News Category: Press Release

  • Willkommen, Julia Merlot!

    Willkommen, Julia Merlot!

    Intelligent systems could help prevent or better manage such escalations in the future. This raises not only technical but also legal, ethical, and societal issues, such as data protection and the nature and capabilities of artificial intelligence (AI) applications.

    During her three-month stay in Tübingen and Stuttgart, Julia Merlot, the new Cyber Valley Journalist-in-Residence, will focus on how intelligent systems can find their way into practice for better pandemic management. Her focus will be on the perspective of society and users: Which applications are desired and find acceptance, which do not? The science editor of the news magazine “Der Spiegel” convinced the independent jury with her application and will pursue this question from April to July 2022.

    “I’m interested in what knowledge exists in society, in health departments, clinics and in politics about possible AI applications in pandemic management,” says Merlot. “How are different application areas perceived and evaluated? From chatbots for contact tracing, to systems that suggest treatments for patients or the scope of protective measures.”

    Merlot aims to hear the perspectives of researchers, users, and citizens through a variety of conversation formats and workshops. She will present herself and her project in a public lecture on May 9, 2022 at 20:00 CEST. This talk will be streamed live and for free on the official Cyber Valley YouTube channel.

    About Julia Merlot:

    Julia Merlot studied science journalism in Darmstadt and has been an editor in the science department at the news magazine “Der Spiegel” (formerly “Spiegel Online”) in Hamburg for eight years. Previously, she wrote for “Zeit Wissen” and “Geo Wissen,” among others. Her thematic focus is on the life sciences and, with the onset of the corona pandemic, she focused significantly on the spread of the virus and its medical consequences. Merlot reports in a variety of article formats, in videos and podcasts, and is co-author of books including “Lockdown: Wie Deutschland in der Coronakrise knapp der Katastrophe entkam” (“Lockdown: How Germany narrowly escaped catastrophe in the Corona crisis”) and “Mythos oder Medizin: Brauchen Wunden Luft oder Pflaster?” (“Myth or medicine: Do wounds need air or band-aids?”).

    About the Cyber Valley Journalist-in-Residence Program:

    In a three- to six-month residency, a science journalist on leave for this program explores how AI applications can be used meaningfully for good journalism. Or how journalists can report appropriately and evidence-based on the technologies behind the buzzword “artificial intelligence.” The journalist selected by an independent jury will determine the topic and question themselves. The program is a collaboration with the Center for Rhetorical Science Communication Research on Artificial Intelligence (RHET AI Center). It is funded by the VolkswagenFoundation.

  • Studiengang verbindet Strahlenwissenschaften mit KI

    Studiengang verbindet Strahlenwissenschaften mit KI

    Die Universität Tübingen bietet ab dem Wintersemester 2022/23 den deutschlandweit ersten Profilbereich „Künstliche Intelligenz in den Medizinischen Strahlenwissenschaften“ an. Im Masterstudiengang „Medizinische Strahlenwissenschaften“ werden Studierende sowohl auf Spezialgebieten der medizinischen Strahlenwissenschaften als auch in Methoden der künstlichen Intelligenz (KI) ausgebildet.

    Zu den Lehrinhalten gehören Forschungsgebiete im Bereich der Strahlentherapie, der nicht-invasiven Bildgebung und der Tumor- und Strahlenbiologie genauso wie maschinelles Lernen, Computer Vision oder Grundlagen für ein besseres Verständnis, für die Analyse und Visualisierung wissenschaftlicher Daten.

    Schon heute werden KI-Methoden in der Krebsbehandlung eingesetzt, unter anderem für die Auswertung komplexer Daten oder bei Therapieentscheidungen. Das im Masterprofil erworbene Wissen kann beispielsweise zur Optimierung der Bildgebung für die Bestrahlungsplanung eingesetzt werden, zur Konturierung von Organen und Tumoren mittels mehrschichtigen Lernens (Deep Learning) oder zur besseren Kontrolle von Strahlenbehandlungen. Absolventinnen und Absolventen können zudem künftig zur Weiterentwicklung individualisierter Diagnostik- und Therapieverfahren durch künstliche Intelligenz beitragen, sowohl in der Forschung als auch in der Industrie.

    Im Profilbereich lehren Forschende aus der Medizinischen Fakultät und der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Tübingen und des Universitätsklinikums Tübingen sowie aus Cyber Valley: Europas größtes Forschungskonsortium im Bereich der künstlichen Intelligenz verbindet Partner aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft. Das Ökosystem im Südwesten Deutschlands wächst kontinuierlich um weitere multidisziplinäre Initiativen und macht die Region Stuttgart-Tübingen zum Hotspot für Forschung und Innovation in den Bereichen maschinelles Lernen, Robotik und Computer Vision.
     
    Zudem ist das Masterprofil Teil der Initiative „KI in der Medizin“, in der die Universität, die Medizinische Fakultät und die Max-Planck-Institute gemeinsam mit weiteren zahlreichen Cyber Valley Partnern den Einsatz künstlicher Intelligenz in der Medizin und den Lebenswissenschaften vorantreiben.

  • Das Tempo des Wandels erkennen

    Das Tempo des Wandels erkennen

    Ein internationales Forschungsteam aus Tübingen und Cold Spring Harbor (New York) hat eine bahnbrechende Methode gefunden, mit der das typische Tempo von Veränderungen bestimmt werden kann. Die neue Methode vermeidet bisherige systematische Fehler bei der Schätzung von Zeitskalen, z. B. bei der neuronalen Aktivität im Gehirn. Die Ergebnisse werden jetzt in der Fachzeitschrift Nature Computational Science veröffentlicht. In ersten Anwendungen auf neuronale Aufzeichnungen aus der Sehrinde beweist sich die Methode als ein leistungsfähiges Instrument für die Neurowissenschaften und viele andere Disziplinen.

    Jeder Prozess in der Natur hat sein eigenes Tempo: Neuronen brauchen Millisekunden für ihren Signalaustausch, demografischer Wandel geschieht über Jahre hinweg, und Klimawandel ist eine Frage von Jahrzehnten oder sogar Jahrhunderten. Den Zeitraum, den ein Prozess typischerweise für eine Änderung braucht, nennt man seine Zeitskala, und um die Zeitskala zu begreifen ist ein tiefes Verständnis vom Prozess selbst nötig.

    Wie lange dauert Veränderung typischerweise?

    In der Wissenschaft der Statistik ist diese Idee der Zeitskala sehr präzise gefasst. Um beim Beispiel der neuronalen Prozesse zu bleiben: der Zustand des Gehirns zum jetzigen Zeitpunkt ist abhängig von seinem Zustand vor einer Weile. Wie stark dieser Einfluss ist, drückt sich in der zeitlichen Korrelation aus. Diese Korrelation nimmt im Laufe der Zeit ab: je mehr Zeit verstrichen ist, desto schwächer die Abhängigkeit. Genau das ist die Zeitskala: eine Zahl, die beschreibt, wie schnell die Korrelation typischerweise abnimmt, wie schnell also das Gehirn seinen früheren Zustand vergisst.
    In der Praxis kann es schwierig sein, Zeitskalen aus empirischen Daten zu bestimmen. Normalerweise berechnet man, wie sehr die gemessene Gehirnaktivität zu verschiedenen Zeitpunkten korreliert und bestimmt aus dieser abnehmenden Abhängigkeit die Zeitskala.

    Den Kuchen nachbacken, um seinen Zuckergehalt zu bestimmen

    „Leider ist diese Art Zeitskalenmessung fehlerhaft und kann zu irreführenden Ergebnissen führen“, erklärt Roxana Zeraati, Forscherin an der Universität Tübingen und am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik. „Das Problem ist, dass die empirischen Daten immer nur über endliche (oft kurze) Zeit hinweg erhoben werden. Daher wird die durchschnittliche Abhängigkeit von Vorkommnissen zu verschiedenen Zeitpunkten systematisch unterschätzt.” Zeraati betont, wie wichtig es ist, Zeitskalen korrekt zu messen: „Viele neurowissenschaftlichen Ergebnisse beruhen auf präzisen Schätzungen von Zeitskalen. Um nur ein Beispiel zu nennen: Wir glauben, dass abweichende Zeitskalen mit Autismus in Verbindung stehen. Aber man war sich bislang nicht darüber im Klaren, dass die Zeitskalen möglicherweise falsch geschätzt werden.“

    Daher entwickelten Zeraati und ihre Kolleginnen eine neuartige Idee zur Ermittlung von Zeitskalen: Die Forscherinnen schlagen vor, mit Hilfe eines Computermodells neue, künstliche Daten zu erzeugen, die den empirischen Daten genau entsprechen. Anna Levina, die als Juniorprofessorin in Tübingen Zeraatis Doktorarbeit betreut, erläutert die Methode anhand einer einfachen Analogie: „Wenn Sie Schwierigkeiten haben, den Zuckergehalt im Kuchen Ihrer Großmutter chemisch zu bestimmen – vielleicht weil die Glasur in den Kuchen gesickert ist und die Messungen verfälscht – können Sie stattdessen den Kuchen in mehreren Varianten mit unterschiedlichem Zuckergehalt nachbacken. Der Kuchen, der dem Original am nächsten kommt, gibt dann Aufschluss darüber, wie viel Zucker im Kuchen der Großmutter war, eben weil Sie ja wissen, wie viel Zucker Sie für Ihre eigenen Kuchen verwendet haben.“

    Untersuchungen des Gedächtnisses

    Die Wissenschaftlerinnen testeten anschließend ihre neue Methode an neuronalen Daten aus der Sehrinde, die für eine frühere Studie aufgenommen worden waren. „Wir fragten uns, ob spontane Fluktuationen der neuronalen Aktivität von einer einzigen Zeitskala bestimmt werden oder ob der beobachtbare Prozess vielleicht die Summe mehrerer Prozesse mit unterschiedlichen Zeitskalen ist“, sagt Levina. „In diesem speziellen Fall sahen wir, dass zwei verschiedene intrinsische Zeitskalen in den Prozess im Gehirn involviert waren – so etwas konnte noch nie zuvor beobachtet werden.“

    Zeraati ergänzt: „Auf ähnliche Weise können wir fast jeden intrinsischen Prozess im Gehirn analysieren, zum Beispiel, wie sich Neuronen an die Vergangenheit erinnern. Das macht unsere neue Schätzmethode zu einem unglaublich wertvollen Werkzeug für Neurowissenschaften und andere Disziplinen.“

  • Exoskelette: In knapp zwei Minuten zum Komfort

    Exoskelette: In knapp zwei Minuten zum Komfort

    Robotische Exoskelette unterstützen die Bewegungen ihrer Träger:innen und helfen so zum Beispiel Gehbehinderten beim Laufen. Damit die Kooperation zwischen Mensch und Maschine optimal gelingt und das Exoskelett jederzeit das richtige Maß an Unterstützung bietet, sind komplexe Einstellungen erforderlich. In einer Kooperation zwischen der University of Michigan und der Universität Stuttgart haben Forschende nun eine Methode demonstriert, mit der Benutzer:innen das Verhalten eines Exoskeletts für das Sprunggelenk in weniger als zwei Minuten selbst einstellen und dabei unbewusste Vorlieben berücksichtigen können. Darüber berichtete das Fachmagazin Science Robotics in der Ausgabe vom 30. März 2022.

    Exoskelette mit Antrieb sind in der Regel nicht sofort einsatzbereit, sondern müssen von Expert:innen eingestellt werden, um die unterschiedlichen Eigenschaften des menschlichen Körpers, die Biomechanik des Gangs und die Vorlieben der Benutzer:innen zu berücksichtigen. Alternativ kann dies durch die automatische Auswertung quantifizierbarer Daten wie der Stoffwechselrate oder der Muskelaktivität geschehen, um zum Beispiel den Energieverbrauch zu minimieren. Oder man bittet die Benutzer:innen, wiederholt zwischen verschiedenen Einstellungen zu vergleichen, um herauszufinden, welche sich am besten anfühlt. Die Einstellung, die den Energieaufwand minimiert, ist jedoch nicht unbedingt die bequemste. Und die Benutzer:innen zwischen zahlreichen Einstellungen wählen zu lassen, braucht Zeit und verdeckt zudem, wie die Einstellungen miteinander interagieren und das Benutzererlebnis beeinflussen.

    Mensch im Mittelpunkt

    Anstelle von physiologischen Messungen setzen Dr. Kim Ingraham und Prof. Elliot Rouse an der University of Michigan sowie Prof. David Remy vom Institut für Nichtlineare Mechanik und Forschender im Exzellenzcluster SimTech der Universität Stuttgart daher bewusst auf subjektives Feedback. Sie stellen die Benutzer:innen in den Mittelpunkt und geben ihnen die Möglichkeit, die Einstellungen direkt zu verändern und Präferenzen, die schwer zu erkennen oder zu messen sind, selbst zu berücksichtigen. So können die Benutzer:innen schnell und unabhängig entscheiden, welche Funktionen – zum Beispiel Komfort, Leistung oder Stabilität – ihnen am wichtigsten sind und dann die entsprechenden Einstellungen wählen, ohne dass ein Experte nachjustieren muss. „Selbst entscheiden zu können, wie sich die Unterstützung durch ein Exoskelett anfühlt, wird die Zufriedenheit der Benutzer:innen und damit die Akzeptanz dieser Geräte in Zukunft erhöhen“, sagt Kim Ingraham, „denn egal, wie hilfreich ein Exoskelett sein mag: Wenn es nicht bequem ist, werden die Leute es nicht tragen.“

    Um die Machbarkeit des Konzepts zu testen, stattete das Forschungsteam Benutzer:innen mit Sprunggelenks-Exoskeletten und einem Touchscreen aus und ließen sie auf einem Laufband gehen. Auf dem Touchscreen konnten die Teilnehmer:innen der Studie beliebige Punkte auswählen. Ohne es zu wissen, veränderten sie damit das Drehmoment des Exoskeletts sowie dessen Timing. Diese beiden Parameter steuern, wie sich die Unterstützung anfühlt.

    v.l. Dr. Kim Ingraham, Prof. David Remy und Prof. Elliot Rouse
    © Privat, Universität Stuttgart/Uli Regenscheit, UM Robotics/Megan Ocelnik

    Verlässliche Daten für individuelle Anpassung

    „Obwohl wir die Zuordnung zwischen Touchscreen und Parametern in jeder Wiederholung des Experiments änderten, fanden alle Teilnehmer:innen immer wieder zu ihren bevorzugten, individuellen Einstellungen zurück“, sagt David Remy. „Dies zeigt, wie wichtig eine individuelle Anpassung ist und das Benutzer:innen dafür sehr verlässliche Daten liefern“. Überrascht waren die Forschenden auch, wie schnell die Benutzer:innen ihre bevorzugten Einstellungen fanden: Auch Menschen, die noch keine Erfahrung mit einem Exoskelett hatten, gelang dies im Schnitt in einer Minute und 45 Sekunden – ohne dass sie wussten, welche Parameter sie einstellten. Zudem änderten sich die Präferenzen im Laufe des Experiments: Nutzer:innen, die schon Erfahrung mit dem Exoskelett haben, bevorzugten ein deutlich höheres Maß an Unterstützung als die Erstnutzer:innen.

    Die Forschenden wollen grundlegend untersuchen, wie die Vorlieben der Menschen in die Steuerung von Exoskeletten einbezogen werden können. Als Nächstes wollen sie herausfinden, warum Menschen das bevorzugen, was sie bevorzugen, wie sich diese Präferenzen auf ihren Energieverbrauch, ihre Muskelaktivität und ihre Physiologie auswirken, und wie man eine präferenzbasierte Steuerung in der realen Welt automatisch umsetzen könne.

    Die Zusammenarbeit zwischen der University of Michigan und der Universität Stuttgart wurde durch die Carl-Zeiss-Stiftung im Rahmen des Wissenschaftler:innen-Rückkehrprogramms GSO/CZS gefördert. Das Programm unterstützt Universitäten bei der Besetzung von Professuren mit deutschen Wissenschaftler:innen aus dem Ausland.

  • Cyber Valley Netzwerke wachsen weiter

    Cyber Valley Netzwerke wachsen weiter

    Das Cyber Valley Start-up Network wird größer: Die Firmen mlxar, preML und Bergsonne Labs haben sich erfolgreich um die Aufnahme in die Gemeinschaft innovativer KI-Unternehmen beworben. Das im November 2019 gegründete Start-up Network zählt somit nun 32 Mitglieder. Darüber hinaus hat das Executive Board des größten KI-Forschungskonsortiums Europas entschieden, die MBG Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Baden-Württemberg GmbH in das Cyber Valley Investor Network aufzunehmen.

    „Mit dem Eintritt in die nächste Phase des Cyber Valley konzentrieren wir uns noch stärker darauf, neue, innovative KI-Unternehmen beim Wachstum zu unterstützen“, sagt Michael J. Black, Cyber Valley Sprecher und Direktor am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme in Tübingen. „Daher erweitern wir sowohl unser Start-up- als auch unser Investor-Netzwerk. Mit MBG haben wir ein erfahrenes, leistungsstarkes und sehr gut vernetztes VC-Unternehmen in unser Ökosystem aufgenommen. Und mit der Aufnahme von mlxar, preML und Bergsonne Labs hat unser wachsendes Netzwerk von Unternehmer:innen und Innovator:innen an Stärke, Breite und Exzellenz gewonnen.“

    Das österreichische Start-up mlxar (machine learning extended architecture) nutzt KI, um 3D-Architekturmodelle für die Gaming-Industrie zu erstellen. Die mlxar-Technolgie ermöglicht es, Architektur-Assets schneller kreativ zu erstellen, als es derzeit üblich ist – und dem Start-up unter anderem den Gewinn des Main Awards bei der AI GameDev im vergangenen Dezember einbrachte. „Architekturdesign ist ein manueller, ineffizienter und zeitaufwändiger Prozess – das ist ein Problem, wenn man ein einzelnes Gebäude entwirft, und es ist ein riesiges Problem, wenn man eine ganze Stadt, ein Level oder eine Welt entwirft. Unsere KI-Innovation ist kein Ersatz für Designerinnen und Designer – sie ist ein Weg, um Fachwissen skalierbar zu machen und letztlich eine neue Art von kreativem Werkzeug zu schaffen“, sagt Ben James, CEO von mlxar. „Wir sind dem Cyber Valley Start-up Network beigetreten, weil es uns ermöglicht, zu einem Ökosystem beizutragen – und davon zu profitieren –, in dem Forschung und Unternehmertum unsere Innovationen weiter vorantreiben können.“

    Das Start-up preML aus Lahr im Schwarzwald stellt Fertigungsunternehmen auf KI basierende Lösungen bereit, um visuelle Qualitätsprüfung schnell und kostengünstig zu automatisieren. „Unser Unternehmen ist sehr technologieorientiert und arbeitet an der Spitze des aktuellen Stands der Wissenschaft“, sagt David Fehrenbach, Mitgründer und kaufmännischer Geschäftsführer von preML. „Als ehemaliger Student der Universität Tübingen freue ich mich besonders über die Aufnahme in das Cyber Valley Start-up Network und bin gespannt auf die Kontakte und Projekte, die über das Netzwerk entstehen.“

    Bergsonne Labs ist ein in Stuttgart ansässiges Unternehmen, das sich darauf konzentriert, die Lücke zwischen Laborwissenschaft und kommerzieller Technologie zu schließen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Erforschung und Entwicklung von mechatronischen Lösungen im Mikromaßstab für verschiedene Anwendungen wie Sporttechnologie, Robotik und Konsumgüter. „Als multidisziplinäres Zentrum, das Forschende und Unternehmen von Weltrang aus der ganzen Region zusammenbringt, bietet das Cyber Valley Start-up Network eindeutig den idealen Rahmen für das Wachstum von Bergsonne Labs“, sagt Unternehmensgründer Jonathan Fiene.

    Investor Network zählt nun sechs Mitglieder

    Neben dem Start-up Network vergrößert sich auch der Kreis der Venture-Capital-Firmen. Die MBG erweitert das Cyber Valley Investor Network. Seit mehr als 50 Jahren ist die MBG im Markt aktiv und bringt Erfahrung, Netzwerk und Kontinuität in Start-ups ein. „Künstliche Intelligenz wird die Welt der Zukunft verändern. Deshalb ist es für uns wichtig, das wachsende Ökosystem zu unterstützen. Mit Cyber Valley als Partner und Multiplikator eröffnet sich ein Zugang zu innovativen KI-Start-ups, die wir gemeinsam unterstützen können“, sagt MBG-Geschäftsführer Dirk Buddensiek.

    Cyber Valley veranstaltet regelmäßig Networking-Events wie Vorträge, Meet-ups und Tech-Workshops. Die nächste Veranstaltung der Cyber Valley Entrepreneurship Series ist für den 31. März geplant – mit hochkarätigen Redner:innen zum Thema „KI und Architektur“. Weitere Informationen über das Event und die Möglichkeit zur Teilnahme finden Sie hier.

  • BirdBot, der von Vögeln inspirierte Roboter

    BirdBot, der von Vögeln inspirierte Roboter

    Ein Team von Wissenschaftler:innen des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme und der University of California, Irvine, hat ein Roboterbein konstruiert, das wie sein natürliches Vorbild sehr energieeffizient ist. BirdBot profitiert von einer Fuß-Bein-Kopplung durch ein Netzwerk aus Muskeln und Sehnen, das sich über mehrere Gelenke erstreckt. Auf diese Weise benötigt BirdBot weniger Motoren als bisherige Laufroboter und könnte theoretisch riesig groß gebaut werden. Nun haben die Forschenden ihre Arbeit in Science Robotics veröffentlicht.

    Wenn ein Tyrannosaurus Rex vor 66 Millionen Jahren fast die gleiche Beinstruktur hatte wie ein Vogelstrauß, der heute im Zoogehege rumrennt, dann nehmen Wissenschaftler:innen an, dass sich diese Beinstruktur im Laufe der Evolution bewährt hat. Der Aufbau der Beine hat sich seit Millionen von Jahren zwar verändert, viele Bestandteile sind aber sehr ähnlich. Ein Gütesiegel der Natur.

    Graziös, elegant, kraftvoll – Laufvögel wie der Strauß sind ein mechanisches Wunderwerk. Die teilweise über 100 kg schweren Tiere rennen mit bis zu 55 km/h durch die Savanne. Diese Höchstleistung ist der Beinstruktur zu verdanken, so die Vermutung. Anders als Menschen klappen Vögel den Fuß nach hinten zurück, während sie das Bein zum Körper hochziehen. Warum machen das die Tiere, wieso ist diese Fußbewegung beim Gehen und Rennen energieeffizient, und wie lässt sich der Aufbau der Vogelbeine mit all seinen Knochen, Muskeln und Sehnen auf Laufroboter übertragen?

    Mehr als fünf Jahre hat Alexander Badri-Spröwitz sich diesen Fragen gewidmet. Am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme leitet er die Forschungsgruppe Dynamische Lokomotion. Die Gruppe arbeitet an der Schnittstelle zwischen Biologie und Robotik im Bereich der Biomechanik und Neurokontrolle. Die dynamische Fortbewegung von Tieren und Robotern steht hier im Fokus.

    Zusammen mit seinem Doktorand Alborz Aghamaleki Sarvestani hat Badri-Spröwitz ein Roboterbein konstruiert, das wie sein natürliches Vorbild sehr energieeffizient ist: BirdBot braucht weniger Motoren als andere Maschinen und könnte theoretisch riesig groß gebaut werden. Am 16. März publizierten Badri-Spröwitz, Aghamaleki Sarvestani, der Robotiker und Direktor am MPI-IS Metin Sitti sowie Monica A. Daley, Professorin für Biologie an der University of California, Irvine, ihre Forschungsarbeit im renommierten Fachjournal Science Robotics.

    Seilzug aus Muskeln und Sehnen

    Menschen ziehen beim Gehen den Fuß hoch und beugen das Knie, der Fuß und die Zehen aber zeigen nahezu unverändert nach vorne. Bei Vögeln ist es anders. In der Schwungphase klappen Vögel die Füße nach hinten weg. Badri-Spröwitz und sein Team führen diese Bewegung auf eine mechanische Kopplung zurück. „Es ist nicht das Nervensystem, es sind keine elektrischen Impulse, es ist keine Muskelaktivität“, vermutet Badri-Spröwitz. „Wir sehen, dass das Netzwerk aus Muskeln und Sehnen, welches sich über mehrere Gelenke hinweg erstreckt, diese Kopplung ermöglicht. Diese mehr-gelenkigen Muskel-Sehnen-Seilzüge bedingen das Einklappen des Fußes in der Schwungphase. Bei unserem Roboter haben wir die gekoppelte Mechanik im Bein und Fuß implementiert und gezeigt, dass ein Roboter damit sehr energieeffizient und robust laufen kann. Das lässt uns vermuten, dass der Muskel-Sehnen-Seilzug für echte Vögel ähnliche Effizienzvorteile bietet.“

    Die Kopplung der Bein- und Fußgelenke sowie die dabei wirkenden Kräfte könnten der Grund sein, warum ein riesiges Tier wie ein Vogelstrauß nicht nur sehr schnell rennen, sondern auch mühelos stehen kann, mutmaßten die Forschenden. Ein Mensch von über 100 kg kann zwar auch gut und lange stehen, aber nur bei durchgestreckten Knien. Würde die Person leicht in die Hocke gehen, wäre es nach ein paar Minuten vorbei. Dem Vogel jedoch macht seine geknickte Beinstruktur scheinbar nichts aus; manche Vögel können sogar im Stehen schlafen. Bei einem Roboter-Vogelbein sollte das ebenfalls funktionieren: es sollte keine Motorenleistung notwendig sein, um die Konstruktion aufrecht zu halten.

    Roboterbein geht auf dem Laufband

    Um ihre Annahme zu überprüfen, bauten die Forscher ein Bein, das einem Laufvogel nachempfunden ist. Sie konstruierten ihr Roboter-Vogelbein so, dass der Fuß keinen Motor, sondern nur ein mit einem Feder-Seilzug ausgestattetes Gelenk hat. Der Fuß ist also über Seilzüge aus Sehnen und Rollen mechanisch mit den restlichen Beingelenken gekoppelt. Jedes Roboterbein ist mit nur zwei Motoren ausgestattet: Ein Motor am Hüftgelenk sorgt dafür, dass das Gelenk vor und zurück schwingt und das Bein auf diese Art vor und zurück bewegt. Ein weiterer Motor am Kniegelenk kann das Knie beugen und hochziehen. Fertig gebaut, ließen die Forschenden BirdBot auf einem Laufband gehen um zu sehen, wie der Fuß des Roboters beim Gehen ein- und ausklappt. „Die Fuß- und Beingelenke kommen in der Standphase ohne Motoren aus,“ sagt Aghamaleki Sarvestani. „Die Kraft kommt hier aus der Feder, und die Koordination aus dem mehrgelenkigen Seilzugmechanismus. Beim Bein-Anziehen in der Schwungphase schaltet der Fuß dann die Beinfeder – den Muskel – weg“, fügt Badri-Spröwitz hinzu. Ein Video zeigt das laufende Roboter-Vogelbeine im Labor der Forschungsgruppe.

    Null Kraftaufwand beim Stehen und beim Bein-Anziehen

    Im Stand sieht man, wie das Bein null Energie aufwendet und trotzdem unerschütterlich dasteht. „Früher mussten unsere Roboter entweder beim Stehen oder beim Bein-Anziehen gegen die Feder oder mit einem Motor arbeiten, um das Bein in der Schwungphase nicht mit dem Boden zu kollidieren. Dieser Energieeintrag ist bei BirdBot jetzt nicht mehr notwendig“, sagt Badri-Spröwitz und Aghamaleki Sarvestani fügt hinzu: „Insgesamt ist damit nur ein Viertel der Energie notwendig im Vergleich zu vorhergehenden Laufrobotern.“

    Laufband wieder an, der Roboter läuft los, und mit jedem Beinschwung schaltet der Fuß die Beinfeder aus. Der Fuß entkoppelt den Seilzug und das Bein schwingt lose. Dieses Schalten zwischen Stehen und Gehen wird bei den meisten Robotern durch einen Motor am Gelenk gewährleistet. Ein Sensor sendet ein Signal an die Steuerung, die den Motor an- und ausschaltet. „Bisher mussten die Motoren sich ein- und abschalten, je nachdem, ob das Bein in der Schwung- oder Standphase war. Jetzt aber macht der Fuß das für die Laufmaschine. Wir brauchen nur noch einen Motor am Hüftgelenk und einen zum Knie-Beugen in der Schwungphase, den Rest macht das Bein allein. Das Ein- und Auskuppeln der Beinfedern überlassen wir der von Vögeln inspirierten Mechanik. Das ist robust, schnell und energieeffizient“, sagt Badri-Spröwitz.

    Dr. Daley stellte in mehreren früheren Studien fest, dass der Aufbau eines Vogelbeines nicht nur Energie spart beim Laufen und Stehen, er ist auch so von der Natur angepasst, dass das Tier kaum stolpert und sich verletzt. In Experimenten mit Perlhühnern, die über zugedeckte Schlaglöcher laufen, konnte sie die bemerkenswerte Robustheit der Vögel bei ihrer Fortbewegung quantifizieren. Eine morphologische Intelligenz ist in das System eingebaut, die das Tier schnell agieren lässt – ohne darüber nachdenken zu müssen. Daley und ihre Kollegen haben gezeigt, dass die Tiere ihre Beine bei der Fortbewegung nicht nur mithilfe des Nervensystems steuern. Liegt unerwartet ein Hindernis im Weg, ist es nicht immer der Tast- oder Sehsinn des Tieres, der zum Einsatz kommt.

    „Der Aufbau mit mehr-gelenkigen Muskeln und Sehnen und die spezielle Fußbewegung kann erklären, warum sogar schwere, große Laufvögel so schnell, robust, und energieeffizient laufen. Wenn ich davon ausgehe, dass beim Umschalten im Vogel alles auf Sensorik basiert, und es mal eine Stolperstelle gibt, könnte es passieren, dass das Tier nicht schnell genug reagieren kann. Die Sensorik, die Reizweiterleitung, und das Reagieren kosten Zeit“, sagt Daley.

    Daleys 20-jährige Arbeit an laufenden Vögeln zeigt, dass Vögel schneller reagieren, als es das Nervensystem zulässt, was darauf hinweist, dass die Mechanik hier einen wesentlichen Beitrag leistet. Jetzt, da das Team BirdBot gebaut hat, ein physikalisches Modell, das direkt zeigt, wie diese Mechanismen funktionieren, macht alles mehr Sinn: das Bein kann mechanisch bei einer Bodenunebenheit umschalten. Das funktioniert sofort, ohne Zeitverzögerung. Wie Vögel zeichnet sich auch der Roboter durch eine hohe Robustheit bei der Fortbewegung aus.

    Ob im Maßstab eines Tyrannosaurus Rex oder einer kleinen Wachtel – es ist egal, ob es sich um ein kleines oder ein riesiges Roboterbein handelt. Theoretisch können jetzt meterhohe Beine für Tonnen-schwere Roboter gebaut werden, die mit wenig Leistungsaufwand herumlaufen.

    Wie immer führen die in der Gruppe Dynamischen Lokomotion gewonnenen Erkenntnisse über Roboter zu Erkenntnissen über die von der Evolution angepassten Tiere und vice versa. Ein Wechselspiel, das Hypothesen testet und manchmal bestätigt, und dabei sowohl das Forschungsfeld der Robotik als auch der Biologie voranbringt.

  • Expert:innenberatung für den Einstieg in KI und Robotik

    Expert:innenberatung für den Einstieg in KI und Robotik

    Noch bis Ende dieses Monats können sich Unternehmen jeder Größe und Branche mit Sitz in Baden-Württemberg auf geförderte Projektformate zum Thema künstliche Intelligenz (KI) und Robotik bewerben. Die Angebote sind Teil des KI-Fortschrittszentrums „Lernende Systeme und Kognitive Robotik“ der Fraunhofer-Institute IPA und IAO und richten sich auch an KI-Einsteiger:innen.

    Das hohe Potenzial von Technologien der KI und Robotik ist unbestritten. Doch viele Unternehmen und speziell der Mittelstand tun sich noch schwer, für passende Anwendungsfälle die am besten geeigneten KI-Technologien zu ermitteln. Dies belegen zahlreiche Studien, beispielsweise auch von Bitkom aus dem April letzten Jahres. Laut dieser sind der Mangel an Geld, Personal und Zeit häufige Hemmnisse für den KI-Einsatz. Um Unternehmen bestmöglich zu unterstützen, bedarf es einer individuellen Experten-Betrachtung. Genau diese bietet das KI-Fortschrittszentrum mit seinen niedrigschwelligen Angeboten. Fast 200 Unternehmen haben die Angebote bereits wahrgenommen. Eine Übersicht über die vielfältigen Ergebnisse findet sich auf der unten verlinkten Webseite.

    Noch bis zum 31. März 2022 können sich Unternehmen vom Start-up bis zum Konzern mit ihrer Projektskizze bewerben. Es gibt zwei Projektformate:

    • „AI Explorer“: Dieses Format vermittelt Grundlagenwissen für alle Unternehmen, die sich zu Einsatzmöglichkeiten von KI oder Robotik informieren möchten, aber noch keine konkrete Idee haben. Fraunhofer-Mitarbeiter:innen bieten in Workshops eine Einschätzung dazu, wo KI und Robotik im Unternehmen stehen und in welcher Reihenfolge am besten vorzugehen wäre, um die Technologien in die Praxis zu bringen. Die Expert:innen helfen, die aktuelle Situation einzuschätzen und die Potenziale für Prozessverbesserungen oder Produkt- und Serviceinnovationen durch KI- und Robotik-Anwendungen aufzuzeigen.
    • „Quick Checks“: Mit diesem Projektformat können Unternehmen die Umsetzbarkeit einer individuellen KI- oder Roboteranwendung, also eine bereits vorhandene Idee, überprüfen. Nachdem das Unternehmen seinen konkreten Anwendungsfall vorgestellt hat, untersuchen die Fraunhofer-Mitarbeiter:innen, inwieweit das Vorhaben durchführbar ist. Ergebnis ist eine Machbarkeitsaussage in Form eines kurzen „Proof of Principle“.

    Die aktuelle Bewerbungsfrist adressiert Unternehmen, die bisher noch nicht mit dem KI-Fortschrittszentrum zusammengearbeitet haben. Die Projektformate sind für Firmen mit Sitz oder Standort in Baden-Württemberg kostenfrei. Möglich wird dies, weil das KI-Fortschrittszentrum umfangreiche Fördermittel vom baden-württembergischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus erhält.

    Erfolgreiche Projektformate

    Beide Projektformate erfordern nur einen sehr schlanken Aufwand für die Bewerbung und haben sich in den letzten Jahren als besonders erfolgreich bewährt. Gemeinsam mit dem Zentrum für Cyber Cognitive Intelligence (CCI) haben die beiden Fraunhofer-Institute die bereits genannten über 200 Projekte durchgeführt. Dies zeigt nicht nur, dass schon viele Unternehmen in Baden-Württemberg davon profitieren konnten. Die Projekte geben den Fraunhofer-Expert:innen auch einen fundierten Einblick in die Forschungs- und Entwicklungsbedarfe aufseiten der Unternehmen – die Basis für einen zielgerichteten, erfolgreichen Technologietransfer.

    Die bearbeiteten Themen im KI-Fortschrittszentrum sind sehr vielfältig. Erfolgsgeschichten sind beispielsweise der Quick Check für das automatisierte End-of-Line-Verpacken mithilfe von KI-basierter Bildverarbeitung und einem Roboter. Weiterhin wurde geprüft, inwieweit Bildverarbeitung und das Teilgebiet maschinelles Lernen (ML) zum Einsatz kommen können, um automatisiert Schäden an Fahrzeugkarosserien zu erkennen, was beispielsweise Mietwagenfirmen oder Betrieben im Gebrauchtwagenhandel wichtige Informationen liefert. Beide Quick Checks führten zu einer weiteren Zusammenarbeit der Unternehmen mit Fraunhofer, in der die Anwendungen prototypisch umgesetzt wurden. Im Kontext der Dienstleistungswirtschaft konnte ein Quick Check für einen Betrieb im Buchgroßhandel die Möglichkeit aufzeigen, KI-basiert möglichst genau vorherzusagen, wann welche Produkte in welcher Anzahl bestellt werden.

    Menschzentriert und anwendungsorientiert

    Die Projekte des KI-Fortschrittszentrums haben eine menschzentrierte KI im Fokus. Diese umfasst die Erklärbarkeit, Verifizierbarkeit, Kooperation, Integration und Robustheit von KI-Technologien. Denn nur wenn Menschen mit neuen Technologien intuitiv interagieren und vertrauensvoll zusammenarbeiten, kann deren Potenzial optimal ausgeschöpft werden. Unternehmen profitieren zudem von der Einbettung des KI-Fortschrittszentrums in Europas größten KI-Forschungsverbund Cyber Valley: Es hat in diesem die Aufgabe, die Brücke zu schlagen zwischen der hochklassigen Grundlagenforschung an verschiedenen Einrichtungen im Raum Stuttgart-Tübingen sowie den Technologiebedarfen auf der Anwenderseite.

    Aussagen von Projektpartnern:

    Firma Sick: „Die Kollegen von Fraunhofer habe im Rahmen des Quick Checks einen ausgezeichneten Überblick über bestehende Methoden zur Qualitätssicherung von Neuronalen Netzen erarbeitet. Wir hoffen, mit ihrer Kompetenz weitere Schritte in Richtung ‚Sicherer Künstlicher Intelligenz‘ gehen zu können.“

    Firma Knorr-Bremse: „Das Team bei Fraunhofer hat im Quick Check das Training von Modellen mittels öffentlichen Datensätzen zum Pre-Labeling von Videoszenen untersucht. Die dabei erhaltenen Ergebnisse sind ermutigend und bilden eine sehr gute Grundlage für weitere Untersuchungen. Die sehr fachkundige und professionelle Durchführung dieses Projektes wurde auch sehr gut von den FhG-Partnern dokumentiert, und wir sehen einer weiteren möglichen Zusammenarbeit mit großem Optimismus entgegen.“

    Firma IDS: „Ein gemeinsames Ziel des Fraunhofer IPA und uns ist es, KI anwendbar und erklärbar zu machen. Das IPA hat uns während des Quick Checks durch Kompetenz und Tatkraft diesem Ziel einen Schritt nähergebracht. Es konnte bereits in der kurzen Projektzeit gezeigt werden, dass nicht nur die Entscheidung neuronaler Netze wichtig ist, sondern auch, welche Bildmerkmale dazu führen, um Datenmanipulation und -verzerrungen zu erkennen. Wir hoffen darauf, die produktive Zusammenarbeit weiter fortsetzen zu können.“

  • Fingerspitzengefühl für Roboter

    Fingerspitzengefühl für Roboter

    In dem Bestreben, den Tastsinn von Robotern zu verbessern, entwickeln Wissenschaftler:innen des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme einen Sensor, der einem Daumen gleicht und im Inneren mit einer Kamera ausgestattet ist. Das Team trainiert ein tiefes neuronales Netz, um aus den Kamerabildern Informationen abzuleiten, wo und wie stark der Sensor berührt wird. Aus gefilmten Verformungen der flexiblen Außenhülle des Sensors generiert das neuronale Netz ein dreidimensionales Abbild der Kräfte, die auf den künstlichen Daumen einwirken. Die Erfindung verbessert die haptische Wahrnehmung von Roboterfingern erheblich und kommt dem Tastsinn der menschlichen Haut einen wesentlichen Schritt näher.

    In einer Publikation im Fachjournal Nature Machine Intelligence stellt ein Team von Wissenschaftler:innen des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme (MPI-IS) einen robusten, weichen und haptischen Sensor namens „Insight“ vor. Mit Hilfe von Maschinellem Sehen und einem tiefen neuronalen Netzwerk kann der Sensor genau abschätzen, an welcher Stelle Objekte mit ihm in Kontakt kommen und wie groß die einwirkenden Kräfte sind. Das Forschungsprojekt ist ein wichtiger Schritt hin zu Robotern, die wie Menschen und Tiere ihre Umgebung ertasten können. Wie sein natürliches Vorbild ist der Sensor sehr empfindlich, robust und präzise.

    Der einem Daumen nachempfundene Sensor besteht aus einer weichen Hülle, die ein leichtes, steifes Skelett in sich einschließt. Dieses Skelett hält die Struktur aufrecht, ähnlich wie Knochen das weiche Gewebe eines Fingers stabilisieren. Die Hülle besteht aus einem Elastomer, das mit dunklen, aber reflektierenden Aluminiumflocken angemischt wurde. Dadurch bekommt die Hülle eine gräuliche Farbe und ist undurchsichtig, so dass kein Licht von außen eindringen kann. Im Inneren dieser fingergroßen Kapsel ist eine winzige 160-Grad-Fischaugenkamera eingebaut. Sie nimmt bunte Lichtmuster auf, die von einem Ring aus LEDs erzeugt werden.

    Wenn ein oder mehrere Objekte die Sensorhülle berühren, ändert sich das Farbmuster im Inneren des Sensors. Die Kamera nimmt mehrmals pro Sekunde Bilder auf und füttert mit diesen Daten ein tiefes neuronales Netz. Dem Algorithmus entgeht nichts: in jedem Pixel erkennt er selbst kleinste Veränderung des Lichts. Innerhalb eines Sekundenbruchteils kann das trainierte Modell herausfinden, wo genau ein Objekt den „Finger“ berührt, wie stark die Kräfte sind und in welche Richtung sie wirken. Das Modell leitet daraus das ab, was Wissenschaftler:innen eine force map nennen: ein dreidimensionales Abbild der Kräfte, die auf den künstlichen Daumen einwirken.

    Abbildung 1 veranschaulicht den Sensor, das erzeugte bunte Kamerabild und die Berechnung des tiefen neuronalen Netzes: wo genau fand eine Berührung statt, mit welcher Kraft und in welche Richtung über die Oberfläche hinweg fand die Berührung statt. Auch ein Video veranschaulicht die Funktionsweise des Sensors.

    „Unser Sensor zeigt eine hervorragende Leistung dank des innovativen mechanischen Designs der Hülle, des maßgeschneiderten Bildgebungssystems im Inneren, der automatischen Datenerfassung und dank modernster Deep Learning Methoden“, sagt Georg Martius, Forschungsgruppenleiter am MPI-IS. Dort leitet er die Autonomous Learning Group. Sein Doktorand Huanbo Sun ergänzt: „Unsere einzigartige Hybridstruktur aus einer weichen Schale, die ein steifes Skelett umschließt, sorgt für hohe Empfindlichkeit und Robustheit. Unsere Kamera kann selbst die kleinsten Verformungen der Oberfläche mit einem einzigen Bild erkennen.“ Tatsächlich stellten die Forscher beim Testen des Sensors fest, dass er empfindlich genug ist, um seine eigene Orientierung im Verhältnis zur Schwerkraft zu spüren.

    Das dritte Mitglied des Teams ist Katherine J. Kuchenbecker, Direktorin der Abteilung für Haptische Intelligenz am MPI-IS. Sie bestätigt, dass der neue Sensor nützlich sein wird: „Bisherige weiche haptische Sensoren hatten nur einen kleinen Bereich, in dem sie Dinge erfassen konnten. Sie waren empfindlich und schwierig herzustellen und konnten oft keine Kräfte spüren, die parallel zur Haut verlaufen. Das aber ist für einen Roboter, der ein Glas Wasser hält oder auf einem Tisch eine Münze verschiebt, unerlässlich.“

    Doch wie kann ein Sensor lernen, was ihn berührt? Huanbo Sun entwarf einen Versuchsaufbau, um Trainingsdaten zu sammeln. Diese Daten benötigt das maschinelle Lernverfahren, um die Korrelation zwischen der Veränderung der Bildpixel und den angewandten Kräften zu verstehen. Ein Stab stupst den Sensor überall auf seiner Oberfläche, der Computer wiederum zeichnet die Krafteinwirkung zusammen mit dem Kamerabild im Inneren des Sensors auf. Auf diese Weise erzeugten die Forscher etwa 200.000 Messungen. Es dauerte fast drei Wochen, um die Daten zu sammeln und einen weiteren Tag, um den Deep Learning Algorithmus zu trainieren. Der Daumen überstand dieses lange Experiment mit vielen verschiedenen Krafteinwirkungen – ein Beleg für die Robustheit des mechanischen Designs von Insight.

    Eine weitere Besonderheit des daumenförmigen Sensors ist, dass es einen Bereich mit einer dünneren Elastomerschicht gibt, die einem Fingernagel nachempfunden ist. Dieses Grübchen ist so konzipiert, dass es selbst kleinste Kräfte und verschiedene Objektformen erkennen kann. Für diese sehr empfindliche Zone wählten die Wissenschaftler:innen eine Elastomerdicke von 1,2 mm statt der 4 mm, die sie ansonsten für den Fingersensor verwendeten.

    „Das Hard- und Softwaredesign, das wir in unserer Arbeit vorstellen, lässt sich auf eine Vielzahl von Anwendungsfällen mit unterschiedlichen Formen und Präzisionsanforderungen übertragen. Die Programmierung des Deep Learning Algorithmus, die Datenerfassung, das Training und was das System daraus ableitet sind allgemeingültig und können helfen, viele andere Sensoren zu entwickeln“, schließt Huanbo Sun ab.

  • Auszeichnung für Cyber Valley Projekt 

    Auszeichnung für Cyber Valley Projekt 

    Forschung zum Mitmachen: Mit der Idee, Schüler:innen und Forschende über  Geschichtenerzählen zusammenzubringen, gehört der KI-Kurzgeschichtenwettbewerb Cyber Storys zu den Gewinnern des Hochschulwettbewerbs zum Wissenschaftsjahr 2022 – Nachgefragt!.

    Der Hochschulwettbewerb lädt Forschende und Bürger:innen ein, sich aktiv am Forschungsprozess zu beteiligen und gemeinsam den Herausforderungen der Zukunft zu begegnen. Aus 270 Einreichungen kürte die Jury die besten 15 Projektideen. Das Stuttgarter Cyber Valley Projekt erhält 10.000 Euro, um damit bis Ende des Jahres 2022 den Kurzgeschichtenwettbewerb durchzuführen.


    Cyber Storys

    „Soll ein Roboter dein Zimmer aufräumen? Soll ein Computer entscheiden, auf welche Schule du gehen darfst? Wie stellst du dir dein Leben mit künstlicher Intelligenz vor? Gestalte die Zukunft mit deinen Ideen!“ Mit diesem Aufruf startet Cyber Storys ab dem 28. März 2022. Schüler:innen  aus Baden-Württemberg ab dem siebten Schuljahr können einzeln oder als Klassenverbund bis zum 3. Juni online ihre Visionen für die Zukunft mit künstlicher Intelligenz einreichen und so narrativ neue Impulse für die zukünftige KI-Forschung liefern. Der Wettbewerb ist offen für alle Schularten und richtet sich auch an Berufsschulen. Eine Jury kürt die Preisträger:innen beim Stuttgarter Wissenschaftsfestival.

    Cyber Storys gibt Einblick in die KI-Forschung und macht KI-Ethik mithilfe der eigenen Kreativität erfahrbar. Das Projekt stellt Jugendliche und junge Bürger:innen in den Mittelpunkt, ganz im Sinne des Mottos des Wissenschaftsjahres 2022 – Nachgefragt!. Es ermöglicht ihnen, ihre Zukunftsvisionen in die Forschung einzubringen und der Wissenschaft, von diesen Impulsen zu lernen. Durch die kreative Beteiligungsform möchte Cyber Valley die Neugier junger Menschen an KI wecken und Wissen vermitteln. Denn nur, wer über eine grundlegende Technikkompetenz verfügt, kann KI einordnen, gestalten und die eigenen Interessen vertreten.

    KI-Lehrmaterialien und Schreibwerkstätten

    Damit spannende Geschichten entstehen, bietet Cyber Storys vielfältige Unterstützung. Kostenfreie Lehrmaterialien wie ein E-Learning-Kurs zu künstlicher Intelligenz, ein Arbeitsheft und ein Begleitheft für Lehrkräfte vermitteln KI-Grundlagenwissen. Die Materialien sind Ende März auf der Webseite des Kurzgeschichtenwettbewerbs abrufbar. Wie KI im Unterricht behandelt werden kann, ist Thema der „Train the Trainer“-Workshops für Lehrkräfte. In Schreibwerkstätten in den Stadtbibliotheken für Jugendliche und junge Erwachsene und für Klassen aus dem Raum Stuttgart/Tübingen werden Jugendliche beim Schreibprozess unterstützt und können Forschende treffen. Die Termine werden über die Projektwebseite bekanntgegeben.

    Vernetzung der Institutionen in der Region

    Cyber Storys wird koordiniert von Cyber Valley und entsteht in Zusammenarbeit mit vielen Institutionen. Die Stadtbibliotheken Stuttgart, Tübingen, Leinfelden-Echterdingen und Esslingen beteiligen sich unter anderem mit Schreibwerkstätten, Themenregalen mit Medien rund um KI sowie Lesungen der Gewinnergeschichten. Die Unterrichtsmaterialien sind ein Angebot von Cyber Valley in Zusammenarbeit mit dem Stuttgarter Research Focus Interchange Forum for Reflecting on Intelligent Systems (SRF IRIS) der Universität Stuttgart und der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg.

    Cyber Valley Public Engagement Managerin Rebecca Beiter möchte das Preisgeld des Hochschulwettbewerbs für mehr Dialog einsetzen: „Damit können wir nicht nur den Schreibwettbewerb veranstalten, sondern die Geschichten als niederschwelligen Einstieg für anschließende Lesungen und Dialogformate zwischen KI-Forschenden und Bürger:innen nutzen.“ Beiter freut sich außerdem über die Vernetzung und Weiterbildung im Bereich Wissenschaftskommunikation, denn neben der finanziellen Förderung bietet der Hochschulwettbewerb Workshops und Schulungen für die Gewinnerteams an. Über Fortschritte und Herausforderungen bei der Projektumsetzung informieren die Teams regelmäßig auf dem Blog des Hochschulwettbewerbs: www.hochschulwettbewerb.net.

    Der Hochschulwettbewerb wird jährlich von Wissenschaft im Dialog (WiD) in Kooperation mit dem Bundesverband Hochschulkommunikation und der Hochschulrektorenkonferenz ausgerufen und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Wissenschaftsjahres gefördert.

  • Startschuss für das erste ELLIS-Institut in Tübingen

    Startschuss für das erste ELLIS-Institut in Tübingen

    Mit der feierlichen Unterzeichnung einer Fördervereinbarung haben Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Wissenschaftsministerin Theresia Bauer, Dr. h. c. Hans-Werner Hector, Prof. Dr. Bernhard Schölkopf und Prof. Dr. Bernd Engler, Rektor der Universität Tübingen, am Donnerstag im Stuttgarter Neuen Schloss den offiziellen Startschuss zum Aufbau des europaweit ersten ELLIS-Instituts am Cyber Valley Campus in Tübingen gegeben.

    Das ELLIS-Institut wird in den kommenden zehn Jahren von der Hector Stiftung mit insgesamt 100 Millionen Euro gefördert. Damit wird das Cyber Valley Ökosystem um ein Institut ergänzt, das international rekrutierten und hoch qualifizierten Forschenden größtmögliche Freiräume und außergewöhnlich attraktive und flexible Rahmenbedingungen bietet. Das ELLIS-Institut wird aufgrund dieser Rahmenbedingungen auch international als ein besonders attraktives Angebot wahrgenommen werden. Ziel ist es, wissenschaftliche Talente aus der Spitzenforschung für einen Wechsel nach Baden-Württemberg zu gewinnen. Das Land Baden-Württemberg gibt weitere 25 Millionen Euro dazu und wird zusätzlich zu seinem bisherigen Engagement im Cyber Valley die bauliche Unterbringung sowie die Administration für das ELLIS-Institut bereitstellen. Mit dem ELLIS-Institut entsteht damit in Baden-Württemberg für die Erforschung der künstlichen Intelligenz (KI) ein neuer europäischer Leuchtturm mit Modellcharakter.

    „Mit dem ELLIS-Institut zünden wir die nächste Stufe im Cyber Valley. Wir machen dieses Institut zu einem Knotenpunkt im gesamten ELLIS-Netzwerk, einem Netzwerk, in dem sich Spitzenforscherinnen und -forscher aus ganz Europa zusammenfinden. Dies mit genau einem festen Standort: dem Cyber Valley hier bei uns in Baden-Württemberg. Das ELLIS-Institut wird künftig die besten Köpfe der Wissenschaft aus aller Welt anziehen – die Stars der Szene, aber genauso unseren wissenschaftlichen Nachwuchs“, so Ministerpräsident Winfried Kretschmann. „Wer ans ELLIS-Institut kommt, den erwartet dort größtmögliche Beinfreiheit, bestmögliche Ausstattung, ein inspirierendes Netzwerk aus Wirtschaft und Wissenschaft und die heißesten Themen der KI-Szene. Mit der großzügigen Förderung der Hector Stiftung von 100 Millionen Euro über die nächsten zehn Jahre wird ELLIS ein echtes Forschungs-Eldorado in Baden-Württemberg.“

    Der Stifter Dr. h. c. Hans-Werner Hector begründet sein Engagement für das ELLIS-Institut so: „KI wird zur Schlüsseltechnologie für viele Forschungsbereiche wie Medizin, Produktionsprozesse, Klimaschutz und Verkehr – um nur einige zu nennen. Aufgrund der unterschiedlichsten Anwendungsbereiche wird unser Leben zukünftig stark von ihr beeinflusst. Deutschland sollte im Forschungsbereich KI eine wichtige Rolle einnehmen. Daher möchten wir mit unserer Stiftung diese Entwicklung unterstützen.“

    Private Finanzierung kann öffentliche Forschung entscheidend voranbringen

    „Das ELLIS-Institut macht aus einem europäischen Top-Standort für künstliche Intelligenz nun den Top-KI-Standort in Europa: Hier kommen Erfahrung und Vision zusammen und treffen auf die herausragende Unterstützung von Hector Stiftung und Land – wir werden das neue ELLIS-Institut mit 25 Millionen Euro unterstützen. Mit diesen einmaligen Rahmenbedingungen wird es uns gemeinsam gelingen, im Wettbewerb um die besten Köpfe ganz vorne mitzuspielen“, betonte Wissenschaftsministerin Theresia Bauer.

    Bernhard Schölkopf, der als Direktor am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme in Tübingen maßgeblich an der Gründung von Cyber Valley 2016 und dem Europäischen Laboratorium für Lernen und Intelligente Systeme (ELLIS) zwei Jahre später beteiligt war, wird dem neuen ELLIS-Institut als Gründungsdirektor vorstehen. „Zukünftige Systeme werden mit der Komplexität der Welt umgehen, indem sie aus Beobachtungen lernen – von der Astronomie über die Klimaforschung bis hin zur Medizin. Um diese zu gestalten, haben wir das Cyber Valley und die ELLIS-Initiative gegründet. Ich war sehr dankbar für die Gelegenheit, mich mit Dr. Hans-Werner Hector umfassend über diesen Paradigmenwechsel austauschen zu können, und ich bin nun dankbar für seine großzügige Unterstützung. Seine Vision und Tatkraft fallen hier auf fruchtbaren Boden. Ich hoffe, dass das ELLIS-Institut viele talentierte Menschen nach Baden-Württemberg bringen wird, weit über unsere Grenzen hinaus ausstrahlt, und zu einer KI beiträgt, die auf unseren europäischen Werten beruht“, sagte Schölkopf.

    „Es ist großartig, dass die Hector Stiftung mit der außerordentlich großzügigen Förderung des ELLIS-Instituts ihr Engagement am Forschungsstandort Tübingen weiter ausbaut“, ergänzte Rektor Engler. „Schon mit dem 2014 gegründeten Hector Institut für Empirische Bildungsforschung an der Universität Tübingen zeigte die Stiftung, dass sie zukunftsweisende Akzente für die Profilbildung des Standorts zu setzen vermag und bewies, dass zusätzliche private Finanzierung öffentliche Forschung entscheidend voranbringen kann. Das ELLIS-Institut ist ein wichtiger Schritt, um den Standort Tübingen in der europäischen Spitze eines Forschungsfeldes zu positionieren, das für die weitere Entwicklung von Gesellschaft und Wirtschaft von essentieller Bedeutung ist. Zudem wird ELLIS wesentlich dazu beitragen, das Cyber Valley Ökosystem dauerhaft zu einem Leuchtturm in der EU und darüber hinaus zu etablieren.“

    Cyber Valley in Tübingen wird weiter ausgebaut

    Vor wenigen Wochen hatte die Landesregierung Baden-Württembergs mit einer Investition von 180 Millionen Euro den Weg freigemacht für den Ausbau des Cyber Valley Campus am Standort Tübingen um mehrere Gebäude. Eines dieser geplanten Gebäude („Cyber Valley III“, Maria-von-Linden-Straße 8) wird künftig unter anderem die Heimat des ELLIS-Instituts sein. Mit Cyber Valley – einem zentralen Element der KI-Strategie des Landes – wird seit 2016 in einer gemeinsamen Initiative von Wissenschaft und Wirtschaft in Kooperation mit dem Land Baden-Württemberg und der Max-Planck-Gesellschaft ein international führender Forschungsstandort im Bereich des maschinellen Lernens, des maschinellen Sehens und der Robotik aufgebaut. Cyber Valley ist mit seinen Standorten in Stuttgart und Tübingen bereits an seinem fünften Geburtstag im Dezember 2021 eine der größten Forschungskooperationen Europas im Bereich der künstlichen Intelligenz. Exzellente Grundlagenforschung wird mit interdisziplinärer und industrieller Forschung und einer lebhaften Gründerszene zu einem Innovationsökosystem zusammengeführt.

    Der Forschungsschwerpunkt in Tübingen liegt auf dem Aufbau lernender Systeme, die der Vielseitigkeit und Robustheit natürlicher intelligenter Systeme nahekommen. Viele KI-basierte Anwendungen sind auf ein spezifisches Problem festgelegt, funktionieren aber nicht mehr, wenn sich dieses Problem verändert. Sie können keine kausalen Zusammenhänge erkennen. In Tübingen wird an Ansätzen geforscht, diese Lücke zu schließen.

    ELLIS-Institut soll die weltweit besten KI-Talente anziehen

    Eines der Ziele in Tübingen ist es auch, mit dem neuen ELLIS-Institut eine Forschungseinrichtung zu gründen, die die weltweit größten Talente im Bereich des maschinellen Lernens anzieht und hält. Mit den „Hector Endowed ELLIS Fellowships“ werde es künftig noch besser möglich, hoch qualifizierte und weltweit begehrte Forschende aller Karrierestufen anzuziehen, größtmögliche Freiräume sowie flexible Rahmenbedingungen zu bieten. „Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sollen bestmögliche Bedingungen geboten werden, um zukunftweisende Grundlagenforschung zu betreiben und mit ihrer Forschung zu Durchbrüchen in Anwendungsgebieten beizutragen“, so Schölkopf.

    Die geförderten Hector Endowed ELLIS Fellows finden in Cyber Valley eine hervorragende Forschungsumgebung und leistungsstarke Wirtschaftsunternehmen vor. Insbesondere ist eine enge Kooperation mit dem Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme (MPI-IS) und der Universität Tübingen vorgesehen, etwa in Form von gemeinsamen Berufungen, Promotionen und bei der Nutzung von Infrastruktur. MPI-IS und Universität betreiben heute bereits das gemeinsam von Bund und Land geförderte KI-Kompetenzzentrum Tübingen AI Center, eines der fünf KI-Kompetenzzentren Deutschlands.

    Dem ELLIS-Institut in Tübingen sollen weitere Institute im Rahmen der ELLIS-Initiative an anderen Standorten in ganz Europa folgen. Ziel von ELLIS ist es, langfristig eine pan-europäische Forschungsorganisation aufzubauen, die es mit den führenden KI-Standorten weltweit aufnehmen können und deren Institute jeweils als Nukleus eines hochgradig innovativen lokalen Ökosystems fungieren.


    Über ELLIS:

    Das Europäische Laboratorium für Lernen und Intelligente Systeme (ELLIS) soll die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen KI nachhaltig sichern, indem es das Fachwissen von Spitzenforscher:innen auf dem Gebiet des maschinellen Lernens und verwandter Gebiete auf dem gesamten Kontinent bündelt. Die Ende 2018 gegründete ELLIS-Initiative hat sich schnell zu einem paneuropäischen Netzwerk entwickelt, das 34 Forschungseinheiten an erstklassigen Einrichtungen in 20 Ländern umfasst, darunter vier in Baden-Württemberg (Freiburg, Heidelberg, Stuttgart, Tübingen). Derzeit gibt es 14 ELLIS-Forschungsprogramme sowie ein pan-europäisches Doktorandenprogramm, das im September 2020 gestartet ist. Mit diesen und weiteren Initiativen wollen die Mitglieder des ELLIS-Netzwerks Exzellenz in der Grundlagenforschung fördern. Dies wird europäische Wissenschaftler:innen in die Lage versetzen, die technologische und gesellschaftliche Revolution des 21. Jahrhunderts mit menschenzentrierter, nutzbringender KI aktiv zu gestalten.