. Caroline Schmidt (Koordinatorin BWKI), Prof. Dr. Matthias Bethge (Leiter Tü AI Center), Christina Luger (Vector Stiftung Stuttgart) © Universität Tübingen/Maximilian von Platen

    In vorbereitenden Workshops mit dem Jugendgemeinderat Tübingen wünschten sich die Jugendlichen darüber hinaus die Möglichkeit zu eher klassischem handwerklichem Arbeiten mit Holz, Siebdruck und Elektronik. In den Räumen werden den Jugendlichen dafür neben Werk- und Lötplätzen beispielsweise eigene Server, ein 3D-Drucker, ein 3D-Kamerasystem, ein Podcast-Studio aber auch eine Küche für gemeinsame Kochaktionen und ein „Wohnzimmer“ für Science-Fiction-Filmabende zur Verfügung stehen. Eine große Dachterrasse für soziale Aktivitäten im Sommer rundet die Attraktivität des KI-Makerspace ab.
     
    Die Initiatoren und Koordinatoren des KI-Makerspace, Patrick Klügel (Cyber Valley Public Engagement), Dr. Caroline Schmidt (BWKI) und der Jugendgemeinderat Tübingen setzen dabei auf eine Strategie, bei der sich die Jugendlichen aktiv beteiligen können und dabei Verantwortung übernehmen. Dies gilt sowohl für die Umsetzung und Gestaltung des Projekts, an der die Jugendlichen von Anfang an beteiligt waren, als auch für den pädagogischen Ansatz, indem die Lernenden zunehmend zu Lehrenden werden.

    Fünf Jahre Cyber Valley

    Der KI-Makerspace wird ab dem 28. Januar 2022 an vier Tagen pro Woche vormittags und nachmittags geöffnet sein. Weitere Informationen gibt es auf der Website www.ki-maker.space. Dort können sich Interessierte zudem für eine Mailingliste registrieren, um Updates zu erhalten.
     
    Der Dezember ist für Cyber Valley ein besonderer Monat: Vor fünf Jahren wurde das Forschungskonsortium in der Region Stuttgart-Tübingen gegründet. Cyber Valley als international renommierter Hotspot für KI ist in den vergangenen Jahren in den Bereichen Forschung und Innovation erfolgreich gewachsen: Es wurden neue Professuren innerhalb des Ökosystems geschaffen, neun Cyber Valley Forschungsgruppen gegründet sowie ein Start-up- und ein Investor-Netzwerk aufgebaut. Im März 2021 starteten zudem die Cyber Valley Public-Engagement-Formate – mit dem Ziel, mehr Zugänglichkeit und Austausch zwischen Gesellschaft und KI-Forschenden zu ermöglichen.

  • Die Gewinner:innen der AI GameDev

    Die Gewinner:innen der AI GameDev

    Die Start-ups mlxar und Kinetix SAS sowie das Forschungsprojekt GRAF von Katja Schwarz sind die Gewinner:innen der AI GameDev – Europas erstem forschungsgetriebenen Wettbewerb zur Weiterentwicklung von Spieltechnologien für Forschende und Start-ups im Bereich künstlicher Intelligenz (KI). Bei der Preisverleihung, die am Donnerstag live auf YouTube übertragen wurde, präsentierten die sieben Finalist:innen ihre Ideen zur Unterstützung der Entwicklung und Verbesserung der Interaktivität im Gaming-Sektor vor einer hochkarätigen Jury.

    „Wir werden Gaming überall in unserem Leben sehen – und so auch KI. Und wir werden sehen, wie sich diese beiden Bereiche mehr und mehr miteinander verbinden. Intelligente Systeme werden zu einem integralen Bestandteil des Gamings avancieren und sie intelligenter machen. Ich denke, es wird eine positive Rückkopplung geben, bei dem die KI das Gaming besser macht und das Gaming wiederum die KI verbessert“, sagte Michael J. Black, Direktor am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme und Cyber Valley Sprecher. „Ich sehe die Zukunft eher in einer Verschmelzung der realen Welt, der virtuellen Welt und der KI, die die Schnittstelle zwischen der physischen und der virtuellen Welt bildet.“

    Aus den zahlreichen Einreichungen für die Gaming-Competition wurden sieben Finalist:innen für die Preisverleihung ausgewählt, da ihre Ideen alle das Potenzial haben, die Spieleindustrie entweder in Bezug auf die Gestaltung oder die Interaktivität voranzubringen. Von ihnen hatten drei Start-ups und Forschungsgruppen die Möglichkeit, sich einen der drei Preise zu sichern. Die Gewinner:innen sind:

    Main Award für mlxar: Erstellung von 3D-Architekturmodellen für die Gaming-Industrie

    Das österreichische Start-up mlxar (machine learning extended architecture) hat den ersten Preis und den von Square Enix bereitgestellten Main Award für die innovativste KI-Lösung gewonnen. mlxar nutzt KI, um 3D-Architekturmodelle für die Gaming Industrie zu erstellen. „Architekturdesign ist ein manueller, ineffizienter und zeitaufwändiger Prozess – das ist ein Problem, wenn man ein einzelnes Gebäude entwirft, und es ist ein riesiges Problem, wenn man eine ganze Stadt, ein Level oder eine Welt entwirft. Das ist genau das, was beim Design von Videospielen und in der Filmindustrie passiert“, sagte Ben James, CEO von mlxar. „Unsere KI-Innovation ist kein Ersatz für den Designerinnen und Designer – sie ist ein Weg, um Fachwissen skalierbar zu machen und letztlich eine neue Art von kreativem Werkzeug zu schaffen, das Menschen dabei hilft, ihre eigene Intuition und Sensibilität zu erweitern.“

    Die Kapazitäten zur Erstellung von Inhalt sind der Nachfrage nach Content weit unterlegen, weshalb der Markt bereits jetzt größer ist als alle anderen Unterhaltungsbranchen zusammen. Die mlxar zugrunde liegende technologische Innovation ermöglicht die kreative Erstellung von Architektur-Assets in einem schnelleren Tempo als die derzeit modernsten Wettbewerber. Ihre Algorithmen entwickeln sich in Abhängigkeit von der Vorgabe, zum Beispiel den gewünschten Stilpräferenzen und Designvorgaben der Benutzenden. Das Ergebnis sind unendlich viele Architekturlösungen, darunter auch bisher unbekannte Entwürfe. mlxars Beitrag hat dem Team einen Besuch in Tokio, Japan, eingebracht, wo es nun die Möglichkeit hat, eine potenzielle Zusammenarbeit mit Square Enix zur praktischen Nutzung ihrer Technologie in der Produktion zu testen.

    Scientific Award für GRAF: 3D-bewusste Bildsynthese aus 2D-Bildern

    Katja Schwarz qualifizierte sich erfolgreich mit GRAF und nahm den von Cyber Valley bereitgestellten Scientific Award für die vielversprechendste wissenschaftliche Leistung entgegen. GRAF (Generative Radiance Fields) schlägt ein Framework zur 3D-bewussten Bildsynthese aus unbearbeiteten 2D-Bildern vor. „Die Erstellung von 3D-Inhalten ist das zentrale Element für die Entwicklung realistischer Spielumgebungen und virtueller Realität. Die Erstellung von 3D-Inhalten erfordert jedoch einen hohen Designaufwand, was den Prozess zeit- und kostenintensiv macht“, sagte Katja Schwarz von der Autonomous Vision Group an der Universität Tübingen. „Selbst bei großem Designaufwand sind die Ergebnisse noch nicht vollständig fotorealistisch.“ GRAF begegnet diesen Herausforderungen mit einem datengetriebenen Ansatz. Ziel ist es, aus Daten 3D-konsistente Assets zu lernen, um die Kosten für den manuellen Designaufwand zu reduzieren und den Fotorealismus der erstellten Inhalte zu verbessern. Die meisten bestehenden datengesteuerten Ansätze benötigen 3D-Assets für das Training. Im Gegensatz dazu lernt die Pipeline, 3D-konsistente Objekte aus unbearbeiteten 2D-Bildern zu erzeugen. Dies ist besonders wichtig, da 3D-Groundtruth-Daten in der realen Welt schwer zu erhalten sind, während zweidimensionale Bilder allgegenwärtig sind.

    Der ursprüngliche Preis, der mit diesem Award verbunden ist, bestand aus einer Cyber Valley Tour und einem Treffen mit führenden KI-Forschenden, einschließlich eines Besuchs des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme (MPI-IS) in Stuttgart und Tübingen, Deutschland. Da das Team Teil von Cyber Valley ist, wird der Preis in angemessener Weise angepasst.

    Audience Award für Kinetix: Umwandlung von 2D-Videos in 3D-animierte Inhalte

    Das französische Start-up Kinetix SAS hat den von IT-Farm gestifteten Audience Award gewonnen. Dieses Projekt erhielt die meisten Stimmen bei der AI GameDev-Preisverleihung. Kinetix demokratisiert die Charakteranimation mit Hilfe von KI und ermöglicht es Kreativschaffenden, jedes 2D-Video in 3D-animierte Avatare zu verwandeln, so dass jede:r das Metaversum bevölkern und Geschichten erzählen kann. Das Metaverse ist eine hypothetische Iteration des Internets, die dauerhafte virtuelle 3D-Online-Umgebungen durch herkömmliche persönliche Computer sowie virtuelle und Augmented-Reality-Headsets unterstützt. Bislang ist die 3D-Produktion aufgrund der langsamen und technischen Animationstechniken begrenzt. „Eine Minute zu animieren dauert vier Wochen, selbst für ausgebildete professionelle 3D-Animatorinnen und -Animatoren. Wir werden nicht-technischen Kreativen den Zugang zu 3D-Charakteranimation ermöglichen, die heute zu technisch für sie ist“, sagte Yassine Tahi, CEO von Kinetix SAS. „Wir nutzen die neueste Forschung im Bereich Deep Learning mit unserem Team, um über den Stand der Technik hinauszugehen.“

    Die derzeitige 3D-Animationssoftware erfordert fundierte technische Kenntnisse und ist für die meisten Kreativen nicht zugänglich. Sie kann nur offline verwendet werden und lässt den Aspekt der Zusammenarbeit vermissen. Kinetix versucht, die Lücke zwischen der steigenden Nachfrage und den Kosten sowie den technischen Kenntnissen zu schließen, die für die Erstellung von 3D-animierten Inhalten erforderlich sind. Die Lösung von Kinetix ermöglicht die Erstellung und Bearbeitung von 3D-animierten Inhalten durch die Automatisierung, die durch die jüngsten Durchbrüche im Bereich des Deep Learning ermöglicht wird. Kinetix erhält ein exklusives Business- oder Fundraising-Mentoring von IT-Farm, das Themen wie Fundraising-Beratung, Einschätzung von Verkaufsargumenten oder Entwicklung von Geschäftsplänen umfasst.

    Über AI GameDev

    Während der Preisverleihung am Donnerstag wählte eine Jury die Gewinner:innen des Main Awards und des Scientific Awards aus. „Die beiden Punkte, auf die wir besonders geachtet haben, waren wie neuartig und von welcher wissenschaftlichen Qualität die Arbeiten sind“, sagte Michael Sedlmair, Professor für Augmented Reality und Virtual Reality an der Universität Stuttgart und AI GameDev-Jurymitglied. „Wenn diese beiden Aspekte gepaart sind mit viel Potenzial für erkennbare Auswirkungen auf den Spielemarkt, dann wussten wir, dass wir eine würdige Preisträgerin bzw. einen würdigen Preisträger der AI GameDev haben.“ Neben Sedlmair waren Remi Driancourt (GM & Director of Research, Square Enix), Hasegawa Isamu (Senior Manager, Square Enix), Shinya Kasuga (Partner, IT-Farm), Oliver Passek (Referent für Film und Medien, Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Baden-Württemberg), Johanna Pirker (Assistenzprofessorin, Technische Universität Graz) und Miyake Youichiro (Lead AI Researcher, Square Enix) Mitglieder der Jury.

    Für die AI GameDev rief Cyber Valley gemeinsam mit dem Spieleentwickler Square Enix und dem Risikokapitalunternehmen IT-Farm im August und September zur Einreichung von Bewerbungen auf. Im Oktober nominierten die Forscher von Cyber Valley sowie Vertreter von Square Enix und IT-Farm dann sieben Finalist:innen für die Preisverleihung am Donnerstag.

    Das fünfjährige Jubiläum von Cyber Valley

    Die AI GameDev markierte das erste festliche Treffen im Dezember, der für Cyber Valley ein besonderer Monat ist: Vor fünf Jahren wurde das Forschungskonsortium in der Region Stuttgart-Tübingen gegründet. Cyber Valley als international renommierter Hotspot für KI ist in den vergangenen Jahren in den Bereichen Forschung und Innovation erfolgreich gewachsen: Es wurden Professuren innerhalb des Ökosystems berufen, Cyber Valley Forschungsgruppen gegründet und ein Start-up sowie ein Investor Netzwerk aufgebaut. Die AI GameDev ist ein weiterer Höhepunkt in einer beeindruckenden Reihe von Veranstaltungen, die allesamt auf die Anwendung von KI in vielversprechenden Kontexten abzielen, dieses Mal in Form einer Gaming Competition.

  • „Direktdurchwahl“, Folge 5: KI und Ethik

    „Direktdurchwahl“, Folge 5: KI und Ethik

    Eine neue Folge des Cyber Valley Podcasts „Direktdurchwahl: Reden wir über KI“ ist online. Unsere Cyber Valley Public Engagement Manager Rebecca Beiter und Patrick Klügel gehen in der fünften Ausgabe der Frage nach, was künstliche Intelligenz (KI) können sollte – und in welchen Bereichen sie womöglich nicht eingesetzt werden sollte. Kann eine Maschine moralisch handeln? Was ist eine vertrauensvolle KI?

    Über ethische Fragen in Zusammenhang mit KI sprechen Beiter und Klügel mit Dr. Thilo Hagendorff, KI-Ethiker im Exzellenzcluster „Maschinelles Lernen – Neue Perspektiven für die Wissenschaft“ an der Universität Tübingen. Er plädiert für eine „ethische Atmosphäre“ an den Fakultäten, so dass Studierende verantwortungsbewusste Entwickler:innen von Technologie werden. Denn wer KI-Systeme entwickle, habe viel Macht. „KI-Systeme werden möglicherweise am Ende von Millionen oder sogar Milliarden von Menschen benutzt – eine große Verantwortung“, sagt Hagendorff im Interview. Eine gekürzte Fassung dieses Gesprächs ist zudem hier zum Nachlesen erschienen.

    Die Stimme aus der Gesellschaft kommt diesmal von Monika Heim, Betriebsrätin bei Festo SE & Co. KG in Esslingen. „Ich sehe den Einsatzbereich von KI da, wo sie die Arbeit nicht wegnimmt, sondern verbessert“, sagt Heim. Sie stellt im Interview ethische Fragen in den Mittelpunkt, die dort aufkommen, wo KI nicht nur assistiert, sondern menschliche Arbeit ersetzt.

    Die Podcast-Folge „KI und Ethik“ ist ab sofort auf allen gängigen Plattformen online. So ist „Direktdurchwahl“ auf Spotify, Deezer, Amazon Music/Audible sowie Google Podcasts verfügbar – und seit neuestem auch auf Apple Podcasts und YouTube. Darüber hinaus strahlt horads 88,6, das Campusradio für die Region Stuttgart/Ludwigsburg, den Podcast jeden zweiten Sonntag um 14:00 Uhr aus.

  • AI GameDev-Preisverleihung live auf YouTube

    AI GameDev-Preisverleihung live auf YouTube

    Die sieben Finalist:innen der AI GameDev als Europas erstem forschungsgetriebenen Wettbewerb zur Weiterentwicklung von Spieltechnologien für Forschende und Start-ups im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI) stehen fest. Bei der Preisverleihung der AI GameDev am 2. Dezember 2021 haben die Nominierten die Möglichkeit, einen von drei begehrten Preisen mit nach Hause zu nehmen. Sie alle haben einen wissenschaftlichen oder unternehmerischen Hintergrund und kommen aus Städten in ganz Europa.

    Mit ihren Beiträgen für den Spielewettbewerb haben sie sich entweder für die Unterstützung bei der Entwicklung  oder für die Verbesserung der Interaktivität von Computerspielen eingesetzt. Die AI GameDev-Preisverleihung wird am 2. Dezember von 10:00 bis 12:00 Uhr live auf dem Cyber Valley YouTube-Kanal übertragen.

    Die Nominierten:

    • Automated Playtesting Algorithm
      Dr. Christian Guckelsberger, Fachbereich Informatik, Aalto Universität, Finnland; Game AI Research Group, Queen Mary University of London, Vereinigtes Königreich
    • Evija
      Michael Stettler, Werner Reichardt Zentrum für Integrative Neurowissenschaften, Universität Tübingen, Deutschland
    • GRAF
      Katja Schwarz, Autonomous Vision Group, Fakultät für Informatik, Universität Tübingen, Deutschland
    • Kinetix SAS
      Start-up aus Paris, Frankreich
    • Mlxar
      Start-up aus Wien, Österreich
    • NeurCG
      Victoria Fernandez Abrevaya und Partha Ghosh, Forschungsgruppe Perzeptive Systeme, Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme, Tübingen, Deutschland
    • Savitr
      Nitin Saini, Forschungsgruppe Perzeptive Systeme, Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme, Tübingen, Deutschland

    Für die AI GameDev hat sich Cyber Valley mit dem Spieleentwickler Square Enix und dem Risikokapitalgeber IT-Farm zusammengeschlossen und im August und September zur Einreichung von Bewerbungen aufgerufen. Cyber Valley Forschende sowie Vertreter:innen von Square-Enix und IT-Farm haben im Oktober anhand von Kriterien wie Nutzen, Wettbewerb und Fortschritt über die Teilnehmenden des Finalwettbewerbs entschieden.

    Die sieben Finalist:innen wurden kürzlich darüber informiert, dass ihre Bewerbungen erfolgreich waren. Sie bereiten sich nun auf die Preisverleihung vor. Ihre innovativen Ideen werden in kurzen Videofilmen portraitiert, die dann bei der Award Show im Livestream erstmals öffentlich gezeigt werden. Im Anschluss daran stellen sich die Nominierten den Fragen der hochkarätig besetzten Jury der AI GameDev. Der Jury gehören an: Remi Driancourt (GM & Director of Research, Square Enix), Hasegawa Isamu (Senior Manager, Square Enix), Shinya Kasuga (Partner, IT-Farm), Oliver Passek (Referent für Film und Medien, Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Baden-Württemberg), Johanna Pirker (Assistant Professor, Graz University of Technology), Michael Sedlmair (Professor, Universität Stuttgart) und Miyake Youichiro (Lead AI Researcher, Square Enix).

    Es gibt insgesamt drei Preise zu gewinnen: den Hauptpreis, den Wissenschaftspreis und den Publikumspreis. Der Hauptpreis wird von Square Enix für die innovativste KI-Lösung gestiftet und beinhaltet einen Besuch in Tokio, Japan, wo die Gewinner:innen eine mögliche Zusammenarbeit mit Square Enix zur praktischen Nutzung ihrer Technologie in der Produktion erörtern können. Der Wissenschaftspreis wird von Cyber Valley für die vielversprechendste wissenschaftliche Leistung gestiftet und besteht aus einer exklusiven Cyber Valley-Tour sowie einem Treffen mit führenden KI-Forschenden, einschließlich eines Besuchs des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme in Stuttgart und Tübingen. Der dritte Preis ist der von IT-Farm gestiftete Publikumspreis. Die Gewinner:innen dieses Preises werden vom Publikum ausgewählt und erhalten ein exklusives Business- oder Fundraising-Mentoring von IT-Farm zu Themen wie Fundraising-Beratung, Schulung in Sachen Verkaufsargumentation oder Entwicklung eines Businessplans.

    Die Preisverleihung der AI GameDev fällt auch in den Monat des fünfjährigen Jubiläums von Cyber Valley und stellt somit einen besonderen Anlass dar. Cyber Valley als Hotspot für KI ist in den vergangenen Jahren in den Bereichen Forschung und Innovation erfolgreich gewachsen: Es wurden Professuren innerhalb des Ökosystems geschaffen, Cyber Valley-Forschungsgruppen gegründet und ein Start-up- sowie ein Investoren-Netzwerk aufgebaut.

  • ELLIS wächst weiter

    ELLIS wächst weiter

    Das European Laboratory for Learning and Intelligent Systems (ELLIS) hat kürzlich vier neue Standorte eröffnet: Jena und Stuttgart in Deutschland, Mailand in Italien und Manchester in Großbritannien. Die ELLIS-Einheiten sind bestrebt, einen bedeutenden Beitrag zur Sicherung der Souveränität und Führung Europas auf dem Forschungsgebiet der modernen künstlichen Intelligenz (KI) zu leisten. Mit seinen Einheiten in 14 europäischen Ländern und Israel umfasst das ELLIS-Netzwerk mehrere Einrichtungen von Weltrang.

    „Wir freuen uns sehr, die vier neuen Einheiten im ELLIS-Netzwerk willkommen zu heißen“, sagte Dr. Nuria Oliver, Mitbegründerin und Vizepräsidentin der ELLIS Society sowie wissenschaftliche Leiterin des Vodafone-Instituts, Berlin. „Wir haben jetzt die kritische Masse erreicht, bei der die Einheiten auch tatsächlich beginnen, miteinander zu kooperieren. Wir sprechen nicht mehr von einzelnen Einheiten, sondern freuen uns, dass das Netzwerk der Einheiten gedeiht.“
     
    Die ELLIS-Einheit in Jena umfasst drei Forschungseinrichtungen: die Friedrich-Schiller-Universität Jena, das Max-Planck-Institut für Biogeochemie und das Institut für Datenwissenschaften des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt. An der Schnittstelle zwischen Klima- und Umweltwissenschaften sowie maschinellem Lernen (ML) liegt ihr Schwerpunkt auf der Integration von wissenschaftlichem Wissen in und Generierung aus maschinellen Lernansätzen. „Die Einbindung der ELLIS Unit Jena in das europäische Netzwerk bietet Zugang zu exzellenter KI-Expertise in Europa, was zu fantastischen neuen Wegen der interdisziplinären Zusammenarbeit führt. KI ist extrem relevant für die Erd-, Umwelt- und Klimawissenschaften, die die Hauptthemen unserer Unit sind“, sagt Prof. Dr. Markus Reichstein, einer der beiden Direktoren der ELLIS Unit Jena und Direktor am Max-Planck-Institut für Biogeochemie sowie am Michael-Stifel-Zentrum Jena für Data-driven and Simulation Science Jena. „Diese Unit ist Ausdruck der erfolgreichen Zusammenarbeit der Beteiligten in den letzten zehn Jahren. Wir sehen die ELLIS Unit Jena als zentralen Knotenpunkt im Netzwerk, der das Potenzial hat, wissenschaftliche Durchbrüche zu fördern, die durch die Verknüpfung mit Politik und Wirtschaft letztlich zu einer nachhaltigen Entwicklung unseres Planeten beitragen“, ergänzt Prof. Joachim Denzler, Direktor des Instituts für Datenwissenschaften des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt und Lehrstuhlinhaber der Computer Vision Group an der Universität Jena.
     
    In Stuttgart ist die neu gegründete ELLIS-Einheit an der Universität Stuttgart angesiedelt. Hier liegen die Forschungsschwerpunkte in den Bereichen interaktive intelligente Systeme, Verarbeitung natürlicher und Programmiersprachen, Lerntheorie und Roboterlernen. Einer der beiden Gründungsdirektoren und Leiter des Instituts für Stochastik und Anwendungen der Universität Stuttgart, Prof. Dr. Ingo Steinwart, sagt: „Das ELLIS-Auswahlverfahren wird von Spitzenwissenschaftlern aus verschiedenen Ländern geleitet und ist sehr kompetitiv und selektiv. Dass es nun die ELLIS-Einheit in Stuttgart gibt, unterstreicht nicht nur die Exzellenz des Standorts mit seinen Forschungsschwerpunkten, sondern insbesondere auch die der beteiligten Forscher.“

    „Dass wir in das ELLIS-Netzwerk aufgenommen wurden, ist ein großartiger Erfolg für unseren Standort in diesen wichtigen KI-Zukunftsbereichen, der unsere Sichtbarkeit innerhalb von Cyber Valley, national und international deutlich erhöhen wird“, sagt Prof. Dr. Andreas Bulling, Professor für Mensch-Computer-Interaktion und Kognitive Systeme vom Institut für Visualisierung und Interaktive Systeme der Universität Stuttgart, als ein Gründungsdirektor der ELLIS-Einheit Stuttgart. „Die Erfolgschancen für zukünftige Forschungsanträge sowie für die Gewinnung von Nachwuchs aller Stufen der wissenschaftlichen Karriereleiter erhöhen sich.“

    Die ELLIS-Einheit in Mailand, Italien, vereint exzellente Forscher aus vier Institutionen: Bocconi-Universität, Politecnico di Milano, Universität Mailand und Universität Mailand-Bicocca. Die Hauptforschungsbereiche der Gruppe sind interaktives Lernen, statistisches Lernen und nicht-konvexe Optimierung, Gesundheit und Computerbiologie sowie natürliche Sprachverarbeitung und Computer-Sozialwissenschaften. Weitere Forschungsbereiche sind sequentielle Entscheidungsfindung und algorithmische Spieltheorie sowie neuronale Netze in Verbindung mit klassischer KI und Neurowissenschaften. „Die ELLIS-Einheit in Mailand ist das Ergebnis einer gemeinsamen Anstrengung, bei der die Forschungsgruppen von vier großen Universitäten zusammengeführt wurden, die über komplementäre Fähigkeiten und starke interdisziplinäre Komponenten verfügen. Dank dieser Anerkennung ist Mailand nun auf der Landkarte der europäischen KI-Exzellenz fest verankert“, sagt Prof. Dr. Nicolò Cesa-Bianchi, Leiter der ELLIS-Einheit Mailand und Professor für Informatik an der Fakultät für Informatik der Universität Mailand. „Die Entscheidung, die Kräfte im Rahmen von ELLIS zu bündeln, kommt genau zum richtigen Zeitpunkt, da sich die italienische KI-Strategie zu entfalten beginnt. Ziel ist es, die Zusammenarbeit zwischen den Forschungsgruppen zu fördern und ihre komplementären Stärken zu nutzen.“

    Die neue britische ELLIS-Einheit ist an der Universität von Manchester angesiedelt. Sie bringt Experten für KI-Grundlagen mit Expert:innen aus anderen Bereichen zusammen. Ihre Forschungsschwerpunkte sind probabilistische Modellierung und Bayes’sche Inferenz, KI-Technologien, die besser mit Menschen zusammenarbeiten, ML für die digitale Gesundheit und Medizin sowie ML zur Wahrung der Privatsphäre. „Die Universität Manchester entwickelt sich immer mehr zu einem Exzellenzzentrum für KI-Forschung, und die neue ELLIS-Einheit wird diese Aktivitäten weiter stärken“, sagt Prof. Dr. Magnus Rattray, Direktor der ELLIS-Einheit Manchester und Professor für Computer- und Systembiologie sowie Direktor des Instituts für Datenwissenschaft und KI an der Universität Manchester. „Durch die ELLIS-Einheit Manchester werden wir in der Lage sein, ML-Forscherinnen und -Forscher in ganz Europa besser mit wirkungsvollen Anwendungen in der biomedizinischen und Gesundheitsforschung zu verbinden.“ Die Universität Manchester hat eine strategische Partnerschaft in Form einer gemeinsamen Professur mit dem Direktor der ELLIS-Einheit Helsinki, Prof. Dr. Samuel Kaski von der Aalto-Universität in Finnland, eingerichtet. Diese nördliche Verbindung wird in Zukunft genutzt, um die ELLIS-Einheit Manchester und die ELLIS-Einheit Helsinki als Zwillingseinheit einzurichten, wobei eine enge Zusammenarbeit durch gemeinsame Forschung und Austausch bereits im Gange ist und für den Rest des ELLIS-Netzes geöffnet werden soll.

    Über ELLIS

    ELLIS (European Laboratory for Learning and Intelligent Systems) ist ein europäisches Exzellenznetzwerk für KI, das im April 2018 ins Leben gerufen wurde. Sein zentrales Ziel ist es, die europäische Forschungsexzellenz im Bereich des maschinellen Lernens und verwandter Gebiete zu fördern, indem es Forschenden hervorragende Möglichkeiten bietet, ihre Arbeit in Europa durchzuführen, und die nächste Generation junger europäischer Wissenschaftler:innen in diesem strategisch wichtigen Bereich auszubilden. ELLIS verfolgt eine Drei-Säulen-Strategie, um die technologische Souveränität Europas in diesem wettbewerbsintensiven Bereich zu erhalten und zu fördern. Die drei Säulen konzentrieren sich auf Stipendiat:innen, Studierende und Standorte. Ziel ist es, in vorhandene Talente zu investieren, neue Talente zu fördern und ein Netzwerk herausragender europäischer Innovationsökosysteme aufzubauen. Die ELLIS-Einheiten werden auf der Grundlage wissenschaftlicher Exzellenz von einem Ausschuss führender Forschender aus mehreren Ländern ausgewählt. Derzeit besteht ELLIS aus 34 Einheiten in 14 europäischen Ländern und Israel. Weitere Informationen über die Einheiten finden Sie hier: https://ellis.eu/units.

    Pressekontakt

    Daniela Diaconu
    c/o Max Planck Institute for Intelligent Systems
    Max-Planck-Ring 4
    72076 Tübingen
    E-Mail-Adresse: daniela.diaconu@ellis.eu
    Phone: +49 7071 6011541

  • Vier neue KI-Unternehmen

    Vier neue KI-Unternehmen

    Cyber Valley begrüßt vier neue KI-Unternehmen in seinem Start-up Network. BAUTA, DeepCare, Quantum Gaming und sereact wurden vom Executive Board des Forschungskonsortiums aufgenommen und werden damit Teil der im November 2019 gegründeten Gemeinschaft an Unternehmer:innen. Das Cyber Valley Start-up Network zählt nun 29 innovative KI-Unternehmen aus Baden-Württemberg.

    „Das rasante Wachstum unseres Start-up Networks auf 29 Mitgliedsunternehmen in weniger als zwei Jahren ist ein Beleg für die wachsende wirtschaftliche Bedeutung der Region im Bereich intelligenter Systeme – und auch für die Attraktivität des Cyber Valley Ökosystems“, sagt Michael J. Black, Cyber Valley Sprecher und Direktor am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme in Tübingen. „Mit den kürzlich hinzugekommenen Unternehmen BAUTA, DeepCare, Quantum Gaming und sereact ist unsere Gemeinschaft von Gründerinnen und Gründern noch stärker geworden.“

    BAUTA vermarktet KI-gestützte Sensorsysteme für die anonyme Erhebung von Personen- und Frequenzdaten. Die speziell entwickelten Blindsensoren der Firma nehmen dabei nur die Informationen wahr, nicht aber die Identität der Personen. Damit liefert BAUTA Daten bei vollständiger Wahrung der Privatsphäre.

    DeepCare hat sein erstes Produkt „ISA“ entwickelt, einen digitalen Gesundheitscoach für Menschen, die an Schreibtischen arbeiten. Ziel ist es, die Arbeit am Schreibtisch zu einem gesünderen und angenehmeren Erlebnis zu machen, indem Begleiterscheinungen wie Muskel-Skelett-Erkrankungen vorgebeugt wird, die durch falsche Sitzgewohnheiten oder geringe Bewegungen entstehen. ISA bewertet den Oberkörper der Benutzenden, indem es mit Hilfe eines Tiefensensors ein präzises 3D-Modell erstellt. Das Gerät, das über keine Kamera verfügt und nicht mit dem Internet verbunden ist, analysiert dann die Körperhaltung und das Bewegungsverhalten des Nutzenden über den Lauf der Zeit, um über seinen Bildschirm individuelle Anleitungen für ein gesünderes Verhalten zu geben. Diese Analyse stützt sich auf einen neuartigen Deep-Learning-Algorithmus.

    Quantum Gaming ist ein Spin-off der Universität Tübingen, welches KI-Agenten für den Computerspielesektor und eigene Computerspiele entwickelt. Mithilfe kognitionswissenschaftlicher Erkenntnisse will Quantum Gaming das Niveau der Interaktion zwischen Menschen und Spielfiguren steigern. Ihr erstes Produkt, „Marbles AI“, wird zeigen, wie KI-Charaktere von Benutzenden lernen können und so zu einem dynamischeren Spielerlebnis beitragen.

    sereact ist eine Ausgründung der Universität Stuttgart, die eine neue Ära intelligenter Roboter zur Marktreife bringen möchte. Das Unternehmen stellt KI-gestützte Steuerungssoftware bereit, die es Robotern ermöglicht, zu erkennen, zu denken und zu handeln – so befähigt sereact Maschinen, zu verstehen, zu lernen und sich anzupassen. Das Produkt „capto“ bietet den Kund:innen die Möglichkeit, durch den Einsatz von KI-gesteuerten Robotern Automatisierungslücken in ihren Lieferketten zu schließen und eine neue Ebene der Kosteneffizienz zu erreichen.

    Cyber Valley veranstaltet regelmäßig Networking-Events wie Vorträge, Meet-ups und Tech-Workshops. Die nächste Veranstaltung der Cyber Valley Entrepreneurship Series ist für den 21. Oktober geplant – mit hochkarätigen Redner:innen zum Thema „Start-up support and funding“. Weitere Informationen über das Event und die Möglichkeit zur Teilnahme finden Sie hier.

  • ELLIS und Aleph Alpha erhalten Deutschen KI-Preis

    ELLIS und Aleph Alpha erhalten Deutschen KI-Preis

    Bei der gestrigen Verleihung des Deutschen KI-Preises, der von der Tageszeitung „Die Welt“ gestiftet wird, wurden zum zweiten Mal in Folge Mitglieder des Cyber Valley Ökosystems geehrt.

    Der mit insgesamt 100.000 Euro dotierte KI-Innovationspreis 2021 ging an das European Laboratory for Learning and Intelligent Systems (ELLIS), das im April 2018 u.a. von Wissenschaftler:innen des Tübingen AI Centers und des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme gegründet wurde. Die Aufgabe von ELLIS ist es, ein vielfältiges europäisches Netzwerk zu schaffen, das Forschungsexzellenz fördert und Durchbrüche in der künstlichen Intelligenz (KI) vorantreibt, sowie ein europaweites Doktorandenprogramm, um die nächste Generation von KI-Forscher:innen auszubilden. ELLIS zielt auch darauf ab, das Wirtschaftswachstum in Europa durch die Nutzung von KI-Technologien anzukurbeln. Zu diesem Zweck sollen agile Forschungseinrichtungen nach dem Vorbild des Vector-Instituts und des EMBL geschaffen werden. Die Initiative teilt sich den Preis mit der Confederation of Laboratories for Artificial Intelligence Research in Europe (CLAIRE), die im Juni 2018 gegründet wurde.

    „Wir fühlen uns geehrt, den Deutschen KI-Preis für ELLIS zu erhalten“, sagte Nuria Oliver, Mitbegründerin und Vizepräsidentin von ELLIS, bei der Entgegennahme der Auszeichnung. Die mehrfach ausgezeichnete Wissenschaftlerin ist auch Mitbegründerin der ELLIS Unit in Alicante, die sich auf die Forschung im Bereich der menschenzentrierten KI konzentriert. „Von dem Moment an, als wir ELLIS im Jahr 2018 gründeten, war es unser Ziel, die bestmöglichen Bedingungen für Forschung und Innovation im Bereich der europäischen KI zu schaffen. Unsere Graswurzel-Initiative zielt darauf ab, die besten Talente der Welt anzuziehen und zu halten, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen den besten Forschungseinrichtungen Europas zu intensivieren und Partnerschaften zwischen Wissenschaft und Privatwirtschaft aufzubauen. Wir haben in den vergangenen drei Jahren große Fortschritte gemacht, und dieser Preis ist eine wichtige Bestätigung und Anerkennung für unsere Beiträge“, sagte Oliver.

    Der KI-Anwenderpreis ist dieses Jahr an das Start-up Aleph Alpha GmbH vergeben worden, ein Mitglied des Cyber Valley Start-up Networks. Aleph Alpha ist ein in Heidelberg ansässiges KI-Forschungs- und Anwendungsunternehmen. Es erforscht, entwickelt und operationalisiert große KI-Modelle für Sprache, Bilddaten und Strategie zur Sicherung der digitalen Souveränität Europas. „Der deutsche KI-Anwenderpreis nicht nur eine Wertschätzung und Anerkennung unserer Arbeit, sondern zugleich ein Auftrag, den durch große KI-Modelle vorangetriebenen Wandel in der globalen KI-Landschaft für Europa noch entschlossener mitzugestalten“, sagte Jonas Andrulis, Gründer und Geschäftsführer von Aleph Alpha.

    Der 2018 ins Leben gerufene Deutsche KI-Preis würdigt jährlich herausragende Beiträge in Forschung und Entwicklung sowie Errungenschaften und Fortschritte bei der Anwendung und Kommerzialisierung von KI. Die Preisträger:innen werden von einer internationalen Jury aus prominenten Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Forschung und Privatwirtschaft ausgewählt. Im Jahr 2020 wurde der KI-Innovationspreis an Bernhard Schölkopf, Direktor am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme in Tübingen, Mitbegründer von Cyber Valley und Mitbegründer von ELLIS, verliehen. In diesem Jahr wurde die Jury von dem deutschen Unternehmer Chris Boos geleitet, dem Gründer des KI-Unternehmens Arago, Chief Technical Officer des Schweizer Cybersicherheitsunternehmens Wisekey und einem führenden globalen Visionär im Bereich der künstlichen Intelligenz.

  • Künstliche Organe als „Flugsimulator“ für die Chirurgie

    Künstliche Organe als „Flugsimulator“ für die Chirurgie

    Cyber Valley Forschende haben medizinische Lehrmittel entwickelt, die in Zukunft die Ausbildung von Chirurg:innen unterstützen könnten – ähnlich wie Flugsimulatoren angehende Pilot:innen. Das Team hat eine Reihe künstlicher Organe entwickelt, die Chirurg:innen als Trainingsplattform dienen sollen. Dank der strukturierten Daten erfahrener Mediziner:innen wird so eine quantitative und objektive Bewertung der Fähigkeiten der Auszubildenden in Echtzeit möglich.

    Bei der Ausbildung angehender Chirurg:innen werden immer die Anweisungen und Geschicklichkeit einer erfahrenen Person nötig sein. Eines Tages jedoch könnten von künstlicher Intelligenz (KI) gestützte Trainingsmethoden wertvolle Assistenz leisten. Durch den Einsatz von Daten könnten cyber-physische Systeme die Ausbildung verbessern, indem sie den chirurgischen Probelauf zum Beispiel mit Informationen darüber ergänzen, wie ein Tumor am besten von gesundem Gewebe entfernt wird.

    Bisher war die chirurgische Ausbildung auf mehreren Ebenen eine Herausforderung: Angehende Mediziner:innen haben nur wenig Zeit zum Üben, sie müssen zudem von erfahrenen Chirurg:innen betreut werden, deren Zeitplan oft eng getaktet ist. Nur selten kann man an menschlichem Gewebe üben. Tiergewebe einzusetzen ist oftmals anatomisch nicht korrekt und wirft ethische Fragen auf. Das Üben an lebenden Patient:innen kommt ebenfalls nicht in Frage, da das Risiko zu hoch ist, dass etwas schief geht oder nicht den medizinischen Anforderungen entspricht.

    Entwicklung künstlicher Organe als Trainingsumgebung

    Als Antwort auf diese Herausforderungen haben Forschende der Universität Stuttgart am Institut für Physikalische Chemie Lehrmittel der besonderen Art entwickelt: eine Simulationsplattform, die für Chirurg:innen das ist, was ein Flugsimulator für Pilot:innen. Das Team bestehend aus Ingenieur:innen und Mediziner:innen hat eine Reihe künstlicher Organe entwickelt – darunter eine Leber, eine Niere und eine Harnblase. Mit diesen künstlichen Organen schaffen die Forschenden eine Trainingsplattform, die einen chirurgischen Eingriff realitätsnah simuliert und während des Vorgangs eine quantitative und objektive Bewertung der Fähigkeiten der Auszubildenden ermöglicht. Die Forschenden haben die künstlichen Organe so entwickelt, dass man sie leicht nachbauen kann. So könnten sie auf der ganzen Welt bei der Ausbildung von Chirurg:innen zum Einsatz kommen.

    Bei den künstlichen Organen handelt es sich um so genannte cyber-physische Nachbildungen von Organen: ein physisches System wird mit virtuellen Eigenschaften kombiniert. Die Beschaffenheit des Gewebes, die Anatomie, die haptische Wahrnehmung, sogar das Aussehen der winzigen Blutgefäße sind natürlichen Organen sehr ähnlich. Zusätzlich messen Sensoren eine Reihe von Parametern, etwa die Feinmotorik der Chirurg:innen wie sie ein Endoskop durch ein Organ navigieren, ob sie eine Nadel an der vorgesehenen Stelle richtig eingestochen haben oder die Zeit, die benötigt wurde, um alle Tumore zu lokalisieren. Ein Open-Source-Algorithmus, der auch in selbstfahrenden Autos zur Unterscheidung von Objekten eingesetzt wird, trainierten die Forschenden neu darauf, Karzinome oder Nierensteine zu erkennen. Sobald das Endoskop das Ziel erreicht hat, können die Trainierenden eine Biopsie simulieren und versuchen, die Genauigkeit und Schnelligkeit mit jeder Trainingseinheit zu verbessern. Während des ganzen Vorgangs werden Daten gesammelt, die selbst bei einem echten chirurgischen Eingriff an Patient:innen nicht zur Verfügung stünden.

    Trainingsumgebung macht Bewertung von Operationen möglich

    „Wenn wir uns das Forschungsgebiet des maschinellen Sehens oder der Spracherkennung ansehen, sind dort die Daten sehr reichhaltig und strukturiert. Im Bereich der Biomedizin, insbesondere bei Operationen, ist jedoch die Datenerfassung sehr schwierig. Wie kann die Qualität eines chirurgischen Eingriffs quantifiziert werden? Eine echte Operation findet in einer Umgebung statt, in der die Erfassung von Daten in Echtzeit fast unmöglich ist“, sagt Dr. Tian Qiu, Leiter der Cyber Valley Forschungsgruppe Biomedizinische Mikrosysteme an der Universität Stuttgart. Die Gruppe, die sich auf die Entwicklung KI-basierter Medizin-Hardware spezialisiert, entwickelt Werkzeuge, die große Datenmengen in der Biomedizin sammeln, um daraus zu lernen und minimal-invasive chirurgische Werkzeuge und Verfahren zu verbessern. Das Team arbeitet eng mit Medizinern der Universitätskliniken in Freiburg und Tübingen zusammen.

    „Da wir den Bereich der Biomedizin mit künstlicher Intelligenz verbessern wollen, kombinieren wir physische Systeme mit virtuellen Eigenschaften. So können wir Daten über chirurgische Fähigkeiten sammeln. Erfahrene Chirurginnen und Chirurgen legen den Grundstein und dann vergleichen wir ihre Fähigkeiten mit denen zukünftiger Chirurginnen und Chirurgen. In jeder Trainingseinheit visualisieren wir die Daten der Auszubildenden, beurteilen, wie die Operation durchgeführt wurde, und bewerten, welche Fähigkeiten verbessert werden müssen“, sagt Tian Qiu.

    Das Team hat seine Ergebnisse kürzlich in drei Fachzeitschriften und einem Konferenzbeitrag veröffentlicht. In einer dieser Veröffentlichungen stellen sie eine künstliche weiche Leber vor, mit der sich beurteilen lässt, wie gut eine endoskopische Inspektion und Tumorbiopsie in den hohlen Gallengängen, die sich durch die Leber ziehen, durchgeführt wird. Eine realistische Nachbildung einer weichen Leber herzustellen ist anspruchsvoll aber lohnenswert. „Unsere Organ-Phantome bieten viel objektivere Auswertungen und Rückmeldungen, viel besser als es zum Beispiel Virtual-Reality-Simulatoren,“ sagt Xiangzhou Tan, der als Arzt des Universitätsklinikums Tübingen medizinische Expertise in die Forschungsgruppe einbringt.

    Die Handhabung eines Endoskops, eines langen und dünnen Instruments mit kleiner Kamera an der Spitze, mit dem Hohlräume im Inneren von Organen untersucht werden, ist ein weiterer wichtiger Teil der Ausbildung. „Ein von uns entwickelter Prototyp kann messen, wie gut das Endoskop gesteuert wird“, erklärt Do Yeon Kim, Doktorandin und Ingenieurin in der Gruppe. „Wenn eine Auszubildende oder ein Auszubildender durch ein Organ navigiert, werden viele Faktoren berücksichtigt. Zum Beispiel misst das künstliche Organ, wie lange es dauert, bis alle Bereiche im Inneren untersucht wurden. Wir können sicherstellen, dass nichts übersehen wird und alle Tumore in einer angemessenen Zeit entdeckt werden.“ Um die Navigationsfähigkeiten zu bewerten, trainierte Do Yeon Kim den Algorithmus mit Daten, die erfahrene Ärzt:innen zur Verfügung stellten. Die Leistung der Auszubildenden wird dann anhand dieser Schwellenwerte gemessen. „Man könnte sagen, wir haben einen Flugsimulator für Chirurgen geschaffen.“

    Publikationen zum Thema Cyber-physical Organ Twin:

    1. Liver phantom and needle puncture skill assessment
      Tan, X., Li, D., Jeong, M., Yu, T., Ma, Z., Afat, S., Grund, K.-E. & Qiu, T. Soft Liver Phantom with a Hollow Biliary System, Ann. Biomed. Eng. 2021. https://doi.org/10.1007/s10439-021-02726-x
    2. Bladder phantom with blood vessels and tumors for endoscopy
      Choi, E., Waldbillig, F., Jeong, M., Li, D., Goyal, R., Weber, P., Miernik, A., Grüne, B., Hein, S., Suarez-Ibarrola, R., Kriegmair, M. C. & Qiu, T. Soft Urinary Bladder Phantom for Endoscopic Training. Ann. Biomed. Eng. 2021. https://doi.org/10.1007/s10439-021-02793-0
    3. Endoscopic training and skills assessment
      Tan, X., Kim, D. Y., Jeong, M., Li, D., Miernik, A. & Qiu, T., Computer-Assisted Quantitative Assessment of Endoscopic Skills based on a High-fidelity Endourological Phantom. Under revision.
      Kim, D. Y., Tan, X., Jeong, M., Li, D. & Qiu, T., Computer-Assisted Quantitative Assessment of Endoscopic Skills based on a Urological Phantom. 55th DGBMT Ann. Conf. on Biomed. Eng. Accepted.