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  • Künstliche Flimmerhärchen geben Aufschluss darüber, welches Bewegungsmuster einen maximalen Flüssigkeitsstrom erzeugt

    Künstliche Flimmerhärchen geben Aufschluss darüber, welches Bewegungsmuster einen maximalen Flüssigkeitsstrom erzeugt

    Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme entwickeln künstliche Flimmerhärchen, die so programmiert werden können, dass sie sich in Wellen bewegen. In Experimenten zeigen sie, wie die millimeterkleinen Zilien viskose Flüssigkeiten genauso effektiv pumpen können wie ihr natürliches Vorbild. Ihre Forschung trägt dazu bei, das Geheimnis zu lüften, welches Bewegungsmuster einen maximalen Flüssigkeitsstrom erzeugt. Die in Science Advances veröffentlichten Ergebnisse tragen zu einem besseren Verständnis der Biomechanik echter Zilien bei und helfen bei der Entwicklung millimeterkleiner Roboter, die Flüssigkeiten pumpen und so eines Tages im menschlichen Körper eingesetzt werden können.

    Stuttgart – Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme (MPI-IS) haben millimeterkleine magnetisch geladene Zilien entwickelt, die viskose Flüssigkeiten genauso effektiv pumpen können wie echte Flimmerhärchen, die in der Natur weit verbreitet sind. Ihr Forschungsprojekt „Bioinspired cilia arrays with programmable nonreciprocal motion and metachronal coordination“ wurde im Fachjournal Science Advances veröffentlicht. Die Autoren Dr. Xiaoguang Dong, Dr. Wenqi Hu, Ziyu Ren und Prof. Dr. Metin Sitti sind Mitglieder der Abteilung für Physische Intelligenz am MPI-IS, deren Direktor Sitti ist.

    Zilien sind haarähnliche Strukturen, die zum Beispiel in den Atemwegen vorkommen. Dort liegen sie wie ein Teppich auf der Schleimhaut. Durch die Zilienbewegung wird Schleim und an ihm haftende, unerwünschte Substanzen aus den Atemwegen befördert. Ähnliche Flimmerhärchen kommen auch in den Eileitern vor, die Eizellen in Richtung der Gebärmutter transportieren. Auch Korallen haben Zilien – dünne gemeinschaftlich schlagende Geißelhaare, die Wasser aufwirbeln und so Nährstoffe und Sauerstoff anschwemmen.

    Der Roboter, den die Wissenschaftler nun entwickelt haben, ähnelt echten Flimmerhärchen sehr. Der einzige Unterschied ist die Größe: Jedes Replikat einer Zilie ist knapp einen Millimeter lang. Das ist hundertmal grösser als ein natürliches Flimmerhärchen, wie es zum Beispiel in einer Lunge vorkommt.

    Die Wissenschaftler bauten die künstlichen Flimmerhärchen aus einem Elastomer, einem gummiähnlichen Kunststoff, in den sie magnetisch geladene Partikel in einem ganz bestimmten Muster einbetteten. So wird jedes Härchen programmierbar: Die Forscher können nicht nur die Bewegung jedes einzelnen Flimmerhärchens fernsteuern, sondern auch die koordinierte Bewegung aller Flimmerhärchen im Zusammenspiel mit ihren Nachbarn.

    Abbildung 1: Inspiriert von natürlichen Flimmerhärchen (links), pumpen die künstlichen Flimmerhärchen (rechts) – dank ihrer optimal koordinierten Bewegung – sehr effizient verschiedene Flüssigkeiten und Partikel entlang. Bildnachweis: Abteilung für Physische Intelligenz (MPI-IS).

    Die Forscher schalteten ein rotierendes externes Magnetfeld an und zeigten, dass ihre künstlichen Flimmerhärchen eine wellenförmige Bewegung ausführten, die echten Flimmerhärchen sehr ähnelte (Abbildung 1). Sie verwendeten einen roten Farbstoff und zeigten mit Hilfe eines bildgebenden Verfahrens, wie die Härchen eine viskose Flüssigkeit (Glyzerin) entlangpumpen und Partikel dank der optimal koordinierten Bewegung der Härchen effizient transportieren (Abbildung 2).

    Abbildung 2: Die bioinspirierten Zilien pumpen eine viskose Flüssigkeit (Glyzerin). Die Bewegung wird durch einen roten Farbstoff sichtbar, der sich langsam nach rechts ausbreitet. Maßstabsbalken, 1 mm. Bildnachweis: Abteilung für Physische Intelligenz (MPI-IS).

    Die Forscher zeichneten die peitschenartig schlagende Bewegung der künstlichen Geißelhaare mit einer Hochgeschwindigkeitskamera auf, wie in diesem Video zu sehen ist. Der Clip zeigt, wie sich die schlanken Strukturen koordiniert bewegen, ähnlich wie echte Flimmerhärchen: Die künstlichen Konstrukte bewegen sich weder synchron noch zufällig hin und her. Vielmehr führen sie eine koordinierte wellenartige Bewegung aus, die einer La-Ola-Wanderwelle ähnelt. Mehrere wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass diese sogenannte metachronale Welle – Zilien, die einzeln in einem Muster geschlagen – im Laufe der Evolution perfektioniert wurde: Sie erzeugt einen optimalen Flüssigkeitsstrom.

    Die Erforschung natürlicher Flimmerhärchen und ihres kollektiven Verhaltens ist eine herausfordernde Aufgabe, da echte Zilien oft nur wenige Mikrometer klein sind. Selbst mit einem Mikroskop sind Flimmerhärchen nur sehr schwer zu sehen. Zudem ist es unmöglich, ihre Bewegung zu kontrollieren. Indem sie Zilien künstlich nachbildeten, gelang es den Stuttgarter Wissenschaftlern nun aber, den grundlegenden quantitativen Zusammenhang zwischen der metachronalen Koordination und dem damit ausgelösten Flüssigkeitsstrom experimentell aufzuzeigen.

    „Mit unserem künstlichen System können wir die Flimmerhärchen-Bewegung ähnlich wie echte Flimmerhärchen in einem größeren Maßstab nachahmen, wobei immer die gleichen physikalischen Gesetze gelten. Auf diese Weise können wir viele verwertbare Daten erzeugen. Wir können quantifizieren, welche Bewegungsmuster einen maximalen Flüssigkeitsstrom erzeugen“, sagt Xiaoguang Dong.

    In mehreren Experimenten zeigte das Team, dass nur antiplektische metachronale Wellen den Flüssigkeitsstrom verbessern können. Antiplektisch bedeutet, dass die Wellenausbreitungsrichtung entgegengesetzt zu der des Flüssigkeitsstroms ist. „Unsere Beobachtung beweist die kritische Funktion der antiplektischen metachronalen Wellen und enthüllt die grundlegende quantitative Beziehung zwischen der metachronalen Koordination und dem induzierten Flüssigkeitsstrom sowohl in künstlichen als auch in natürlichen Flimmerhärchen“, sagt Ziyu Ren.

    Das Team ist davon überzeugt, dass ihr Forschungsprojekt weitere Forschung inspirieren wird: „Unsere künstlichen Flimmerhärchen könnten für die weitere Untersuchung vieler interessanter wissenschaftlicher Fragen genutzt werden, z.B. wie sich die Strömungsmuster der Flüssigkeit ändern, wenn die Dynamik der Flimmerhärchen, die Geometrie der Ränder oder die Art der umgebenden Flüssigkeit variiert wird“, sagt Wenqi Hu.

    „Mein Team, die Abteilung für Physische Intelligenz, lässt sich von verschiedenen biologischen Systemen inspirieren. Wir wollen die zugrundeliegenden physikalischen Prinzipien ihrer Fortbewegung, Intelligenz und ihrer Verhaltensweisen erforschen und dann dieses Wissen nutzen, um hochmoderne Miniaturroboter zu entwickeln. Auf diese Weise wollen wir nicht nur die biologischen Systeme besser verstehen: In Zukunft wollen wir unsere Roboter auch als innovative kabellose medizinische Geräte einsetzen, um die Medizin voranzubringen und so zum Wohlergehen unserer Gesellschaft beizutragen“, sagt Sitti.

    About the scientists:

    Dr. Xiaoguang Dong is a Postdoctoral Researcher in the Physical Intelligence Department. He received a Ph.D. degree in Mechanical Engineering from Carnegie Mellon University, USA in 2019. His research focus is developing miniature soft robots and devices for answering scientific questions in biomechanics and resolving engineering challenges in biomedical applications.

    Dr. Wenqi Hu comes from South West China. He received his Ph.D. from the University of Hawaii in 2014. He has been working on soft millirobots since he joined the Physical Intelligence Department team in Stuttgart back in 2014.

    Ziyu Ren is a Ph.D. student in the Physical Intelligence Department at the Max Planck Institute for Intelligent Systems in Stuttgart. Ziyu received his BSc and MSc degrees in mechanical engineering from Beihang University, China in 2014 and 2017. In his Ph.D. he focuses on developing magnetic soft millirobots.

    Prof. Metin Sitti has been the Director of the Physical Intelligence Department at the Max Planck Institute for Intelligent Systems in Stuttgart, Germany since 2014. As his current ancillary academic positions, he is a professor at ETH Zurich, Switzerland, professor at Koç University, Turkey, and an honorary professor at the University of Stuttgart, Germany. He was a professor in the Department of Mechanical Engineering and Robotics Institute at Carnegie Mellon University, Pittsburgh, USA (2002-2014), and a research scientist at the University of California at Berkeley, USA (1999-2002). He received the BSc (1992) and MSc (1994) degrees in electrical and electronics engineering and physics from Boğaziçi University, Turkey, and the Ph.D. degree (1999) in electrical engineering from the University of Tokyo, Japan.

    Sitti and his team aim to understand the principles of design, locomotion, perception, learning, and control of small-scale mobile robots made of smart and soft materials. The intelligence of such robots mainly comes from their physical design, material, adaptation, and self-organization more than from their computational intelligence. Such physical intelligence methods are essential for small-scale milli- and micro-robots especially due to their inherently limited on-board computation, actuation, powering, perception, and control capabilities. Sitti envisions his novel small-scale robotic systems to be applied in healthcare, bioengineering, manufacturing, or environmental monitoring to name a few.

  • Metin Sitti erhält auf dem Weltwissenschaftsgipfel ‚Falling Walls‘ in Berlin die ‚Breakthrough of the Year‘ Auszeichnung

    Metin Sitti erhält auf dem Weltwissenschaftsgipfel ‚Falling Walls‘ in Berlin die ‚Breakthrough of the Year‘ Auszeichnung

    Als Direktor am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme in Stuttgart ist Sitti einer der weltweit führenden Wissenschaftler auf dem Gebiet der physischen Intelligenz. Er ist ein Pionier auf mehreren Forschungsgebieten, darunter drahtlose winzige Medizinroboter, von Geckos inspirierte haftende Materialien und durch Körper fahrende Miniaturroboter.

    Berlin – Falling Walls verlieh Prof. Dr. Metin Sitti auf dem Grand Finale am 9. November, genau 31 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer, den Preis ‚Breakthrough of the Year‘ für den wissenschaftlichen Durchbruch des Jahres in der Kategorie Ingenieurwesen und Technologie. Der Weltwissenschaftsgipfel ‚Falling Walls‘ ist eine jährliche internationale wissenschaftliche Veranstaltung in Berlin, die als Forum für Diskussionen und Debatten über die wissenschaftlichen Durchbrüche der Zukunft dient.

    Sitti ist ein Pionier auf vielen Forschungsgebieten, wie z.B. drahtlose medizinische Miniaturroboter, von Geckos inspirierte haftende Materialien, bio-inspirierte Miniaturroboter und physische Intelligenz. „Ich fühle mich geehrt, diese Auszeichnung zu erhalten. Sie ist eine große Anerkennung der bahnbrechenden Forschungsanstrengungen meines Teams“, sagt Sitti, der Direktor der Abteilung für Physische Intelligenz am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme in Stuttgart, Professor im Department für Informationstechnologie und Elektrotechnik der ETH Zürich und Professor an der School of Medicine and College of Engineering der Universität Koç in der Türkei ist.

    „Meine Forschung reißt Barrieren für den Einsatz drahtloser medizinischer Geräte im menschlichen Körper ein. Dabei bin ich in hohem Maße von dem Science-Fiction-Film ‚Fantastic Voyage‘ aus dem Jahr 1966 inspiriert worden. Der Film handelt von einem mikroskopisch kleinen U-Boot, das sich in den Körper eines Schlaganfallpatienten wagt, um das Blutgerinnsel in seinem Gehirn zu öffnen. Seit ich diesen Film gesehen habe, träume ich davon, winzige medizinische Geräte zu entwickeln, mit denen komplexe Regionen in unserem Körper angesteuert werden könnten. Bei minimal-invasiven Verfahren könnten diese Geräte Krankheiten bereits in frühen Stadien und mit geringen Nebenwirkungen diagnostizieren und behandeln“, sagt Sitti.

    In den vergangenen Monaten haben sich fast 1000 Nominierte aus 111 Ländern in zehn verschiedenen Kategorien um einen Preis für den wissenschaftlichen Durchbruch des Jahres beworben. Mit diesen Auszeichnungen werden einige der weltweit herausragendsten wissenschaftlichen Projekte und klügsten Köpfe geehrt. Beim heutigen Grand Finale kamen Sitti und die anderen Preisträger zusammen, um zu diskutieren, wie Wissenschaft und Innovation die Menschheit voranbringen können.

    Sitti ist ein vielfach ausgezeichneter Wissenschaftler. Im März 2019 erhielt er vom Europäischen Forschungsrat (ERC) einen prestigeträchtigen ‚Advanced Grant‘, eine Förderung, die nur an etablierte Forscher*innen mit langjährigen Spitzenleistungen in der Wissenschaft vergeben wird. Im Hinblick auf die Originalität und die Bedeutung ihrer Forschungsbeiträge sind die Förderempfänger*innen auf ihrem jeweiligen Gebiet herausragend. Darüber hinaus erhielten Sitti und sein Team kürzlich auf der angesehenen ‚Robotics Science and Systems Conference‘ den ‚Best Paper Award‘ für ihre Erfindung eines von Quallen inspirierten weichen Milliroboters, der eines Tages in der Medizin eingesetzt werden könnte.

    „Ich setze mich mit Herz und Seele dafür ein, die wissenschaftlichen Grenzen dessen, was derzeit mit drahtlosen winzigen Soft-Robotern möglich ist, und deren Einsatz in klinischen Anwendungen zu erweitern, wobei mein eigentliches Ziel darin besteht, mehr Leben zu retten“, sagt Sitti.

    Weiche Milli- und Mikroroboter, wie sie Sitti und sein Team entwickeln, bergen ein enormes Potenzial und könnten eines Tages radikale Auswirkungen auf die Medizin haben. Die Wissenschaftler*innen arbeiten intensiv an der Entwicklung drahtloser Kleinstgeräte, die in naher Zukunft auch kleinere, nur schwer und unter hohem Risiko zugängliche Regionen im menschlichen Körper erreichen können. Diese Technologien werden als semi-implantierbare medizinische Geräte über lange Zeiträume im Körper der Patienten verbleiben und minimal- oder nicht-invasive diagnostische und therapeutische Eingriffe ermöglichen.

    Bis diese winzigen Roboter eingesetzt werden können, sind jedoch noch viele Herausforderungen zu bewältigen. So müssen die Wissenschaftler*innen beispielsweise Methoden dafür entwickeln, diese winzigen Roboter im Körperinneren mit hoher Präzision zu bewegen und zu steuern, wobei Körperflüssigkeitsströme und Organbewegungen berücksichtigt werden müssen. Sie müssen auch dafür sorgen, dass die Sicherheit der Patienten gewährleistet ist und dass diese Roboter auch bei potenziellen Immunreaktionen oder anderen Reaktionen über lange Zeiträume im Körper der Patienten bleiben können.

    Sitti und sein Team arbeiten seit vielen Jahren an programmierbaren winzigen Softbots, die aus biokompatiblen magnetischen Weichmaterialien gebaut werden. Ihre Ergebnisse wurden in den angesehensten wissenschaftlichen Publikationen der Welt veröffentlicht. So zeigte Sittis Team beispielsweise in einer Ausgabe der Zeitschrift Nature, wie man die Verformungen eines weichen Milliroboters über externe Magnetfelder programmieren kann. Dadurch kann der Roboter sicher durch die komplexen Regionen des menschlichen Körpers krabbeln, schwimmen, springen und rollen. Der Roboter kann Medikamente an einem vorher definierten Zielort im Körper verabreichen, während er von medizinischen Bildgebungssystemen aus der Ferne überwacht wird.

    Sitti hat in den Jahren 1992 und 1994 an der Bogazici Universität in Istanbul seine Abschlüsse als Bachelor of Science bzw. Master of Science in Elektrotechnik und Elektronik sowie in Physik gemacht und wurde im Jahr 1999 an der Universität Tokio promoviert. Von 1999 bis 2002 war er Postdoc an der University of California Berkeley und von 2002 bis 2014 Professor am Department of Mechanical Engineering and Robotics Institute der Carnegie Mellon University. Seit 2014 ist er Direktor am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme in Stuttgart.

    Über ‚Falling Walls‘:

    Der Fall der Berliner Mauer markierte den Beginn einer neuen Ära der Freiheit, weil damals sowohl physische Barrieren als auch Denkbarrieren in Deutschland und in der ganzen Welt durchbrochen wurden. Drei Jahrzehnte später ist die Nacht des 9. November 1989 zu einem Symbol der Veränderung des Status quo und der Überwindung von Spaltungen jeglicher Art geworden. Die ‚Falling Walls Conference‘ ist von diesem historischen Moment inspiriert und wird von dem Wunsch angetrieben, die Antwort auf die folgende Frage herauszufinden: Was sind die nächsten Mauern, die in Wissenschaft und Gesellschaft fallen müssen?

    Seit ihrer Gründung hat sich die Konferenz zu einer einzigartigen globalen Plattform entwickelt, die Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft durch das gemeinsame Engagement zur Schaffung bahnbrechender Lösungen für Herausforderungen über Grenzen und Disziplinen hinweg verbindet.

    https://falling-walls.com/

  • Cyber Valley Forschende steigern Analyse-Qualität von großen Netzwerken

    Cyber Valley Forschende steigern Analyse-Qualität von großen Netzwerken

    Im nächsten Schritt möchten sie ihre neue Methode in Zusammenarbeit mit Soziolog/innen in der Praxis anwenden, um den Zusammenhang von Social Media und realen Ereignissen zu untersuchen.

    Tübingen, 3. November 2020 – Um genauere Analysen in der angewandten Netzwerkwissenschaft zu ermöglichen, haben Forschende des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme (MPI-IS) in Tübingen kürzlich das Theoretical Criterion for Eigenvector Centrality (TCEC), eine quantitative Sampling-Methode, entwickelt. Die Methode zielt darauf ab, repräsentative Netzwerkeigenschaften innerhalb kleiner Datenproben zu erhalten, indem der Einfluss eines einzelnen Knotens in einem Netzwerk gemessen wird. Jetzt erweitern Nicolò Ruggeri und Caterina De Bacco das Modell um einen neuen Sampling-Algorithmus, der die Schätzungen der PageRank-Zentralität (PR) verbessert. Google Search verwendet diesen Algorithmus, um Webseiten in den Suchmaschinenergebnissen zu platzieren.

    In dem Paper mit dem Titel „Sampling on networks: estimating spectral centrality measures and their impact in evaluating other relevant network measures“ stellen sie ihre Forschung vor. Das Paper wurde kürzlich im Fachjournal Applied Network Science veröffentlicht. Ruggeri, der Hauptautor des Papers, ist Doktorand in der Cyber Valley Forschungsgruppe Physics for Inference and Optimization am MPI-IS in Tübingen und an der ETH Zürich. De Bacco, die Zweitautorin des Papers, ist Gruppenleiterin.

    Die Forschung von Ruggeri und De Bacco kann einen entscheidenden Beitrag in einem breiten Spektrum von Forschungsfeldern leisten, zum Beispiel bei sozialwissenschaftlichen Analysen, die auf die Beziehung zwischen Knoten in einem Netzwerk, wie etwa Social-Media-Kanälen, schließen wollen.

    „Unsere Arbeit wurde durch ein Gespräch mit einer Soziologin inspiriert, deren Forschung sich auf die Analyse der Dynamik von Hassrede auf Twitter konzentriert“, so Ruggeri. Bei solchen Analysen liegt eine große Herausforderung in der Bewertung von Datenproben, die aus komplexen Netzwerken gezogen werden. In den meisten Fällen sind nicht alle relevanten Informationen in der Stichprobe verfügbar, was zu Verzerrungen bei der Analyse der untersuchten Netzwerkeigenschaften führen kann. Sozialwissenschaftler/innen, die beispielsweise versuchen, eine genaue Analyse der einflussreichsten Nutzer/innen in einem ganzen Netzwerk durchzuführen, bräuchten eine Datenprobe, die den Einfluss exakt widerspiegelt.

    An dieser Stelle kommt das TCEC-Stichprobenmodell ins Spiel. Mit ihm haben es Ruggeri und De Bacco ermöglicht, repräsentative Momentaufnahmen der Benutzerdynamik in großen Netzwerken wie Facebook und Twitter zu gewinnen. Dies geschieht durch die Auswahl von Teilstichproben, die ein gutes Maß für den Einfluss einzelner Knoten im Netzwerk darstellen, was auch als Eigenvektorzentralität bekannt ist. „Wenn Forschende Netzwerknutzer/innen nach dem Zufallsprinzip auswählen, wird das untersuchte Netz wahrscheinlich sehr unterschiedlich vom tatsächlichen Gesamtnetz sein. Jede Analyse wird dann eine Verzerrung der Realität sein. Mit TCEC können Forschende, die ein Netzwerk mit Millionen von Nutzern wie Twitter untersuchen, eine Stichprobe von 10.000 Knoten auswählen. Diese Stichprobe ist repräsentativer für das Ganze, was den Einfluss der Nutzer/innen gemessen an der Eigenvektor-Zentralität betrifft“, sagt De Bacco.

    Durch die Erweiterung des Modells um PageRank Centrality hoffen Ruggeri und De Bacco, die Datenstichproben weiter zu verbessern und damit die Netzwerkanalysen noch genauer zu machen. Bisher haben die theoretischen Ergebnisse ihrer Forschung jedoch gezeigt, dass eine Stichprobenziehung für PR die Leistung des ursprünglichen TCEC-Algorithmus verringern würde. In einem nächsten Schritt planen die Forschenden, ihre Methode weiter zu verfeinern und in Zusammenarbeit mit Soziolog/innen anzuwenden, um zu untersuchen, wie der Einfluss auf soziale Online-Netzwerke mit realen Ereignissen zusammenhängt.

    Die ursprüngliche TCEC-Stichprobenmethode steht zur Anwendung zur Verfügung. Ruggeri und De Bacco haben den Code hier veröffentlicht: https://github.com/cdebacco/tcec_sampling

  • Bernhard Schölkopf gewinnt den Deutschen KI-Innovationspreis

    Bernhard Schölkopf gewinnt den Deutschen KI-Innovationspreis

    Der Spitzenforscher fördert und betreibt seit Jahren anwendungsnahe Spitzenforschung im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Er ist einer der international angesehensten KI-Forscher und eine der prägendsten Persönlichkeiten der globalen Machine Learning Szene.

    Berlin – WELT hat am Donnerstag, 1. Oktober 2020, den Zweiten „Deutschen KI-Preis“ verliehen und damit bahnbrechende Leistungen auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz gewürdigt. Bei Axel Springer kamen führende Persönlichkeiten aus Politik, Forschung, Wirtschaft sowie der Tech– und Start-up-Szene zusammen. Die Preisverleihung fand aufgrund der Corona-Krise in einer hybriden Form statt, viele weitere Gäste konnten per Live-Stream die Veranstaltung verfolgen. 

    Peter Altmaier, Bundesminister für Wirtschaft und Energie, hielt die Eröffnungsrede und zeigte sich bereits im Vorfeld überzeugt von Deutschlands KI-Community: „Es sind genau solche Innovationen, wie sie die Preisträger und Teilnehmer hier geschaffen haben, die wir mit einem europäischen Ordnungsrahmen ermöglichen und fördern wollen. Wir setzen uns in unserer Ratspräsidentschaft daher dafür ein, bei der Ausgestaltung eines europäischen Ordnungsrahmens den Fokus ganz klar auf Innovationen zu legen.“ 

    Foto Credit: Viviane Wild

    Der „Deutsche KI-Preis“ wurde in drei Kategorien verliehen: Mit dem 100.000 Euro dotierten KI-Innovationspreis zeichnete WELT Professor Dr. Bernhard Schölkopf, Direktor der Abteilung für Empirische Inferenz am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme in Tübingen, aus. Schölkopf fördert und betreibt seit Jahren anwendungsnahe Spitzenforschung im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Er ist einer der international angesehensten KI-Forscher und eine der prägendsten Persönlichkeiten der deutschen KI-Szene. 

    „Maschinelles Lernen und Kausale Inferenz sind wesentliche Teilgebiete der modernen Künstlichen Intelligenz. Meine Forschungsgruppe entwickelt Algorithmen, die mit großen Datensätzen gefüttert werden und durch dieses Training lernen, selbstständig Regelmäßigkeiten in den Daten zu erkennen – ebenso, wie ein Gehirn aus Beobachtungen Gesetzmäßigkeiten erkennt und Schlussfolgerungen zieht. Daher das Wort „Inferenz“: es geht um Wissen, das durch Schlussfolgern gewonnen wird. Eine Maschine findet in großen Datenmengen oft Strukturen, die ein Mensch nicht finden würde. Ich möchte mit meiner Forschung dazu beitragen, dass die theoretischen Methoden des maschinellen Lernens Anwendung finden, so z.B. in der Medizin oder Astronomie“, erklärt Schölkopf seine Forschungsgebiet.

    Klaus Boldt, Senior Editor und Mitglied der Chefredaktion WELT: „Künstliche Intelligenz ist schon heute allgegenwärtig, doch ihr Einfluss und ihre Bedeutung wird in Zukunft noch rasanter ansteigen. Um zu verstehen, welchen Einfluss KI auf die Wirtschaft und Gesellschaft hat und um diesen verantwortungsvoll zu gestalten, gilt es, Forschung und Wissenschaft vor Ort in Deutschland zu fördern. Mit dem ‚Deutschen KI-Preis‘ verschafft WELT dem Thema eine große Bühne und bringt KI-Experten mit Entscheidern aus Politik und Wirtschaft zusammen.“ 

    Über die Preisvergabe des Haupt- und Anwenderpreises und die Nominierung für den Sonderpreis entschied eine Jury bestehend aus herausragenden Vertretern der KI-Anwendung und -Forschung, unter Vorsitz von Hans-Christian „Chris“ Boos, Gründer und Geschäftsführer der KI-Firma Arago und einer der Vordenker der Branche. 

    Unterstützt wird der „Deutsche KI-Preis“ von der BMW Group, Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie (Sonderpreis), Elevate Capital, Henkel, der Maschmeyer Group, Microsoft und Pfizer.

    Foto Credit: Viviane Wild

  • Neue Initiative zu KI in der Medizin gestartet

    Neue Initiative zu KI in der Medizin gestartet

    Die Universität Tübingen sowie die Max-Planck-Institute für biologische Kybernetik und für Intelligente Systeme haben eine neue Initiative zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Medizin und Lebenswissenschaften gestartet. „Die aktuelle Pandemie zeigt, dass wir bei der Bekämpfung globaler Gesundheitsgefahren schneller und effizienter werden müssen. Zu diesem Zweck müssen wir die Potenziale der KI künftig deutlich stärker nutzen. Die neue Initiative bietet die Chance, alle Kräfte zu bündeln und Baden-Württemberg zu einem weltweit sichtbaren Standort für KI-Anwendungen in der Medizin zu machen“, so Wissenschaftsministerin Theresia Bauer, die die Initiative zur engeren Kooperation im Bereich KI und Medizin mit Nachdruck begrüßt, am Dienstag.

    Die neue Initiative sei offen für weitere profilierte Akteure aus dem Kreis der Universitäten, der außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Unternehmen, sagte der Rektor der Universität, Professor Bernd Engler. „Insbesondere streben wir eine enge Kooperation an mit der Universität Stuttgart, die eine erste Adresse für Themen wie Datenintegration und Simulationstechnik ist“. Beide Universitäten könnten sich zudem auf die Zusammenarbeit im Cyber Valley stützen, Europas größtem Forschungsverbund auf dem Gebiet der modernen KI.
     
    Wichtige Partner seien zudem das Deutsche Krebsforschungszentrum, das European Molecular Biology Laboratory (EMBL), die Universität Heidelberg und alle medizinführenden Universitäten in Baden-Württemberg sowie Unternehmen aus dem Kreis der weltweit hoch angesehenen baden-württembergischen Medizintechnikindustrie. Das Forschungsfeld biete darüber hinaus ein gewaltiges Potenzial für die Entstehung von neuen Start-Ups in den Bereichen Diagnostik, Medizintechnik, Pharmazie sowie medizinnaher Dienstleistungen.
     
    Engler kündigte an, dass die Universität und ihre Medizinische Fakultät in einem ersten Schritt noch in diesem Jahr vier zusätzliche Professuren auf diesem zukunftsträchtigen Forschungsfeld einrichten werden. Die künftigen Lehrstühle sollen sich unter anderem mit der Auswertung von medizinischen Bilddaten, Sequenzier- und Metadaten sowie Zeitreihen oder Statistiken mit den Methoden des Maschinellen Lernens befassen und damit neue KI-gestützte Instrumente für Diagnose, Therapieentscheidung und die Entwicklung neuer Arzneimittel schaffen. „Mit der bereits in konkreter Planung befindlichen Errichtung des Cyber Valley-Gebäudes im Tübinger Technologiepark haben Max-Planck-Gesellschaft und Universität im zweiten Bauabschnitt Vorsorge für die mögliche Unterbringung der neuen Professuren und ihrer Forschungsgruppen getroffen“, sagte der Rektor.
     
    Das Vorhaben von Universität, Fakultät und Max-Planck-Instituten wird unter anderem auch von der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung unterstützt. Die Stiftung hat sich vorgenommen, am Standort Tübingen den Aufbau eines weiteren wissenschaftlichen Leuchtturmprojekts zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz in den Neurowissenschaften zu fördern. Bereits seit 20 Jahren fördert die Stiftung in Tübingen das Hertie-Institut für klinische Hirnforschung, das mittlerweile als Modell für den Transfer von Erkenntnissen aus modernster Grundlagenforschung in die klinische Anwendung gilt.
     
    Bereits heute forschen in Tübingen rund 15 Professorinnen und Professoren am Einsatz von Methoden der Informatik in Medizin und Lebenswissenschaften. Dazu kommen zahlreiche Forschungsgruppen. Einrichtungen der Universität wie das Exzellenzcluster „Maschinelles Lernen in der Wissenschaft“ und das von der Bundesregierung finanzierte KI-Kompetenzzentrum machen Tübingen schon heute zum führenden deutschen Standort für Grundlagenforschung im Maschinellen Lernen. Darüber hinaus sind immer mehr Tübinger Medizin-Start-Ups Teil des Cyber Valley Start-Up Networks.
     
    „Mit unserer KI- und Medizin-Initiative bauen wir auf einem starken Fundament auf“, sagte Professor Michael Black, Direktor des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme in Tübingen. „Von der Patientenversorgung über die Diagnose bis hin zur personalisierten Medizin gibt es endlose Möglichkeiten, die moderne Medizin mit KI und Robotik zu stärken. Indem wir unsere Stärken vereinen, wollen wir einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, die Felder von Künstlicher Intelligenz und Medizin voranzubringen.“
     
    „Unsere Arbeiten in der Grundlagenforschung bilden ein solides Fundament dieser sehr vielversprechenden Initiative mit wegweisenden Vorhaben an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Anwendung“, kommentierte Professor Peter Dayan, Geschäftsführender Direktor am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik. „Wegweisende Erkenntnisse aus Analysen hochauflösender bildgebender Verfahren ermöglichen es uns beispielweise, die neuronale Organisation im Gehirn auch im Zusammenhang mit Krankheitsbildern besser zu verstehen; das Potenzial Künstlicher Intelligenz erlaubt es uns etwa, die Komplexität menschlichen Entscheidungsverhaltens besser zu durchdringen, um uns so auch über Wesen und Verlauf typischer psychischer Erkrankungen ein klareres Bild machen zu können.“
     
    Der Dekan der Medizinischen Fakultät, Professor Bernd Pichler, verwies darauf, dass beim Einsatz moderner medizinischer Diagnoseverfahren gewaltige Datenmengen entstehen, deren Auswertung mit herkömmlichen Methoden kaum noch zu bewältigen ist: „Ähnliche Herausforderungen treten bei einer Vielzahl von Fragestellungen in den Lebenswissenschaften auf, von der Grundlagenforschung bis hin zur Translation von Forschungsergebnissen in die klinische Anwendung, etwa in der personalisierten Medizin. Daher bin ich davon überzeugt, dass in den kommenden Jahren und Jahrzehnten bahnbrechende Erfolge in der medizinischen Forschung und der Versorgung von Patienten mit dem Einsatz Künstlicher Intelligenz einhergehen werden.“ Die Auswertung und intelligente Interpretation von Gesundheitsdaten werde nicht nur die Prognose von Krankheitsverläufen vereinfachen oder die Prävention und die Früherkennung von Krankheiten verbessern, sondern unterstütze auch die Suche nach neuen Medikamenten und Therapieoptionen.


    Kontakt:

    Dr. Karl G. Rijkhoek
    Hochschulkommunikation Universität Tübingen
    Telefon: +49 7071 29-76788
    karl.rijkhoek@uni-tuebingen.de
     
    Valérie Callaghan
    Communications Manager Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme
    Telefon: +49 7071 601-1832
    valerie.callaghan@tuebingen.mpg.de
     
    Dr. Daniel Fleiter
    Leiter Kommunikation Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik
    Telefon: +49 7071 601-777
    daniel.fleiter@tuebingen.mpg.de

  • ELLIS: Offizieller Start der 30 Forschungseinheiten an führenden Institutionen in ganz Europa

    ELLIS: Offizieller Start der 30 Forschungseinheiten an führenden Institutionen in ganz Europa

    Bei einer virtuellen Veranstaltung am Dienstag präsentierte das European Laboratory for Learning and Intelligent Systems das breite Spektrum der Forschung, das seine Einheiten im Bereich der modernen KI abdecken werden.

    Tübingen, 15. September 2020 – Das European Laboratory for Learning and Intelligent Systems (ELLIS) hat heute in einer Videokonferenz 30 Forschungseinheiten eingeweiht. Das ELLIS-Netzwerk, das sich über 14 europäische Länder erstreckt, umfasst mehrere Institutionen von weltweiter Bedeutung (siehe vollständige Liste der Einheiten unten). Die ELLIS-Einheiten werden entscheidend dazu beitragen, Europas Souveränität und Führungsrolle auf dem Forschungsgebiet der modernen KI zu sichern.

    „Heute feiern wir die Dynamik, die die ELLIS-Initiative seit ihrer Gründung vor nur zwei Jahren gewonnen hat“, sagte Bernhard Schölkopf, Mitbegründer von ELLIS und Direktor des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme in Tübingen, das auch eine ELLIS-Unit beheimaten wird. „Seit der Ankündigung der ersten 17 Einheiten Ende 2019 wurden dem Netzwerk 13 weitere hinzugefügt. Mit ihren kombinierten Stärken werden die Units dazu beitragen, dass Europa mit den KI-Hotspots der Welt konkurrieren kann, insbesondere den USA und China. Gemeinsam schaffen die Units neue Möglichkeiten für die Zusammenarbeit mit Forschenden in ganz Europa und bilden eine starke Grundlage für die Entwicklung einer KI, die mit den Werten einer offenen europäischen Gesellschaft im Einklang steht.

    ELLIS ist eine gesamteuropäische Initiative, die 2018 ins Leben gerufen wurde. Ihr zentrales Ziel ist es, die europäische Forschungsexzellenz im Bereich des maschinellen Lernens und verwandter Gebiete zu fördern, indem Forschenden hervorragende Möglichkeiten geboten werden, ihre Forschung in Europa durchzuführen und die nächste Generation junger europäischer Forschender in diesem strategisch wichtigen Bereich auszubilden. Sie konzentriert sich insbesondere auf die Bewältigung grundlegender Herausforderungen der Forschung im Bereich der KI, die sich positiv auf Wirtschaft und Gesellschaft auswirken. Gegenwärtig umfassen die Forschungsthemen innerhalb des ELLIS-Netzwerks grundlegendes maschinelles Lernen, Computer Vision, Natural Language Processing, Robotik, menschenzentrierte und vertrauenswürdige KI sowie Anwendungsbereiche wie Umweltmodellierung, Design autonomer Systeme, Biologie und Gesundheit.

    Die ELLIS-Einheiten wurden auf der Grundlage wissenschaftlicher Exzellenz von einem Ausschuss führender Wissenschaftler/innen aus verschiedenen Ländern ausgewählt. Insgesamt haben sie Mittel in Höhe von rund 300 Millionen Euro für einen Anfangszeitraum von fünf Jahren zugesagt. Zwanzig Prozent dieser Summe sind für Aktivitäten des ELLIS-Netzwerks bestimmt, wie z. B. den Austausch von Studierenden und Lehrenden und die Organisation von gemeinsamen ELLIS-Forschungsprogrammen und Workshops.

    ELLIS Units

    1. Alicante (Nuria Oliver, Foundation ELLIS Unit Alicante)
    2. Amsterdam (Max Welling, Universität Amsterdam)
    3. Berlin (Klaus-Robert Müller, TU Berlin)
    4. Cambridge (Carl Rasmussen, Jose Miguel Hernandez Lobato, University of Cambridge)
    5. Copenhagen (Ole Winther, University of Copenhagen)
    6. Darmstadt (Stefan Roth, Technical University of Darmstadt)
    7. Delft (Robert Babuska, Delft University of Technology)
    8. Edinburgh (Chris Williams, University of Edinburgh)
    9. Freiburg (Wolfram Burgard, Universität Freiburg)
    10. Genoa (Massimiliano Pontil, Lorenzo Rosasco, Italian Institute of Technology and University of Genoa)
    11. Heidelberg (Oliver Stegle, German Cancer Research Center, EMBL, University of Heidelberg)
    12. Helsinki (Samuel Kaski, Finnish Center for Artificial Intelligence FCAI, Aalto University)
    13. Lausanne (Pascal Frossard, EPFL)
    14. Leuven (Matthew Blaschko, KU Leuven)
    15. Linz (Sepp Hochreiter, JKU Linz)
    16. Lisbon (Mario Figueiredo, Instituto Superior Tecnico)
    17. London (Arthur Gretton, University College London) 
    18. Munich (Daniel Cremers, Fabian Theis, Massimo Fornasier, TU München, Helmholtz Zentrum München)
    19. Oxford (Yee Whye Teh, Stephen Roberts, Michael Wooldridge, University of Oxford) 
    20. Paris (Gabriel Peyre, PaRis AI Research Institute, DataIA Institute, Sorbonne Center for Artificial Intelligence)
    21. Prague (Josef Sivic, Czech Technical University, Czech Institute of Informatics, Robotics and Cybernetics) 
    22. Radboud (Marcel van Gerven, Radboud University Nijmegen)
    23. Saarbrücken (Bernt Schiele, Max Planck Institute for Informatics, Saarland University)
    24. Technion (Shie Mannor, Technion – Israel Institute of Technology)
    25. Tel Aviv (Amir Globerson, Tel Aviv University)
    26. Turin (Barbara Caputo, Politecnico di Torino)
    27. Tübingen (Matthias Bethge, Bernhard Schölkopf, Universität Tübingen, Max-Planck- Institut für Intelligente Systeme)
    28. Unimore (Rita Cucchiara, University of Modena)
    29. Vienna (Christoph Lampert, IST Austria) 
    30. Zurich (Andreas Krause, ETH) 

    Über ELLIS:

    Das European Laboratory for Learning and Intelligent Systems (ELLIS) wurde im Dezember 2018 auf der Conference on Neural Information Processing Systems (NeurIPS) gegründet.

    ELLIS ist eine paneuropäische wissenschaftliche Organisation, die sich auf die Forschung und die Weiterentwicklung der modernen KI konzentriert. Diese stützt sich stark auf Methoden des maschinellen Lernens, die es Computern ermöglichen, aus Daten und Erfahrungen zu lernen.

    Im März 2019 richtete ELLIS 11 Forschungsprogramme ein, die eine breite Palette von Bereichen innerhalb der modernen KI abdecken und an denen über 100 europäische Forscher beteiligt sind.

    Weitere Informationen zu ELLIS finden Sie unter: https://ellis.eu

    #SupportingEllis

    Twitter: @ELLISforEurope

    Pressekontakt:

    Valérie Callaghan
    Communications Manager
    c/o Max Planck Institute for Intelligent Systems, Tübingen
    T: +49 7071 601 1832
    M: +49 151 1560 4276
    valerie.callaghan@mpg.tuebingen.de

  • Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Winfried Kretschmann zu Besuch im Cyber Valley

    Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Winfried Kretschmann zu Besuch im Cyber Valley

    „Das Cyber Valley steht beispielhaft für die Attraktivität des KI-Standorts Deutschland. Wissenschaft und Wirtschaft arbeiten hier Hand in Hand und zeigen, wie der Transfer aus exzellenter Forschung in innovative Anwendungen und Geschäftsmodelle gelingen kann“, so Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch im Anschluss an eine virtuelle Führung durch Forschungseinrichtungen der Cyber Valley-Initiative zusammen mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann. „Die Bundesregierung wird die KI-Forschung und den Transfer in die Anwendung weiter unterstützen. Mit dem Zukunftspaket stellen wir zusätzliche zwei Milliarden Euro für KI-Ökosysteme von internationaler Strahlkraft, attraktive Bedingungen für Talente und modernste Recheninfrastrukturen bereit.“

    Neben Bundeskanzlerin Merkel und Ministerpräsident Kretschmann nahmen an der Webkonferenz unter anderem auch die Bundeswissenschaftsministerin Anja Karliczek, die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer, Staatssekretär Florian Stegmann, die Direktoren des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme Bernhard Schölkopf und Michael Black sowie der Geschäftsführer Technologie der Robert Bosch GmbH Michael Bolle teil. In einer Mischung aus Filmeinspielungen und Live-Beiträgen präsentierte das Cyber Valley-Forschungskonsortium dabei seine Anfänge und Fortschritte sowie prägnante Beispiele seiner Forschungsergebnisse. Außerdem stellten ausgewählte Start-ups des Cyber Valley Start-up Networks ihre Projekte vor und die wichtige Rolle der Cyber Valley-Initiative für die Wirtschaft wurde erläutert.

    „Die KI ist eines der wichtigsten Zukunftsthemen für Deutschland und Europa. Deswegen müssen wir nun Antworten auf drängende Fragen finden und gemeinsam Lösungen auf den Weg bringen. Die Corona-Pandemie müssen wir dafür nützen, technologisch schneller zu greifbaren Erfolgen zu kommen. Und dafür bietet sich die KI ja förmlich an“, so Kretschmann. Man sollte dabei nach dem Motto ,Stärken stärken‘ vorgehen und bereits vorhandene KI-Hotspots weiterentwickeln. Mit Cyber Valley verfüge man in Baden-Württemberg bereits über eine der größten Forschungskooperationen Europas aus Wissenschaft und Wirtschaft auf dem Gebiet der KI.

    „Das Land Baden-Württemberg investiert in das Cyber Valley bislang rund 180 Millionen Euro. Und wir würden diese wichtige Forschungskooperation gerne weiter ausbauen, am besten in enger Abstimmung mit der Bundesregierung. Mit einer gemeinsamen Finanzierung von Bund, Land und privater Seite könnte ein europäisches Zentrum für Künstliche Intelligenz realisiert werden, das auch international als relevanter Akteur wahrgenommen wird“, so Kretschmann weiter. „Wichtige Schritte hierfür sind die vom Bund geplante Verstetigung der KI-Kompetenzzentren und die Einrichtung von KI-Anwendungshubs hierzulande. Wir in Baden-Württemberg setzen dabei ganz klar auf Exzellenz statt Masse.“

    Bundeskanzlerin Angela Merkel, Cyber Valley

    „Wir sehen, dass weiterhin viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Europa abgeworben werden. Wenn wir vom europäischen Kontinent aus die KI-Entwicklung mitgestalten wollen, brauchen wir ein attraktives wie agiles Umfeld“, so Ministerin Theresia Bauer. „Die enge internationale Vernetzung der KI-Spitzenforschung ist dabei ein zentraler Baustein. Deshalb braucht es jetzt einen Impuls in Richtung Europa.“

    „Wir freuen uns über Besuch von Bundeskanzlerin Merkel und Ministerpräsident Kretschmann“, sagte Bernhard Schölkopf. „Unser virtuelles Arbeitstreffen war eine gute Gelegenheit, nicht nur den aktuellen Stand der KI-Forschung im Cyber Valley zu präsentieren, sondern auch gemeinsam die nationale und europäische KI-Strategie zu erörtern. Für uns ist es wichtig, in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben, um eine KI zu entwickeln, die mit den Werten der offenen Gesellschaften Europas im Einklang steht. Daher sind wir über das Interesse sowie die Unterstützung der Bundesregierung und der baden-württembergischen Landesregierung sehr froh, da wir so Forschungsbedingungen schaffen können, welche die besten Köpfe aus dem In- und Ausland anziehen.“

    Michael Black ergänzte: „Es ist das vorrangige Ziel von Cyber Valley, die Arbeitsplätze der Zukunft zu schaffen – genau hier, in der Region Stuttgart-Tübingen, die über die reichhaltigste und renommierteste Ansammlung von KI-Forschenden in Deutschland verfügt. Darüber hinaus bietet das Cyber Valley-Ökosystem mit den Universitäten Stuttgart und Tübingen sowie dem Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme eine erstklassige Ausbildung auf dem breiten Gebiet der intelligenten Systeme und bereitet sie auf Karrieren in Wissenschaft und Industrie vor. Zudem bietet die starke wirtschaftliche Infrastruktur Baden-Württembergs die idealen Startbedingungen für KI-Start-ups.“

  • Christoph Keplinger als neuer Direktor an das Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme berufen

    Christoph Keplinger als neuer Direktor an das Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme berufen

    Keplingers Forschungsschwerpunkt sind neuartige Materialien und Komponenten, die den Bau von Robotern grundlegend verändern. Er gilt als Pionier auf dem Gebiet der bio-inspirierten Soft-Robotik, als Rising Star im Forschungsgebiet der Robotik und Materialwissenschaft. Als Direktor leitet er fortan die neu gegründete Abteilung Robotik-Materialien. Keplinger wird die zukünftige Entwicklung des Instituts sowie die Exzellenz innerhalb des Cyber Valleys – Europas größtem Forschungskonsortium auf dem Gebiet der KI – maßgeblich prägen.

    Stuttgart – Christoph Keplinger wurde von der Max-Planck-Gesellschaft zum Direktor am Stuttgarter Standort des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme (MPI-IS) ernannt. Er leitet fortan die Abteilung „Robotik-Materialien“. Seine Forschung konzentriert sich auf Soft-Robotik, Funktionspolymere und auf Energiegewinnung – drei miteinander verbundene Schwerpunkte, die für die Erforschung neuartiger Robotik-Materialien maßgeblich sind, da sie die Bauelemente liefern für die intelligenten Systeme der Zukunft.

    Keplinger wechselt an das MPI-IS von der University of Colorado Boulder in den USA, wo er Assistenzprofessor für Maschinenbau war, ein Fellow des Programms für Materialwissenschaften und Ingenieurwesen, und eine Stiftungsprofessur innehatte als Mollenkopf-Faculty Fellow. Seinen Doktortitel (Dr. techn.) in Physik erwarb er an der Johannes Kepler Universität Linz in Österreich, als Postdoktorand forschte er an der Harvard University in den USA. Außerhalb des akademischen Bereichs war er 2018 Mitgründer des Start-ups Artimus Robotics, dessen Chief Scientist er ist.

    Parallel zu seinem Angebot, Direktor am MPI-IS zu werden, wurde Keplinger auch für eine Alexander von Humboldt-Professur an der TU Dresden im Jahr 2021 ausgewählt. Während des Verhandlungsprozesses lehnte er diese prestigeträchtige Ernennung ab, um sich vollständig auf seine Aktivitäten am MPI-IS konzentrieren zu können.

    „Ich fühle mich geehrt, dass die Max-Planck-Gesellschaft ihr Vertrauen in mich setzt“, sagt Christoph Keplinger. „Ich bin begeistert von der Aussicht auf echte akademische Freiheit, auf Neugier-getriebene Forschung und bin dankbar für die großzügige, langfristige Finanzierung, die mit der Ernennung zum Direktor einhergeht. Für mich ist es der größte Schritt in meiner Karriere, eine einmalige Möglichkeit, viele spannende wissenschaftliche Themen anzugehen mit einem Maß an kreativem Output, wie er anderswo so nicht möglich wäre. Hier kann ich eine große, weltweit führende Forschungsgruppe auf dem Gebiet der Robotik-Materialien aufbauen, die materialwissenschaftliche Fragen der Robotik mit Hilfe von Konzepten der Physik und Chemie beantwortet, wofür es viele Möglichkeiten zur Zusammenarbeit mit anderen Gruppen auf dem Stuttgarter Campus gibt . Zugleich kann ich an neuartigen Designs von Robotern arbeiten, die auf intelligenten Werkstoffsystemen basieren und auf den rasch wachsenden Werkzeugkasten im Bereichen Lernen und Wahrnehmung zurückgreifen, der auf dem Tübinger Campus entwickelt wird. Auf diese Weise können mein Team und ich nicht nur neue Materialien erfinden, sondern diese auch auf komplexen Robotersystemen erproben, die die neuesten Entdeckungen des Maschinellen Lernens nutzen und so ein hochmodernes Forschungsökosystem schaffen, das den Stand des Wissens rasch voranbringen wird.“

    „Ich bin mehr als glücklich darüber, Christoph Keplinger als neuen Direktor an unserem Institut begrüßen zu dürfen“, sagt Katherine J. Kuchenbecker, die die Abteilung für Haptische Intelligenz leitet und derzeit geschäftsführende Direktorin des MPI-IS ist. „Christoph hat seine erste Fakultätsstelle erst vor fünf Jahren angetreten, zeigt aber eine bemerkenswerte Reife als Wissenschaftler, als Mentor und als Führungskraft. Ich kann es kaum abwarten, die grundlegenden Erkenntnisse und klugen Innovationen zu sehen, die er und sein Team in den kommenden Jahrzehnten hier in Stuttgart erschaffen werden.“

    „Christoph Keplinger ist ein bemerkenswert kreativer und vielseitiger Wissenschaftler und eine ausgewiesene Führungspersönlichkeit auf dem Gebiet neuartiger Robotik-Materialien“, sagt Metin Sitti, der die Abteilung für Physische Intelligenz am MPI-IS leitet. „Er hat schon zu Beginn seiner jungen Karriere internationale Anerkennung und einen Ruf für wissenschaftliche Exzellenz erlangt, mit mehreren äußerst einflussreichen Publikationen zu Schlüsselthemen der Robotik und Materialwissenschaft, die für die Zukunft intelligenter Systeme entscheidend sind.“

    Die Grenzen verschieben, wie Roboter gebaut werden

    Roboter werden meist aus festen Bauteilen konstruiert, angetrieben durch Elektromotoren aus Metall, was sie schwer macht, beim Einsatz mit Menschen riskant, teuer und oft ungeeignet für unwägbares Terrain. Im Gegensatz dazu macht die Natur ausgiebig Gebrauch von weichen Materialien wie Muskeln und Haut. In der Natur gibt es zahlreiche Organismen, die Roboter in Bezug auf Beweglichkeit, Geschicklichkeit und Anpassungsfähigkeit drastisch übertreffen. Christoph Keplingers Forschung zielt darauf ab, die derzeitigen Grenzen der Hardware, die beim Bau von Robotern zum Einsatz kommt, grundlegend zu verschieben. Er verfolgt einen interdisziplinären Ansatz, der Erkenntnisse aus der Chemie und Physik der weichen Materie mit fortschrittlichen Ingenieurtechniken verbindet, um so Robotik-Materialien zu entwickeln, die nicht nur die Schaffung intelligenter Maschinen ermöglichen, sondern auch die erstaunlichen Fähigkeiten natürlicher Organismen nachahmen.

    Die neue Abteilung „Robotik-Materialien“ am MPI-IS in Stuttgart

    Bezüglich Keplingers erstem Forschungsschwerpunkt, der Soft-Robotik, ist ein zentrales Forschungsthema die Entwicklung neuer Antriebssysteme, oder Aktuatoren – eine Schlüsselkomponente aller Robotersysteme –, die Muskeln ähneln. Muskeln sind ein Meisterwerk der Evolution: sie glänzen mit einer ausgesprochen breiten und ausgewogenen Palette an Leistungsmerkmalen, können nach einer Verletzung heilen und arbeiten auf intelligente Weise mit Sinnesorganen zusammen. Die Anwendungsbereiche der Soft-Robotik reichen von der Automation industrieller Prozesse über medizinische Robotik (Stichwort Exoskelette) bis hin zu neuartigen Mensch-Maschine-Schnittstellen.

    Ein zweites Forschungsthema sind Funktionspolymere mit außergewöhnlichen Eigenschaften: sie können Strom leiten und sind gleichzeitig dehnbar, transparent, biologisch abbaubar und können sich nach einer Beschädigung selbst heilen – alles Schlüsselmerkmale zukünftiger biologisch-inspirierter Robotersysteme.

    Ein dritter Schwerpunkt ist die Erforschung neuer Prinzipien der Energiegewinnung, die es ermöglichen, intelligente autonome Systeme mit Strom zu versorgen und – in größerem

    Maßstab betrachtet – nachhaltige Lösungen für die Nutzung von Abwärme aus industriellen Prozessen zu entwickeln oder ungenutzte erneuerbare Energiequellen wie Meereswellen erschließbar zu machen.

    „Mit Blick auf meine zukünftige Karriere hier in Stuttgart ist es mein langfristiges Ziel, die Grenzen dahingehend zu verschieben, wie komplexe intelligente Maschinen gebaut werden, die mit den Fähigkeiten der in der Natur vorkommenden Organismen konkurrieren oder sie sogar übertreffen. Ich persönlich schöpfe eine Menge Energie und Kraft aus der Vorstellung der zahlreichen praktischen Anwendungen, die von dem in meinem Labor generierten Wissen inspirieren sein werden. Meine Forschung wird sich auf mehrere Bereiche, die direkt mit der Lebensqualität der Menschen zusammenhängen, auswirken, darunter z.B. das Altern. Tragbare oder mit dem Körper verbundene Soft-Robotik Bauteile werden es älteren Menschen ermöglichen, länger mobil und selbständig zu bleiben. Und auch einige Anwendungen in der medizinischen Robotik sind meine Vision. Unsere Forschung wird es auch ermöglichen, Aufgaben im Haushalt zu automatisieren sowie Haushaltsroboter auf der Grundlage kostengünstiger und anpassungsfähiger Robotik-Materialien zu entwickeln. Ein weiterer wichtiger Aspekt, an dem wir arbeiten werden, ist die Entwicklung intelligenter Materialsysteme, um Energie zu gewinnen. Neue Prinzipien der Energiegewinnung werden bisher ungenutzte Quellen erneuerbarer Energie wirtschaftlich tragfähig machen.“

    „Ich erwähne die aufregenden praktischen Anwendungen, die durch meine Forschung ermöglicht werden, denn ich bin mir der Verantwortung voll bewusst, die mit der Verfügung über eine große Menge öffentlicher Mittel verbunden ist. Als Direktor werde ich kontinuierlich danach streben, der Gesellschaft etwas zurückzugeben, indem ich Wissen schaffe, Wohlstand durch Innovationen und die Gründung von Start-up-Unternehmen voranbringe, die nächste Generation aufstrebender Wissenschaftler inspiriere und betreue und die Öffentlichkeit an unserem wissenschaftlichen Fortschritt teilhaben lasse. Ich hoffe, dass viele junge Menschen mit diversen Hintergründen mein Team und mich auf dieser spannenden Reise begleiten und durch die Entwicklung neuer, von der Natur inspirierter Konzepte die Zukunft der Robotik mitgestalten werden.“

    Mit dem Schwerpunkt auf Robotik-Materialien ergänzt und erweitert Christoph Keplinger das Forschungsspektrum des MPI-IS perfekt. Mit Standorten in Tübingen und Stuttgart verbindet das MPI-IS interdisziplinäre Spitzenforschung im wachsenden Forschungsgebiet der intelligenten Systeme unter einem Dach. Der Stuttgarter Standort konzentriert sich insbesondere auf die Erforschung physikalisch intelligenter Systeme wie Mensch, Roboter und Tier. Die Abteilung für Haptische Intelligenz unter Leitung von Katherine J. Kuchenbecker beschäftigt sich mit der Interaktion von Roboter und Menschen über den Tastsinn. Die Abteilung für Physische Intelligenz unter der Leitung von Metin Sitti hat zum Ziel, die Prinzipien von Design, Fortbewegung, Wahrnehmung, Lernen und Steuerung von kleinen mobilen Robotern aus intelligenten und weichen Materialien zu verstehen. Die beiden Abteilungen werden durch Forschungsgruppen ergänzt, die sich auf die Biomechanik und Neurokontrolle von Laufrobotern, die Wechselwirkung optischer, elektrischer und magnetischer Felder mit Materie auf kleinen Längenskalen sowie auf die Forschung an der Schnittstelle von Biologie und Robotik konzentrieren und die morphologischen Anpassungen natürlicher Systeme zur Erzielung einer robusten Fortbewegung erforschen.

    Die Region Stuttgart ist für Christoph Keplinger ein idealer Ort, um seine Karriere voranzutreiben. Mehrere Forschungszentren der Universität Stuttgart und die beiden Fraunhofer-Institute IPA und IAO befinden sich in unmittelbarer Nähe zum Stuttgarter Standort des MPI-IS. Die akademischen Einrichtungen sind von mehreren der weltweit führenden Industrieunternehmen umgeben und bilden Europas größtes Ökosystem im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI): Cyber Valley, gegründet 2016, mit Partnern aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft. Die Partnerschaft stärkt die Forschung und Lehre in den Bereichen Maschinelles Lernen, Computer Vision und Robotik sowie die Verbindungen zwischen diesen Bereichen. „Ja, das ist eine Sache, zu deren Stärkung ich beitragen möchte: die Bemühungen von Cyber Valley im Bereich der Robotik. Es gibt bereits einen starken Fokus auf Informatik und KI, den Bereich Materialien und Robotik möchte ich maßgeblich erweitern und stärken. Ich werde mich kontinuierlich bemühen, die enge Verzahnung der Grundlagenforschung und die Entwicklung neuer Anwendungen voranzubringen“, sagt Keplinger.

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    Christoph Keplinger ist Österreicher und 36 Jahre alt. Bevor er der Max-Planck-Gesellschaft als Direktor am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme (MPI-IS) beitrat, war er Assistenzprofessor für Maschinenbau und Fellow of the Materials Science and Engineering Program an der University of Colorado Boulder in den USA, wo er auch eine Stiftungsprofessur als Mollenkopf Faculty Fellow innehatte. Vor seiner Tätigkeit an der CU Boulder forschte er als Postdoktorand in Mechanik und Chemie an der Harvard University in den USA, und er promovierte in Physik an der Johannes Kepler Universität Linz in Österreich.

    Seine Forschungsarbeiten wurden in führenden Fachzeitschriften wie Science, Science Robotics, PNAS, Advanced Materials und Nature Chemistry veröffentlicht und in populären Medien wie National Geographic und auf TED.com gefeatured.

    Im November 2018 war er Mitbegründer von Artimus Robotics, einem Spin-Out, das seine in der Keplinger-Forschungsgruppe erfundene HASEL-Technologie für künstliche Muskeln kommerzialisiert. Seitdem ist er der Chief Scientist von Artimus.

    Dr. Keplinger hat in seiner jungen Karriere viele Preise gewonnen. Im Jahr 2019 erhielt er den Young Scientist Award auf der Internationalen Konferenz über aktive Materialien und weiche Mechatronik, AMSM, für seine „sehr bedeutenden Beiträge auf dem Gebiet der weichen Sensoren, Aktoren und Robotik“. Im Jahr 2017 erhielt er die Packard Fellowship for Science and Engineering, eine der angesehensten Auszeichnungen, die an Nachwuchswissenschaftler vergeben wird; diese Auszeichnung bietet eine Finanzierung über 5 Jahre, „um in großen Dimensionen zu denken und komplexe Themen mit einer neuen Perspektive zu betrachten“. Im Jahr 2013 erhielt er den EAPromising European Researcher Award vom European Scientific Network for Artificial Muscles, und im Jahr 2012 erhielt er sowohl den Loschmidt-Preis der Chemisch-Physikalischen Gesellschaft Österreichs als auch den Erwin-Wenzl-Preis für seine herausragende Dissertation; 2011 erhielt er den Award of Excellence des österreichischen Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung.

  • From picking up a cube to writing with a pen – learning dexterous manipulation skills on real-world robotic systems

    From picking up a cube to writing with a pen – learning dexterous manipulation skills on real-world robotic systems

    Tübingen – On August 3, the Max Planck Institute for Intelligent Systems (MPI-IS) in Tübingen, Germany, will launch the first global real-world robotics manipulation challenge in the cloud. The robotics challenge aims to democratize research by giving researchers around the globe access to advanced robotic systems. Until now, this access has generally been limited to top academic and industrial labs in the US, Europe, and Japan.


    “We hope that this competition will lead to a more inclusive robotic learning community, foster exchange across academic and industry labs, and spark cooperation,” says Stefan Bauer, a research group leader in the Empirical Inference Department at the MPI-IS. “But we also want to create a benchmark to know what algorithm works best. We can collect much more data than what is possible in individual labs, as we have standardized tasks on a standardized platform.” Manuel Wüthrich, who is also part of the challenge’s organizing team, adds: “Since the robotic systems run around the clock, they generate enough data to actually use deep learning.”


    The robotic platform resembles a hand with three fingers. It is surrounded by three cameras that provide images to measure the results. Several identical robotic platforms have been set up around the robotic lab at the MPI-IS in Tübingen to run the learning algorithms the participating teams submit. Participants can execute their algorithms remotely thanks to a convenient and simple interface. Each team will have a budget of more than 100 real robot hours on one of the high-performing robotic platforms, without any restrictions on the algorithms they execute.


    The challenge comprises three stages. First, participants familiarize themselves with the overall setup and aim to solve a task in a physical simulator. Next, they solve simple real-world tasks: specifically, they are required to train the robot to pick up an object and perform in-hand manipulation with a cube. In the final stage, the robot has to pick up a pen and write a short phrase like “I won!”.


    To achieve these tasks, participants need to design advanced control or reinforcement learning algorithms. “We want to see the extent to which the teams are able to tune their algorithms to fulfill these very difficult tasks. Using a learning-based algorithm for writing with a pen can probably be considered a breakthrough in robotic manipulation,” says Wüthrich.


    “For the first time, we can benchmark all these algorithms on real robots, making them comparable,” says Bauer. “Before, this kind of benchmarking was done mainly in simulation. There is no noise or friction, and contacts are simplified, which makes very impressive results in simulation possible. However, these insights do not typically translate to real robots, in particular for tasks that involve contact and complex interactions with the environment.” Wüthrich adds: “Now, a relatively large number of people who previously didn’t have access to such an advanced robotic platform are able to participate. While some top-notch universities may have extraordinarily good and advanced robots, for most researchers, it is very difficult to gain access to real robotic systems. It is very costly in terms of time and money. Our goal is thus to give a greater number of people  access and an opportunity  to achieve impressive manipulation results.”


    The Real Robotic Challenge will run for 16 weeks. Ultimately, it will help advance the state of the art in dexterous manipulation, which has myriad applications. These include, for instance, construction, cleaning, patient and elder care, agriculture, and product assembly.


    Twitter: @robo_challenge #RoboChallenge

    https://real-robot-challenge.com/

    The robot hand lifts an object and twists it around.

    Several objects make this task more difficult.

    Grabbing a pen is one thing….

    ….but actually writing with it quite another.

    Several completely identical setups are waiting for algorithms to run on them.

  • IMPRS-IS schickt neue Generation junger Wissenschaftler*innen in die Welt

    IMPRS-IS schickt neue Generation junger Wissenschaftler*innen in die Welt

    Nur drei Jahre nach der Gründung der interdisziplinären Doktorandenschule schließen sechs Ph.D.-Studenten ihre Doktorarbeit ab

    Tübingen/Stuttgart – Nur drei Jahre nach dem Start des interdisziplinären Doktorandenprogramms promovieren an der International Max Planck Research School for Intelligent Systems (IMPRS-IS) sechs Doktoranden. Ingrid Blaschzyk, Siyavash Haghiri, Steve Heim, Matthias Kümmerer, Brahyam Ponto und Alonso Marco Valle werden im Rahmen einer Feier im Anschluss an das Sommerkolloquium des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme am Freitag, 24. Juli, geehrt.

    Die IMPRS-IS ist ein Schlüsselelement des Forschungskonsortiums Cyber Valley. Das interdisziplinäre Doktorandenprogramm konzentriert sich auf die erstklassige Ausbildung der weltweit besten Nachwuchsforscher*innen auf dem breiten Gebiet der intelligenten Systeme. Die Forschungsprojekte der Absolvent*innen umfassen eine Vielzahl von Themen in den Bereichen Computer Vision, Robotik und Maschinelles Lernen.

    „Diese ersten sechs IMPRS-IS-Absolventen haben einen Hintergrund, der von Mathematik und Informatik bis hin zu Physik und Ingenieurwesen reicht. Die schiere Breite ihrer Forschung zeigt deutlich die potenziellen Auswirkungen intelligenter Systeme auf die Gesellschaft. Ob sie sich nun für eine akademische Laufbahn entscheiden, den Sprung in die Industrie wagen oder ihre eigene Firma gründen, wir sind gespannt, wie diese jungen Wissenschaftler*innen die Zukunft beeinflussen werden“, sagt Katherine J. Kuchenbecker, Sprecherin der IMPRS-IS, Fakultätsmitglied der Schule und Direktorin der Abteilung für Haptische Intelligenz am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme.

    „Es hat mir wirklich Spaß gemacht, diese zukünftige Generation von Wissenschaftler*innen zu unterstützen und ihre Karriere mitzugestalten. Wir sind stolz auf das, was sie geworden sind, und wünschen ihnen alles Gute für die Zukunft“, sagt Leila Masri, die Koordinatorin der IMPRS-IS.
     
    An der Graduiertenschule sind das Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme (MPI-IS), die Universität Tübingen und die Universität Stuttgart beteiligt. Insgesamt zählt das Programm 56 international renommierte Fakultätsmitglieder und assoziierte Lehrkräfte. Ihre Forschungsfelder decken alle drei Schlüsselbereiche intelligenter Systeme ab, die allgemein als Wahrnehmen, Handeln und Lernen bezeichnet werden. Der Ansatz, Forschungsmöglichkeiten an drei nahegelegenen Institutionen anzubieten, ist äußerst positiv aufgenommen worden, wobei die Doktorand*innen die einfache Interaktion zwischen Wissenschaftler*innen verschiedener Disziplinen lobten.“Ich habe es wirklich genossen, andere Wissenschaftler aus verschiedenen Forschungsbereichen zu treffen und zu sehen, woran sie arbeiten. Ich kam aus meiner Mathematik- und Stochastik-Blase heraus, um Maschinenbauingenieure und Robotiker zu treffen. Es war großartig, mit Wissenschaftlern aus vielen verschiedenen Disziplinen zu interagieren“, sagt Blaschzyk, dessen Forschungsprojekt sich auf die statistische Analyse von lokalisierten Support-Vektor-Maschinen (SVMs) konzentrierte.

    Die Schule bündelt vorhandene Stärken und baut Brücken zwischen den drei beteiligten Institutionen. „Bevor ich zur IMPRS-IS kam, war ich immer ein wenig enttäuscht, dass in Tübingen und Stuttgart so viel interessante KI-Forschung betrieben wird, allerdings in so vielen verschiedenen Instituten und Abteilungen, dass es sehr schwer war, zu wissen, welche Forschung wo tatsächlich betrieben wird, und formell und informell mit anderen Forschern in Kontakt zu treten. Die IMPRS-IS war für mich genau die zentrale Anlaufstelle, die ich gesucht habe“, sagt Kümmerer.

    Seit ihrer Gründung im Juli 2017 hat die IMPRS-IS eine hohe Sichtbarkeit in der wissenschaftlichen Community erlangt. Bis heute haben sich über 2.000 angehende Forschende aus aller Welt im Rahmen der jährlichen Rekrutierungssymposia um einen Platz in der Schule beworben; der nächste Bewerbungstermin ist der 2. November 2020. Derzeit promovieren 160 Doktoran*innen im Rahmen der IMPRS-IS. Diese Zahl übertrifft bei weitem die anfängliche Vision der Schule, bis zu 100 Doktorand*innen zwischen 2017 und 2023 zu rekrutieren. Gegenwärtig ist die IMPRS-IS eines der größten Promotionsprogramme der 65 derzeit vorhandenen innerhalb der Max-Planck-Gesellschaft (MPG).

    Neben der anfänglichen Finanzierung durch die Max-Planck-Gesellschaft erhält die IMPRS-IS auch erhebliche Mittel des Landes Baden-Württemberg für die Doktorandenausbildung an den Universitäten Tübingen und Stuttgart. Die Auswahl der Stipendiaten erfolgt in einem hart umkämpften mehrstufigen Verfahren mit einer Annahmequote zwischen fünf und acht Prozent. Je nach Hintergrund und Interessenlage hat jeder Stipendiat die Möglichkeit, entweder an der Universität Tübingen oder an der Universität Stuttgart zu promovieren.

    Hagihiri fasst die Auslosung der Schule treffend zusammen: „Ich habe mich bei der IMPRS-IS beworben wegen ihres ausgezeichneten akademischen Rufs, der weltweit renommierten Fakultät und wegen des fantastischen Führungsteams. Ich hab die vielen Gelegenheiten genossen, mit anderen zusammenzuarbeiten und in den Bootcamps und Workshops viel zu lernen“.

    Erfahren Sie mehr über die IMPRS-IS unter https://imprs.is.mpg.de